Unter­schrift oder Paraphe?

Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs genügt als Unter­schrift ein Schrift­zug, der indi­vi­du­el­len Cha­rak­ter auf­weist und einem Drit­ten, der den Namen des Unter­zeich­nen­den kennt, ermög­licht, die­sen Namen aus dem Schrift­bild noch her­aus­zu­le­sen, der Unter­zeich­nen­de also erkenn­bar bleibt.

Unter­schrift oder Paraphe?

Die Unter­schrift muss zwar nicht unbe­dingt les­bar sein, min­des­tens ein­zel­ne Buch­sta­ben müs­sen aber – wenn auch nur andeu­tungs­wei­se – zu erken­nen sein, weil es sonst an dem Merk­mal einer Schrift fehlt.

Anzu­le­gen ist ein groß­zü­gi­ger Maß­stab, wenn im Übri­gen an der Autoren­schaft und der Absicht, eine vol­le Unter­schrift zu leis­ten, kei­ne Zwei­fel bestehen. Dage­gen stellt ein Schrift­zug, der als bewuss­te und gewoll­te Namens­ab­kür­zung erscheint (Hand­zei­chen, Para­phe), kei­ne form­gül­ti­ge Unter­schrift dar1.

Ob ein Schrift­zei­chen eine Unter­schrift oder ledig­lich eine Abkür­zung (Hand­zei­chen, Para­phe) dar­stellt, beur­teilt sich nach dem äuße­ren Erscheinungsbild.

Auch ein stark ver­ein­fach­ter und nicht les­ba­rer Namens­zug kann als Unter­schrift anzu­er­ken­nen sein, wenn der Unter­zeich­ner auch sonst in glei­cher oder ähn­li­cher Wei­se unter­schreibt2.

Gemes­sen an die­sen Grund­sät­zen stellt der Schrift­zug, mit dem im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Ver­trag gezeich­net wur­de, eine Unter­schrift und nicht nur eine Para­phe dar: Der Schrift­zug ist von indi­vi­du­el­lem Geprä­ge und hat cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­ma­le, wel­che die Iden­ti­tät des­sen, von dem er stammt, aus­rei­chend kenn­zeich­nen. Abge­se­hen davon, dass der Schrift­zug nur aus einer geschwun­ge­nen Linie und einem Punkt besteht, deu­tet nichts dar­auf hin, dass es sich um eine Abkür­zung han­deln könn­te. Er ist zwar ein­fach struk­tu­riert und einem star­ken Abschlei­fungs­pro­zess unter­le­gen, aber den­noch hin­rei­chend indi­vi­du­ell aus­ge­führt, so dass ihm ins­ge­samt der Cha­rak­ter einer Unter­schrift nicht abge­spro­chen wer­den kann.

Eine Les­bar­keit der Unter­schrift ist nicht erforderlich.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Febru­ar 2021 – XII ZR 26/​20

  1. BGH, Beschluss vom 19.10.2011 – XII ZB 250/​11 , FamRZ 2012, 106 Rn. 14 mwN[]
  2. BGH Beschluss vom 07.04.2011 – V ZB 207/​10 , NJW-RR 2011, 953 Rn. 21 mwN[]

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