Unter­bin­dung einer Eigen­tums­stö­rung vom Nach­bar­grund­stück – und der Streit­wert

Der für die Besei­ti­gung der Besitz­stö­rung erfor­der­li­che Kos­ten­auf­wand ist für die Bemes­sung der Beschwer und des Streit­werts eines in sei­nem Eigen­tum gestör­ten Klä­gers grund­sätz­lich uner­heb­lich.

Unter­bin­dung einer Eigen­tums­stö­rung vom Nach­bar­grund­stück – und der Streit­wert

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bemisst sich das glaub­haft zu machen­de – Inter­es­se eines Klä­gers an der Unter­bin­dung einer Eigen­tums­stö­rung nach § 3 ZPO [1].

Im hier ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Das – vor­lie­gend auch für die Rechts­mit­tel­be­schwer maß­geb­li­che – Inter­es­se des Klä­gers ist auf die Ver­hin­de­rung einer Ein­wir­kung vor­lie­gend in Form einer Beein­träch­ti­gung durch von der Nach­bar­par­zel­le abflie­ßen­des Nie­der­schlags­was­ser – auf ein Grund­stück gerich­tet.

Die wirt­schaft­li­che Bemes­sung eines sol­chen Inter­es­ses rich­tet sich grund­sätz­lich nach der Wert­min­de­rung des betrof­fe­nen Grund­stücks [2].

Die Wert­min­de­rung kann dabei ent­we­der durch einen hälf­ti­gen Abschlag vom Wert der betrof­fe­nen Teil­flä­che oder durch einen Abschlags­wert zwi­schen 5 % und 30 % der Gesamt­flä­che bestimmt wer­den [3]. Der für die Besei­ti­gung der Besitz­stö­rung erfor­der­li­che Kos­ten­auf­wand ist für die Bemes­sung der Beschwer – und des Streit­werts – eines in sei­nem Eigen­tum gestör­ten Klä­gers dage­gen grund­sätz­lich uner­heb­lich [4].

Eine Beein­träch­ti­gung ihres Grund­stücks im Umfang von 19.400 € – wie vom Beru­fungs­ge­richt ersicht­lich zugrun­de gelegt [5] – oder mehr haben die Klä­ger nicht glaub­haft gemacht. Nach ihrem Vor­trag wird von dem ablau­fen­den Was­ser eine kon­kre­te Teil­flä­che des Grund­stücks von rund 97 m² beein­träch­tigt, auf die für die Wert­be­rech­nung maß­geb­lich abzu­stel­len ist. Legt man wei­ter den von den Klä­gern ange­ge­be­nen Grund­stücks­wert von 200 €/​m2 zugrun­de und mul­ti­pli­ziert ihn mit der betrof­fe­nen Flä­che, ergibt sich zwar ein Betrag von 19.400 €. Die­ser berück­sich­tigt aber nicht den vor­zu­neh­men­den hälf­ti­gen Abschlag vom Wert der maß­geb­li­chen Teil­flä­che. Von die­sem Abschlag abzu­se­hen, besteht mit Blick auf die Umstän­de des vor­lie­gen­den Falls kein Anlass, zumal das Grund­stück durch die Ein­wir­kun­gen des vom Nach­bar­grund­stück ablau­fen­den Was­sers nur zeit­wei­lig beein­träch­tigt wird. Tat­säch­li­che Anhalts­punk­te, die einen voll­stän­di­gen Wert­ver­lust des betrof­fe­nen Grund­stücks­teils nahe­le­gen könn­ten, sind nicht ersicht­lich. Die Kos­ten, die gege­be­nen­falls zusätz­lich anfal­len, um das auf­ge­lau­fe­ne Nie­der­schlags­was­ser zu besei­ti­gen, sind indes­sen – wie vor­ste­hen­de Aus­füh­run­gen erge­ben – kein für die Bemes­sung des Wert­ver­lusts geeig­ne­ter Maß­stab.

Die Berech­nungs­me­tho­de, die einen Bruch­teil des Gesamt­werts der Immo­bi­lie ansetzt, ist nicht ein­schlä­gig, da die gel­tend gemach­te Beein­träch­ti­gung ledig­lich einen abgrenz­ba­ren Teil des Grund­stücks der Klä­ger betrifft.

Der Wert des auf die Fest­stel­lung der Erle­di­gung des ursprüng­lich gestell­ten Antrags, eine im Grenz­be­reich zwi­schen den Grund­stü­cken ste­hen­de Schwarz­kie­fer zu ent­fer­nen, gerich­te­ten Teils der Kla­ge beläuft sich auf weni­ger als 3.300, 00 €. Streit­wert und Beschwer die­ses von den Klä­gern auch in drit­ter Instanz wei­ter­ver­folg­ten Antrags bestim­men sich nach dem rest­li­chen Betrag der Haupt­sa­che unter Hin­zu­rech­nung der auf den erle­dig­ten Teil ent­fal­len­den Kos­ten der Vor­in­stan­zen [6]. Dabei ist der Wert die­ser Kos­ten durch eine Dif­fe­renz­rech­nung zu ermit­teln, die ergibt, um wel­chen Betrag bis zur teil­wei­sen Erle­di­gung die­je­ni­gen Kos­ten über­schrit­ten wur­den, die ange­fal­len wären, wenn der Klä­ger den Rechts­streit von Anfang an nur über den nicht für erle­digt erklär­ten Teil der Haupt­sa­che geführt hät­te [7].

