Urteils­aus­fer­ti­gung – und die Unter­schrift des Urkunds­be­am­ten

Die Aus­fer­ti­gung ist nach § 317 Abs. 4 ZPO von dem Urkunds­be­am­ten der Geschäfts­stel­le zu unter­schrei­ben und mit dem Gerichts­sie­gel zu ver­se­hen. Mit sei­ner Unter­schrift erklärt der Urkunds­be­am­te, dass das in der Aus­fer­ti­gung wie­der­ge­ge­be­ne Urteil mit der Urschrift über­ein­stimmt1.

Urteils­aus­fer­ti­gung – und die Unter­schrift des Urkunds­be­am­ten

An die Unter­schrift des Urkunds­be­am­ten sind die­sel­ben Anfor­de­run­gen zu stel­len wie an die Unter­zeich­nung bestim­men­der Schrift­sät­ze durch Rechts­an­wäl­te2. Für eine Unter­schrift ist erfor­der­lich, aber auch genü­gend ein die Iden­ti­tät des Unter­schrei­ben­den aus­rei­chend kenn­zeich­nen­der Schrift­zug, der indi­vi­du­el­le und ent­spre­chend cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­ma­le auf­weist, die die Nach­ah­mung erschwe­ren, sich als Wie­der­ga­be eines Namens dar­stellt und die Absicht einer vol­len Unter­schrifts­leis­tung erken­nen lässt, selbst wenn er nur flüch­tig nie­der­ge­legt und von einem star­ken Abschlei­fungs­pro­zess gekenn­zeich­net ist3.

An das Schrift­bild einer wirk­sa­men Unter­schrift dür­fen kei­ne über­höh­ten Anfor­de­run­gen gestellt wer­den. Eine Unter­schrift muss nicht les­bar sein; Ver­ein­fa­chun­gen, Undeut­lich­kei­ten und Ver­stüm­me­lun­gen sind unschäd­lich. Selbst ein ver­ein­fach­ter und nicht les­ba­rer Namens­zug kann als Unter­schrift anzu­er­ken­nen sein; dabei ist auch von Bedeu­tung, ob der Unter­zeich­ner auch sonst in glei­cher oder ähn­li­cher Wei­se unter­schreibt4.

Hin­ge­gen genügt nicht ein Schrift­zug, der nach sei­nem äuße­ren Erschei­nungs­bild eine bewuss­te und gewoll­te Namens­ab­kür­zung (Hand­zei­chen, Para­phe) dar­stellt5.

Im hier ent­schie­de­nen Fall war die über­mit­tel­te Urteils­aus­fer­ti­gung nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs mit einer den genann­ten Anfor­de­run­gen genü­gen­den Unter­schrift des Urkunds­be­am­ten der Geschäfts­stel­le ver­se­hen: Der Schrift­zug des unter­zeich­nen­den Jus­tiz­an­ge­stell­ten ist zwar nicht les­bar und lässt des­sen Namen nicht erken­nen. Gleich­wohl stellt sich der Schrift­zug nicht nur als Hand­zei­chen oder sons­ti­ge Namens­ab­kür­zung dar, son­dern ist nach dem Gesamt­bild als voll­stän­di­ge Namens­un­ter­schrift zu qua­li­fi­zie­ren. Er besteht nicht nur aus nicht iden­ti­fi­zier­ba­ren Stri­chen und Schlei­fen, son­dern aus meh­re­ren, wenn auch schwer les­ba­ren Buch­sta­ben, die in einer indi­vi­du­el­len und cha­rak­te­ris­ti­schen Wei­se ange­ord­net sind und eine Iden­ti­fi­zie­rung des Unter­zeich­nen­den ermög­li­chen. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass der Urkunds­be­am­te auf ande­ren in der Gerichts­ak­te befind­li­chen Doku­men­ten stets in glei­cher Art und Wei­se über sei­nem aus­ge­druck­ten Namen unter­zeich­net hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Mai 2015 – IV ZB 32/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 28.11.2006 – VIII ZB 116/​05
  2. BGH, Beschluss vom 31.07.2013 – VIII ZB 18/​13, NJW 2013, 3451 Rn. 6; Urteil vom 27.10.1987 – VI ZR 268/​86, NJW 1988, 713 unter II 1 a, m.w.N.
  3. BGH, Beschlüs­se vom 31.07.2013 aaO; vom 09.02.2010 – VIII ZB 67/​09 10 m.w.N.
  4. BGH, Beschlüs­se vom 09.02.2010 aaO; vom 26.02.1997 – XII ZB 17/​97, Fam­RZ 1997, 737 unter II; jeweils m.w.N.
  5. BGH, Beschlüs­se vom 31.07.2013 aaO Rn. 8; vom 09.02.2010 aaO; vom 21.02.2008 – V ZB 96/​07 8; vom 28.09.1998 – II ZB 19/​98, NJW 1999, 60 unter II 1; jeweils m.w.N.