Unge­neh­mig­te Film­auf­nah­men

Bei unge­neh­mig­ten Film­auf­nah­men, die auf dem Betriebs­ge­län­de einer U‑Bahn auf­ge­nom­men wor­den sind und das Besprü­hen der U‑Bahnen mit Graf­fi­ti zei­gen, han­delt es sich um eine Eigen­tums­ver­let­zung. Weder die Her­stel­lung noch die Ver­wen­dung sind durch das Urhe­ber­recht, die Kunst­frei­heit oder die Pres­se­frei­heit gedeckt.

Unge­neh­mig­te Film­auf­nah­men

So hat das Land­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall über die Berech­ti­gung zur Ver­viel­fäl­ti­gung und Ver­brei­tung eines Films über U‑Bahn-Graf­fi­ti in Ber­lin ent­schie­den. Der bean­stan­de­te Film ent­hält Sze­nen, in denen U‑Bahnen mit Graf­fi­ti besprüht wer­den, die auf dem Betriebs­ge­län­de der U‑Bahn auf­ge­nom­men wor­den sind. Die Her­stel­lung der Film­auf­nah­men sind von der BVG nicht geneh­migt wor­den, genau­so­we­nig hat die BVG deren Ver­wen­dung gestat­tet. Mit ihrer Kla­ge vor dem Land­ge­richt Ber­lin begehrt die BVG die Unter­sa­gung, dass der Pro­du­zent und Regis­seur des Films selbst oder durch ande­re Per­so­nen unge­neh­mig­te Film­auf­nah­men von Ver­kehrs­mit­teln bzw. Betriebs­an­la­gen nicht ver­viel­fäl­ti­gen oder ver­brei­ten darf, wenn sie inner­halb der ver­kehrs­mit­tel oder Anla­gen auf­ge­nom­men wor­den sind.

In sei­ner Begrün­dung führt das Land­ge­richt Ber­lin aus, dass nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes das unge­neh­mig­te Fil­men eines Gebäu­des und die Ver­wer­tung der Bil­der eine Eigen­tums­ver­let­zung dar­stellt, wenn das Gebäu­de von dem Grund­stück aus gefilmt wer­de, auf dem es sich befin­de. Ein sol­cher Fall lie­ge hier vor. In dem bean­stan­de­ten Film sei­en Sze­nen zu sehen, in denen U‑Bahnen mit Graf­fi­ti besprüht wür­den und die ersicht­lich auf dem Betriebs­ge­län­de der U‑Bahn auf­ge­nom­men wor­den sei­en. Die BVG habe die Her­stel­lung die­ser Auf­nah­men eben­so­we­nig gestat­tet wie ihre Ver­wen­dung. Ein Berech­ti­gung hier­zu las­se sich weder aus dem Urhe­ber­recht, der Kunst­frei­heit oder der Pres­se­frei­heit ablei­ten.

Das Land­ge­richt hat den Film­pro­du­zen­ten dar­über hin­aus ver­ur­teilt, der BVG Aus­kunft über den Umfang der kom­mer­zi­el­len Nut­zung des Films zu ertei­len.

Land­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 10. Mai 2012 – 16 O 199/​11