Unver­ständ­li­che und ver­wor­re­ne Urteils­grün­de

Eine Ent­schei­dung ist dann nicht mit Grün­den ver­se­hen, wenn aus ihr – ins­ge­samt oder bezo­gen auf ein­zel­ne pro­zes­sua­le Ansprü­che – nicht zu erken­nen ist, wel­che tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen und wel­che recht­li­chen Erwä­gun­gen für die getrof­fe­ne Ent­schei­dung maß­ge­bend waren.

Unver­ständ­li­che und ver­wor­re­ne Urteils­grün­de

Der "feh­len­den" Begrün­dung gleich­zu­set­zen ist der Fall, dass zwar Grün­de vor­han­den sind, die­se aber unver­ständ­lich und ver­wor­ren oder aber sach­lich inhalts­los sind und sich auf lee­re Redens­ar­ten oder ein­fach auf die Wie­der­ga­be des Geset­zes­tex­tes beschrän­ken 1.

So in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall: In der Kla­ge­schrift, auf wel­che das Beru­fungs­ur­teil hin­sicht­lich des Erlö­schens der Dar­le­hens­for­de­run­gen ver­weist, hat der Klä­ger For­de­run­gen dar­ge­stellt, wel­che die Beklag­te vor­pro­zes­su­al gegen die Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­sprü­che ver­rech­net habe. Die Sum­me die­ser For­de­run­gen beträgt 452.603, 79 €. Die­ser Betrag fin­det sich auch im Tat­be­stand des land­ge­richt­li­chen Urteils. Gegen­for­de­run­gen von 452.603, 79 € kön­nen For­de­run­gen in Höhe von ins­ge­samt 609.003, 79 € selbst dann nicht zum Erlö­schen brin­gen, wenn sie fäl­lig und ein­re­de­frei bestehen. War­um das Beru­fungs­ge­richt das klag­ab­wei­sen­de Urteil des Land­ge­richts gleich­wohl voll­um­fäng­lich bestä­tigt hat, lässt sich nicht nach­voll­zie­hen.

Das ange­foch­te­ne Urteil kann damit kei­nen Bestand haben. Es ist auf­zu­he­ben (§ 562 Abs. 1 ZPO).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. März 2015 – IX ZR 5/​13

  1. BGH, Beschluss vom 21.12 1962 – I ZB 27/​62, BGHZ 39, 333, 337[]