Urteils­grün­de – und die beschränk­te Zulas­sung eines Rechtsmittels

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann sich die Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung auch aus den Ent­schei­dungs­grün­den des Beru­fungs­ur­teils ergeben.

Urteils­grün­de – und die beschränk­te Zulas­sung eines Rechtsmittels

Hat das Beru­fungs­ge­richt die Revi­si­on wegen einer Rechts­fra­ge zuge­las­sen, die nur für einen ein­deu­tig abgrenz­ba­ren Teil des Streit­stoffs von Bedeu­tung ist, kann die gebo­te­ne Aus­le­gung der Ent­schei­dungs­grün­de erge­ben, dass die Zulas­sung der Revi­si­on auf die­sen Teil des Streit­stoffs beschränkt ist1.

Aller­dings kann die Zulas­sung der Revi­si­on nicht auf ein­zel­ne Rechts­fra­gen oder Anspruchs­ele­men­te beschränkt wer­den, son­dern nur auf einen tat­säch­lich und recht­lich selb­stän­di­gen und abtrenn­ba­ren Teil des Gesamt­streit­stoffs, auf den auch die Par­tei selbst die Revi­si­on beschrän­ken könn­te2. Hier­bei muss es sich zwar weder um einen eige­nen Streit­ge­gen­stand han­deln noch muss der betrof­fe­ne Teil des Streit­stoffs auf der Ebe­ne der Beru­fungs­in­stanz teil­ur­teils­fä­hig sein3. Es ist aber eine Selb­stän­dig­keit des von der Zulas­sungs­be­schrän­kung erfass­ten Teils des Streit­stoffs in dem Sin­ne erfor­der­lich, dass die­ser in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht unab­hän­gig von dem übri­gen Pro­zess­stoff beur­teilt wer­den und auch im Fal­le einer Zurück­ver­wei­sung kein Wider­spruch zum nicht anfecht­ba­ren Teil des Streit­stoffs auf­tre­ten kann3.

Nach die­sen Maß­ga­ben war in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit die Revi­si­on für die Klä­ger­sei­te in vol­lem Umfang zugelassen:

Aus der Begrün­dung für die Zulas­sung in den Ent­schei­dungs­grün­den des Beru­fungs­ur­teils ergibt sich kei­ne wirk­sa­me Beschrän­kung der im Tenor nicht ein­ge­schränk­ten Revi­si­ons­zu­las­sung. Denn die Fra­ge, ob die Klä­ge­rin im Fall einer wirk­sa­men Anfech­tung des Kauf­ver­trags wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung zur Rück­zah­lung der geleis­te­ten Zins und Til­gungs­ra­ten an den Beklag­ten ver­pflich­tet ist, ist ledig­lich eine ein­zel­ne Rechts­fra­ge, aber kein selb­stän­di­ger Teil des Streit­stof­fes, des­sen Prü­fung im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren von der Prü­fung der Wirk­sam­keit der Anfech­tung getrennt wer­den könn­te. Die­se Fra­ge ist wie­der­um nicht nur für die Statt­ga­be der Wider­kla­ge, son­dern auch für die Abwei­sung der Kla­ge tra­gend, da letz­te­re von den Vor­in­stan­zen eben­falls mit der wirk­sa­men Anfech­tung des Kauf­ver­trags begrün­det wor­den ist.

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Erledigung vor dem unzuständigen Gericht

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Juni 2021 – XI ZR 568/​19

  1. vgl. nur BGH, Urtei­le vom 27.09.2011 XI ZR 182/​10, WM 2011, 2268 Rn. 8, inso­weit in BGHZ 191, 119 nicht abge­druckt; vom 04.03.2014 XI ZR 178/​12, BKR 2014, 245 Rn. 18; und vom 11.09.2018 XI ZR 125/​17, WM 2018, 2128 Rn. 10 mwN[]
  2. BGH, Urtei­le vom 04.03.2014 XI ZR 178/​12, BKR 2014, 245 Rn. 21 f.; vom 26.04.2016 XI ZR 114/​15, BKR 2016, 341 Rn. 10; und vom 11.09.2018 XI ZR 125/​17, WM 2018, 2128 Rn. 10, jeweils mwN[]
  3. BGH, Urtei­le vom 04.03.2014, aaO Rn. 21; vom 26.04.2016, aaO Rn. 11; und vom 11.09.2018, aaO[][]