Im vor­lie­gen­den Fall setzt sich damit der Streit­wert, nach dem die Kos­ten bis zur Abga­be der Erle­di­gungs­er­klä­rung zu berech­nen sind, aus den bei­den in ers­ter Instanz ursprüng­lich gestell­ten Anträ­gen auf Unter­bin­den des Was­ser­zu­flus­ses vom Grund­stück der Beklag­ten einer­seits, der – wie aus­ge­führt – mit 9.700 € zu bewer­ten ist, und auf Ent­fer­nung der Schwarz­kie­fer ande­rer­seits zusam­men.

Soweit die Klä­ger in der Begrün­dung ihrer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de dar­auf abhe­ben, der Wert des ursprüng­li­chen Besei­ti­gungs­an­trags sei höher zu ver­an­schla­gen gewe­sen als der Unter­bin­dungs­an­trag, weil die Schwarz­kie­fer auch ihr Wohn­haus gefähr­det habe, ohne dies jedoch näher zu bezif­fern, mag dies unter­stellt wer­den.

Ent­schei­dend für die Wert­ermitt­lung sind die dem Kla­ge­an­trag zugrun­de lie­gen­den tat­säch­li­chen Anga­ben zum Wert. Der Klä­ger­sei­te ist es ver­wehrt, die­se Anga­ben im Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren zu ändern, um die Wert­gren­ze des (bis 31.12.2019 gül­ti­gen) § 26 Nr. 8 Satz 1 EGZPO jetzt § 544 Abs. 2 Nr. 1 ZPO – zu über­schrei­ten [8].

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Maß­stä­be mag der Wert des Besei­ti­gungs­an­trags auf der Grund­la­ge des bis­he­ri­gen Sach­vor­trags zuguns­ten der Klä­ger mit 2.500 € zu bemes­sen sein. In der Kla­ge­schrift haben sie den (vor­läu­fi­gen) Streit­wert mit (ins­ge­samt) 3.000 € ange­ge­ben, ohne dies zu begrün­den. Unter­stellt, der größ­te Anteil die­ses Betrags sei nach der dama­li­gen Beur­tei­lung der Klä­ger auf die Besei­ti­gung der Schwarz­kie­fer ent­fal­len, mögen hier­von 5/​6 für die­sen Teil des Rechts­streits anzu­set­zen sein.

Die in ers­ter Instanz bis zur ein­sei­ti­gen (Teil-)Erledigungserklärung ange­fal­le­nen Kos­ten belau­fen sich bei einem Streit­wert von 12.200 € (9.700 € + 2.500 €; Streit­wert­stu­fe bis 13.000 €) auf 4.873,66 €; bei einem Streit­wert von 9.700 € (Streit­wert­stu­fe bis 10.000 €) hät­ten sie hin­ge­gen ledig­lich 4.489,12 € betra­gen. Es ergibt sich daher eine wert­wirk­sa­me Kos­ten­dif­fe­renz von 384,54 €, so dass sich Streit­wert und Beschwer auf 10.084,54 € belau­fen.

Selbst unter Ein­be­zie­hung der in zwei­ter Instanz zusätz­lich auf die Fest­stel­lung der Erle­di­gung ange­fal­le­nen Kos­ten von 443, 40 € (5.571,92 € bei einem Streit­wert von 10.084,54 gegen­über 5.128,52 € bei einem Streit­wert von 9.700 €) ergibt sich weder ein Streit­wert in der drit­ten Instanz von mehr als 13.000, 00 € noch die gemäß § 544 Abs. 2 Nr. 1 ZPO erfor­der­li­che Min­dest­be­schwer.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Juli 2020 – III ZR 106/​19

  1. BGH, Beschlüs­se vom 21.03.2019 – V ZR 127/​18, Beck­RS 2019, 6980 Rn. 6; und vom 14.01.2016 – V ZR 94/​15, Beck­RS 2016, 2869 Rn. 7[]
  2. BGH, Beschluss vom 24.09.2015 – V ZB 56/​15, Beck­RS 2015, 18340 Rn. 8[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 24.09.2015 aaO; und vom 15.05.2014 – V ZB 2/​14, NJW-RR 2014, 1297 Rn. 9[]
  4. vgl. zB BGH, Beschlüs­se vom 12.07.2018 – V ZB 218/​17, NZM 2019, 349 Rn. 7; und vom 10.04.2008 – V ZR 154/​07, Beck­RS 2008, 08608 Rn. 6[]
  5. LG Lüne­burg, Beschluss vom 26.06.2019 – 1 S 22/​18[]
  6. vgl. zB BGH, Beschlüs­se vom 18.09.2018 – VI ZB 26/​17, NJW-RR 2019, 189 Rn. 7; und vom 27.09.2017 – VIII ZR 100/​17, Beck­RS 2017, 128428 Rn. 2; jeweils mwN[]
  7. BGH, Beschluss vom 27.09.2017 aaO mwN[]
  8. st. Rspr., zB BGH, Beschlüs­se vom 21.11.2019 – III ZR 14/​19, Beck­RS 2019, 31310 Rn. 5; vom 13.08.2015 – III ZR 340/​14, Beck­RS 2015, 14870 Rn. 5; und vom 26.11.2009 – III ZR 116/​09, NJW 2010, 681 Rn. 5; jew. mwN; BGH, Beschlüs­se vom 21.06.2017 – VII ZR 41/​17, NJW 2017, 3164 Rn. 11; und vom 16.05.2013 – VII ZR 253/​12, NJW-RR 2013, 1402 Rn. 3[]