Unge­recht­fer­tig­te Berei­che­rung – Nut­zungs­er­satz und Pro­zess­zin­sen

Eine Kumu­la­ti­on von Nut­zungs­er­satz und Pro­zess­zin­sen für den nach § 812 Abs. 1 BGB erlang­ten Geld­be­trag schei­det auch dann aus, wenn der Berei­che­rungs­schuld­ner der ver­schärf­ten Haf­tung des § 819 Abs. 1 BGB unter­wor­fen ist 1.

Unge­recht­fer­tig­te Berei­che­rung – Nut­zungs­er­satz und Pro­zess­zin­sen

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs steht dem Berei­che­rungs­gläu­bi­ger neben dem Anspruch auf Her­aus­ga­be gezo­ge­ner Nut­zun­gen nach § 818 Abs. 1 BGB aus einem rechts­grund­los über­las­se­nen Geld­be­trag nicht kumu­la­tiv ein Anspruch auf Pro­zess­zin­sen für den über­las­se­nen Geld­be­trag zu. Dem liegt die Über­le­gung zugrun­de, dass Pro­zess­zin­sen die Funk­ti­on haben, den Nach­teil aus­zu­glei­chen, den der Gläu­bi­ger dadurch erlei­det, dass er infol­ge nicht recht­zei­ti­ger Zah­lung des Schuld­ners dar­an gehin­dert ist, einen ihm zuste­hen­den Geld­be­trag zu nut­zen. Durch die Zuer­ken­nung des Anspruchs auf Her­aus­ga­be gezo­ge­ner Nut­zun­gen ist die­ser Nach­teil aus­ge­gli­chen. Die zusätz­li­che Zubil­li­gung von Pro­zess­zin­sen wür­de den Berei­che­rungs­gläu­bi­ger ohne Grund bes­ser stel­len, als er bei recht­zei­ti­ger Zah­lung gestan­den hät­te 2. Daher kommt für ein und den­sel­ben Zeit­raum ent­we­der nur der Anspruch auf Nut­zungs­er­satz oder nur der Anspruch auf Pro­zess­zin­sen je nach dem, wel­cher für den Gläu­bi­ger güns­ti­ger ist zum Tra­gen 3.

Dage­gen schei­det eine Kumu­la­ti­on von Nut­zungs­er­satz und Pro­zess­zin­sen für den nach § 812 Abs. 1 BGB erlang­ten Geld­be­trag auch dann aus, wenn der Berei­che­rungs­schuld­ner wie hier der ver­schärf­ten Haf­tung des § 819 Abs. 1 BGB unter­wor­fen ist.

Bei der ver­schärf­ten Haf­tung nach § 819 Abs. 1 BGB wird der Anspruch auf Her­aus­ga­be des Erlang­ten wie ein rechts­hän­gi­ger Anspruch behan­delt, was u.a. zur Anwen­dung der Regeln über die Zah­lung von Pro­zess­zin­sen (§ 291 BGB) führt 4. Damit schul­det der bös­gläu­bi­ge Berei­che­rungs­schuld­ner Pro­zess­zin­sen nicht erst ab Ein­tritt der Rechts­hän­gig­keit des Her­aus­ga­be­an­spruchs nach § 812 Abs. 1 BGB, son­dern schon ab den in § 819 Abs. 1 BGB ange­ge­be­nen Zeit­punk­ten, weil er ab Kennt­nis­er­lan­gung von dem man­geln­den Rechts­grund auf die Rechts­be­stän­dig­keit des Erwerbs nicht ver­trau­en darf 5. Durch die­se zeit­li­che Vor­ver­la­ge­rung der Pflicht zur Zah­lung von Pro­zess­zin­sen ver­än­dert sich aber nicht deren Funk­ti­on als Nach­teils­aus­gleich. Auch bei einem bös­gläu­bi­gen Berei­che­rungs­schuld­ner haben Pro­zess­zin­sen allein den Zweck, für einen Aus­gleich der dem Gläu­bi­ger durch die Vor­ent­hal­tung des ihm zuste­hen­den Geld­be­tra­ges ent­ste­hen­den Nach­tei­le zu sor­gen. An die Vor­ent­hal­tung des nach § 812 Abs. 1 BGB her­aus­zu­ge­ben­den Geld­be­tra­ges knüpft aber auch die Pflicht zur Her­aus­ga­be von Nut­zun­gen an unab­hän­gig davon, ob sie ihre Grund­la­ge in § 818 Abs. 1 BGB oder in § 819 Abs. 1, § 818 Abs. 4, § 292 Abs. 3, § 987 BGB hat. Sie unter­wirft die dem Berei­che­rungs­schuld­ner aus dem erlang­ten Geld­be­trag zuge­flos­se­nen Vor­tei­le der Her­aus­ga­be­pflicht und hat damit eben­so wie Pro­zess­zin­sen eine Aus­gleichs­funk­ti­on für die Vor­ent­hal­tung von Kapi­tal. Könn­te der Berei­che­rungs­gläu­bi­ger im Fal­le der ver­schärf­ten Haf­tung des Schuld­ners nach § 819 Abs. 1 BGB für den von die­sem nach § 812 Abs. 1 BGB her­aus­zu­ge­ben­den Geld­be­trag kumu­la­tiv Pro­zess­zin­sen und Nut­zungs­er­satz ver­lan­gen, stün­de er bes­ser, als wenn der Berei­che­rungs­schuld­ner ihm den Geld­be­trag sofort mit der Kennt­nis­er­lan­gung von dem man­geln­den Rechts­grund wie­der zurück­ge­zahlt hät­te; in letz­te­rem Fall könn­te der Berei­che­rungs­gläu­bi­ger aus dem Geld­be­trag selbst nicht dop­pelt Vor­tei­le zie­hen. Bräch­te man sowohl Pro­zess­zin­sen als auch Nut­zungs­er­satz in Ansatz, erhiel­te der Berei­che­rungs­gläu­bi­ger dage­gen dop­pel­ten Aus­gleich, so dass der Ver­pflich­tung zur Zah­lung von Pro­zess­zin­sen anstel­le eines Kom­pen­sa­ti­ons­cha­rak­ters aus­schließ­lich Straf­cha­rak­ter zukä­me 3. Dies ist jedoch weder mit der Funk­ti­on von Pro­zess­zin­sen noch mit dem Grund der Haf­tungs­ver­schär­fung in § 819 Abs. 1 BGB zu ver­ein­ba­ren, der dar­in besteht, dass den Berei­che­rungs­schuld­ner ab Kennt­nis­er­lan­gung von dem man­geln­den Rechts­grund gestei­ger­te Sorg­falts­pflich­ten im Umgang mit dem Erlang­ten tref­fen und er gleich­sam als "Ver­wah­rer frem­den Guts" ange­se­hen wer­den kann 5. Eine Bestra­fungs­funk­ti­on kommt der Rege­lung des § 819 Abs. 1 BGB dage­gen nicht zu.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. April 2019 – V ZR 341/​17

  1. Wei­ter­füh­rung von BGH, Urteil vom 12.05.1998 – XI ZR 79/​97, NJW 1998, 2529, 2531[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 12.05.1998 – XI ZR 79/​97, NJW 1998, 2529, 2531; Urteil vom 25.04.2017 – XI ZR 573/​15, NJW 2017, 2104 Rn. 44[]
  3. vgl. Bütt­ner, BB 1970, 233, 236[][]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 01.02.2007 – IX ZR 96/​04, BGHZ 171, 38 Rn. 14[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 23.01.2014 – III ZR 436/​12, NJW 2014, 1294 Rn. 13[][]