Unfall auf dem Bolz­platz

Das Kicken auf einem Bolz­platz fällt in der Regel unter Schutz der Unfall­ver­si­che­rung. Mit die­ser Begür­un­dung hat der zustän­di­ge Spe­zi­al­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm eine Unfall­ver­si­che­rung ver­ur­teilt, dem Klä­ger, der beim Fuß­ball­spie­len auf einem Bolz­platz umge­knickt war, einen Ent­schä­di­gungs­be­trag in Höhe von ca. 8.500,– Euro zu zah­len. Das Gericht in Hamm hat damit ein die Kla­ge abwei­sen­des Urteil des Land­ge­richts Essen abge­än­dert.

Unfall auf dem Bolz­platz

Im Juni 2002 hat­te der Klä­ger mit sei­nem 5‑jährigen Sohn sowie wei­te­ren Vätern und Kin­dern auf einem Bolz­platz Fuß­ball gespielt. Bei einem kämp­fe­ri­schen Ein­satz um den Ball sei der Klä­ger nach sei­ner Dar­stel­lung sodann auf­grund einer Boden­un­eben­heit umge­knickt. Hier­bei zog er sich einen Fuß­wur­zel­aus­riss am Kno­chen unter dem lin­ken Fuß zu, der zu einer anschlie­ßen­den Throm­bo­se geführt hat. Das Land­ge­richt hat eine Ein­stands­pflicht der Ver­si­che­rung ver­neint, da der Klä­ger nicht bewie­sen habe, dass ein “Unfall” im Sin­ne der Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen gege­ben sei.

Die­ser Sicht­wei­se ist das Ober­lan­des­ge­richt nicht gefolgt:
Der Klä­ger kann die Ver­si­che­rung in Anspruch neh­men, da er sich durch einen “Unfall”, also durch
ein plötz­lich von außen auf den Kör­per wir­ken­des Ereig­nis, unfrei­wil­lig ver­letzt hat. Ein sol­ches Unfall­ereig­nis liegt schon dann vor, wenn das Umkni­cken wäh­rend des Fuß­ball­spiels auf­grund einer Boden­un­eben­heit erfolgt ist.

Hier­für spricht im vor­lie­gen­den Fall bereits der Umstand, dass das Fuß­ball­spiel auf einem sog. “Bolz­platz” statt­ge­fun­den hat. Sol­che Plät­ze befin­den sich bekann­ter­ma­ßen in einem schlech­ten Zustand und sind regel­mä­ßig durch Boden­un­eben­hei­ten gekenn­zeich­net. Da es zudem vor­lie­gend kei­nen Anhalts­punkt dafür gab, wel­che das Umkni­cken des Klä­gers ohne Boden­un­eben­heit hät­ten erklä­ren kön­nen (z. B. Alko­hol), war die Ver­si­che­rung im Ergeb­nis ein­tritts­pflich­tig.

Eben­so konn­te sich die Ver­si­che­rung nicht erfolg­reich auf eine Leis­tungs­frei­heit beru­fen, weil der Klä­ger in sei­ner Scha­dens­an­zei­ge auf die Fra­ge nach “Vor­schä­den” eine bei ihm gege­be­ne Adi­po­si­tas (Fett­lei­big­keit) nicht ange­ge­ben habe, da es sich hier­bei nach Auf­fas­sung des Gerichts um kei­ne anzu­zei­gen­de Krank­heit han­de­le.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 15. August 2007 – 20 U 05/​07 -