Unter­schied­li­che Rechts­an­sich­ten – oder ein Ver­stoß gegen das Will­kür­ver­bot?

Ein Rich­ter­spruch ist objek­tiv will­kür­lich (Art. 3 Abs. 1 GG), wenn er unter kei­nem denk­ba­ren Aspekt recht­lich ver­tret­bar ist und sich daher der Schluss auf­drängt, dass er auf sach­frem­den Erwä­gun­gen beruht.

Unter­schied­li­che Rechts­an­sich­ten – oder ein Ver­stoß gegen das Will­kür­ver­bot?

Will­kür liegt dabei erst dann vor, wenn eine offen­sicht­lich ein­schlä­gi­ge Norm nicht berück­sich­tigt, der Inhalt einer Norm in kras­ser Wei­se miss­ver­stan­den oder sonst in nicht mehr nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se ange­wen­det wird, so dass die Ent­schei­dung auf schwe­ren Rechts­an­wen­dungs­feh­lern beruht 1.

Eine behaup­te­te feh­ler­haf­te Ver­trags­aus­le­gung begrün­det kei­nen sol­chen schwe­ren Rechts­an­wen­dungs­feh­ler und damit auch kei­nen Ver­stoß gegen das Will­kür­ver­bot.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. März 2018 – I ZB 97/​17

  1. vgl. BVerfG, NJW 2014, 3147 Rn. 13 mwN; BGH, Ver­säum­nis­ur­teil vom 15.09.2015 – VI ZR 480/​14 18[]