Uner­laub­ter Abdruck von Pres­se­fo­tos

Der u. a. für das Urhe­ber­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat­te über die Fra­ge zu ent­schei­den, wie der Scha­dens­er­satz­an­spruch für den uner­laub­ten Abdruck von Fotos in einer Tages­zei­tung zu bemes­sen ist.

Uner­laub­ter Abdruck von Pres­se­fo­tos

Der kla­gen­de frei­be­ruf­li­che Foto­graf hat einer Tages­zei­tung (Beklag­te zu 1) gegen Ent­gelt eine Viel­zahl von Pres­se­fo­tos zum Abdruck zur Ver­fü­gung gestellt. Ins­ge­samt 43 die­ser Fotos wur­den von der Beklag­ten zu 1 an eine ande­re, recht­lich selb­stän­di­ge Tages­zei­tung (Beklag­te zu 2) ohne Geneh­mi­gung des Klä­gers zum Abdruck wei­ter­ge­ge­ben. Die Beklag­ten sind des­halb rechts­kräf­tig zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz ver­ur­teilt wor­den. Sie haben dar­auf­hin für den zwei­ten Abdruck jeweils 8 DM pro Foto bezahlt. Der Klä­ger ver­langt wei­te­re 2.418,55 ? als Scha­dens­er­satz.

Das Amts­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Das Beru­fungs­ge­richt hat ihr statt­ge­ge­ben. Nach Ansicht des Beru­fungs­ge­richts ist der Scha­dens­er­satz­an­spruch allein danach zu bemes­sen, zu wel­chen ange­mes­se­nen Bedin­gun­gen übli­cher­wei­se der Abdruck in einer Zei­tung mit der Auf­la­ge der zwei­ten Tages­zei­tung gestat­tet wor­den wäre. Dar­auf, wel­che Ver­bin­dun­gen hier zwi­schen den bei­den Tages­zei­tun­gen bestün­den, kom­me es nicht an. Bei der Bemes­sung der Höhe des Scha­dens­er­satz­an­spruchs sei­en die Hono­rar­sät­ze zugrun­de zu legen, die von der Mit­tel­stands­ge­mein­schaft Foto-Mar­ke­ting (MFM) emp­foh­len wür­den. Die MFM-Emp­feh­lun­gen ent­hiel­ten eine Zusam­men­stel­lung der marktübli­chen Hono­ra­re und gäben die Ver­kehrs­sit­te zwi­schen Bild­agen­tu­ren und frei­en Foto­gra­fen auf der einen und Ver­wer­tern auf der ande­ren Sei­te wie­der.

Die Beklag­ten haben mit ihrer – vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­nen – Revi­si­on gel­tend gemacht, das Beru­fungs­ge­richt habe zu Unrecht nicht berück­sich­tigt, dass für die betei­lig­ten Zei­tun­gen ein Man­tel­lie­fe­rungs­ver­trag über wesent­li­che Tei­le der Tages­zei­tung geschlos­sen wor­den sei. Die über­nom­me­nen Fotos sei­en Teil der Man­tel­lie­fe­run­gen gewe­sen. Als Ver­gü­tung für den Zweit­ab­druck sei des­halb das Hono­rar zu zah­len, das ange­sichts der Gesamt­auf­la­ge bei­der Zei­tun­gen tat­säch­lich üblich und ange­mes­sen gewe­sen sei. Die MFM-Emp­feh­lun­gen sei­en ledig­lich Äuße­run­gen eines Inter­es­sen­ver­bands.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Sache an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung wer­de übli­cher­wei­se nach den gesam­ten Umstän­den bemes­sen. Dazu kön­ne hier gehö­ren, dass die betei­lig­ten Zei­tun­gen zeit­gleich in der­sel­ben Regi­on ver­brei­tet wer­den. Eben­so kön­ne von Bedeu­tung sein, ob die Fotos Teil von Man­tel­lie­fe­run­gen gewe­sen sei­en. Es kön­ne nicht ohne wei­te­res ange­nom­men wer­den, dass die MFM-Emp­feh­lun­gen in der frag­li­chen Zeit die ange­mes­se­ne und übli­che Ver­gü­tung wie­der­ge­ge­ben hät­ten. Man­gels eige­ner Sach­kun­de hät­te das Beru­fungs­ge­richt davon nicht ohne sach­ver­stän­di­ge Hil­fe aus­ge­hen dür­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 6. Okto­ber 2005 – I ZR 266/​02 und I ZR 267/​02