Unfall­scha­dens­be­rech­nung auf fik­ti­ver Basis

Der Geschä­dig­te muss sich bei der Regu­lie­rung eines Kraft­fahr­zeug­un­fall­scha­dens auch dann noch auf die Stun­den­sät­ze nicht mar­ken­ge­bun­de­ner, von der Arbeits­qua­li­tät her gleich­wer­ti­ger, Fach­werk­stät­ten ver­wei­sen las­sen, wenn der Schä­di­ger bzw. des­sen Ver­si­che­rung den ent­spre­chen­den Ein­wand erst im Lau­fe des Pro­zes­ses erhebt.

Unfall­scha­dens­be­rech­nung auf fik­ti­ver Basis

Im Rah­men der vom Geschä­dig­ten gewähl­ten Abrech­nung auf Gut­ach­tens­ba­sis ist zu berück­sich­ti­gen, dass das Fahr­zeug zum Zeit­punkt der Kol­li­si­on fast sie­ben Jah­re alt war und nicht regel­mä­ßig in einer mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt gewar­tet wur­de. Es sind des­halb nur die Stun­den­ver­rech­nungs­ät­ze einer nicht mar­ken­ge­bun­de­nen, von der Arbeits­qua­li­tät gleich­wer­ti­gen Fach­werk­statt anzu­set­zen [1].

Dabei ist nach Mei­nung des Amts­ge­richts auch nicht zu bean­stan­den, dass die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers erst im Pro­zess ent­spre­chen­de Werk­stät­ten benannt hat. Die vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on ist für den Geschä­dig­ten nicht mit der ver­gleich­bar wie bei der Benen­nung von güns­ti­ge­ren Rest­wert­an­ge­bo­ten. Für Letz­te­re ist es typisch, dass der Geschä­dig­te auf eine mög­lichst zeit­na­he Benen­nung ange­wie­sen ist, um sei­ne Dis­po­si­tio­nen im Hin­blick auf die Ver­äu­ße­rung des Unfall­fahr­zeugs und eine damit in der Regel ver­bun­de­ne Neu­an­schaf­fung tref­fen zu kön­nen.

Anders ver­hält es sich hier. Der Geschä­dig­te sieht gera­de davon ab, die Repa­ra­tur in einer mar­ken­ge­bun­de­nen Werk­statt durch­füh­ren zu las­sen und ent­schei­det sich statt­des­sen für eine Abrech­nung auf fik­ti­ver Basis. Auf­grund der neue­ren Recht­spre­chung muss er ange­sichts des Alters sei­nes Fahr­zeugs von vorn­her­ein damit rech­nen, dass er auf nied­ri­ge­re Stun­den­sät­ze ver­wei­sen wird.

Amts­ge­richt Mann­heim, Urteil vom 28. Janu­ar 2011 – 10 C 269/​10

  1. vgl. Palandt BGB 70. Aufl. § 249 Rn. 14[]