Ver­bots­an­trag – und sei­ne inhalt­li­che Bestimmt­heit

Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO darf ein Ver­bots­an­trag nicht der­art undeut­lich gefasst sein, dass Gegen­stand und Umfang der Ent­schei­dungs­be­fug­nis des Gerichts (§ 308 Abs. 1 ZPO) nicht erkenn­bar abge­grenzt sind, sich der Beklag­te des­halb nicht erschöp­fend ver­tei­di­gen kann und letzt­lich die Ent­schei­dung dar­über, was dem Beklag­ten ver­bo­ten ist, dem Voll­stre­ckungs­ge­richt über­las­sen bleibt [1].

Ver­bots­an­trag – und sei­ne inhalt­li­che Bestimmt­heit

Aus die­sem Grund sind Unter­las­sungs­an­trä­ge, die ledig­lich den Wort­laut eines Geset­zes wie­der­ho­len, grund­sätz­lich als zu unbe­stimmt und damit unzu­läs­sig anzu­se­hen [2].

Abwei­chen­des kann gel­ten, wenn ent­we­der bereits der gesetz­li­che Ver­bots­tat­be­stand selbst ent­spre­chend ein­deu­tig und kon­kret gefasst oder der Anwen­dungs­be­reich einer Rechts­norm durch eine gefes­tig­te Aus­le­gung geklärt ist, sowie auch dann, wenn der Klä­ger hin­rei­chend deut­lich macht, dass er nicht ein Ver­bot im Umfang des Geset­zes­wort­lauts bean­sprucht, son­dern sich mit sei­nem Unter­las­sungs­be­geh­ren an der kon­kre­ten Ver­let­zungs­hand­lung ori­en­tiert [3].

Die Beja­hung der Bestimmt­heit setzt in sol­chen Fäl­len aller­dings grund­sätz­lich vor­aus, dass sich das mit dem selbst nicht hin­rei­chend kla­ren Antrag Begehr­te im Tat­säch­li­chen durch Aus­le­gung unter Her­an­zie­hung des Sach­vor­trags des Klä­gers ein­deu­tig ergibt und die betref­fen­de tat­säch­li­che Gestal­tung zwi­schen den Par­tei­en nicht in Fra­ge gestellt ist, son­dern sich der Streit der Par­tei­en aus­schließ­lich auf die recht­li­che Qua­li­fi­zie­rung der ange­grif­fe­nen Ver­hal­tens­wei­se beschränkt [4].

Nach die­sen Grund­sät­zen ist der Kla­ge­an­trag hin­rei­chend bestimmt gefasst, auch wenn sich der gel­tend gemach­te Unter­las­sungs­an­spruch weit­ge­hend mit dem Geset­zes­wort­laut deckt, sofern die­se gesetz­li­che Vor­schrift so kon­kret gefasst ist, dass schon aus die­sem Grund im Nor­mal­fall kei­ne Beden­ken gegen die Bestimmt­heit eines die Geset­zes­fas­sung wie­der­ho­len­den Unter­las­sungs­an­trags unter Her­an­zie­hung des Kla­ge­vor­brin­gens bestehen [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. April 2015 – I ZR 196/​13

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 17.07.2003 – I ZR 259/​00, BGHZ 156, 1, 8 f. – Paper­boy; Urteil vom 09.07.2009 – I ZR 13/​07, GRUR 2009, 977 Rn. 21 = WRP 2009, 1076 – Bril­len­ver­sor­gung; Urteil vom 29.04.2010 – I ZR 202/​07, GRUR 2010, 749 Rn. 21 = WRP 2010, 1030 – Erin­ne­rungs­wer­bung im Inter­net[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 24.11.1999 – I ZR 189/​97, GRUR 2000, 438, 440 = WRP 2000, 389 – Geset­zes­wie­der­ho­len­de Unter­las­sungs­an­trä­ge; Urteil vom 12.07.2001 – I ZR 261/​98, GRUR 2002, 77, 78 = WRP 2002, 85 – Rechen­zen­trum; BGH, GRUR 2007, 607 Rn. 16 – Tele­fon­wer­bung für „Indi­vi­du­al­ver­trä­ge“[]
  3. BGH, GRUR 2007, 607 Rn. 16 – Tele­fon­wer­bung für „Indi­vi­du­al­ver­trä­ge“; Urteil vom 04.10.2007 – I ZR 22/​05, GRUR 2008, 532 Rn. 16 = WRP 2008, 782 – Umsatz­steu­er­hin­weis; BGH, GRUR 2011, 936 Rn. 16 – Dou­ble­op­tin-Ver­fah­ren[]
  4. BGH, Urteil vom 29.06.1995 – I ZR 137/​93, GRUR 1995, 832, 834 = WRP 1995, 1026 Ver­brau­cher­ser­vice; Urteil vom 19.04.2007 – I ZR 35/​04, GRUR 2007, 708 Rn. 50 = WRP 2007, 964 – Inter­net-Ver­stei­ge­rung II; BGH, GRUR 2010, 749 Rn. 21 – Erin­ne­rungs­wer­bung im Inter­net[]
  5. BGH, Urteil vom 22.06.1989 – I ZR 171/​87, GRUR 1989, 835 – Rück­kehr­pflicht III; Urteil vom 14.12 1989 – I ZR 37/​88, NJW 1990, 1366 Rück­kehr­pflicht IV[]