Verbotsantrag – und seine inhaltliche Bestimmtheit

Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO darf ein Verbotsantrag nicht derart undeutlich gefasst sein, dass Gegenstand und Umfang der Entscheidungsbefugnis des Gerichts (§ 308 Abs. 1 ZPO) nicht erkennbar abgegrenzt sind, sich der Beklagte deshalb nicht erschöpfend verteidigen kann und letztlich die Entscheidung darüber, was dem Beklagten verboten ist, dem Vollstreckungsgericht überlassen bleibt1.

Verbotsantrag – und seine inhaltliche Bestimmtheit

Aus diesem Grund sind Unterlassungsanträge, die lediglich den Wortlaut eines Gesetzes wiederholen, grundsätzlich als zu unbestimmt und damit unzulässig anzusehen2.

Abweichendes kann gelten, wenn entweder bereits der gesetzliche Verbotstatbestand selbst entsprechend eindeutig und konkret gefasst oder der Anwendungsbereich einer Rechtsnorm durch eine gefestigte Auslegung geklärt ist, sowie auch dann, wenn der Kläger hinreichend deutlich macht, dass er nicht ein Verbot im Umfang des Gesetzeswortlauts beansprucht, sondern sich mit seinem Unterlassungsbegehren an der konkreten Verletzungshandlung orientiert3.

Die Bejahung der Bestimmtheit setzt in solchen Fällen allerdings grundsätzlich voraus, dass sich das mit dem selbst nicht hinreichend klaren Antrag Begehrte im Tatsächlichen durch Auslegung unter Heranziehung des Sachvortrags des Klägers eindeutig ergibt und die betreffende tatsächliche Gestaltung zwischen den Parteien nicht in Frage gestellt ist, sondern sich der Streit der Parteien ausschließlich auf die rechtliche Qualifizierung der angegriffenen Verhaltensweise beschränkt4.

Nach diesen Grundsätzen ist der Klageantrag hinreichend bestimmt gefasst, auch wenn sich der geltend gemachte Unterlassungsanspruch weitgehend mit dem Gesetzeswortlaut deckt, sofern diese gesetzliche Vorschrift so konkret gefasst ist, dass schon aus diesem Grund im Normalfall keine Bedenken gegen die Bestimmtheit eines die Gesetzesfassung wiederholenden Unterlassungsantrags unter Heranziehung des Klagevorbringens bestehen5.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 30. April 2015 – I ZR 196/13

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 17.07.2003 – I ZR 259/00, BGHZ 156, 1, 8 f. – Paperboy; Urteil vom 09.07.2009 – I ZR 13/07, GRUR 2009, 977 Rn. 21 = WRP 2009, 1076 – Brillenversorgung; Urteil vom 29.04.2010 – I ZR 202/07, GRUR 2010, 749 Rn. 21 = WRP 2010, 1030 – Erinnerungswerbung im Internet[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 24.11.1999 – I ZR 189/97, GRUR 2000, 438, 440 = WRP 2000, 389 – Gesetzeswiederholende Unterlassungsanträge; Urteil vom 12.07.2001 – I ZR 261/98, GRUR 2002, 77, 78 = WRP 2002, 85 – Rechenzentrum; BGH, GRUR 2007, 607 Rn. 16 – Telefonwerbung für „Individualverträge“[]
  3. BGH, GRUR 2007, 607 Rn. 16 – Telefonwerbung für „Individualverträge“; Urteil vom 04.10.2007 – I ZR 22/05, GRUR 2008, 532 Rn. 16 = WRP 2008, 782 – Umsatzsteuerhinweis; BGH, GRUR 2011, 936 Rn. 16 – Doubleoptin-Verfahren[]
  4. BGH, Urteil vom 29.06.1995 – I ZR 137/93, GRUR 1995, 832, 834 = WRP 1995, 1026 Verbraucherservice; Urteil vom 19.04.2007 – I ZR 35/04, GRUR 2007, 708 Rn. 50 = WRP 2007, 964 – Internet-Versteigerung II; BGH, GRUR 2010, 749 Rn. 21 – Erinnerungswerbung im Internet[]
  5. BGH, Urteil vom 22.06.1989 – I ZR 171/87, GRUR 1989, 835 – Rückkehrpflicht III; Urteil vom 14.12 1989 – I ZR 37/88, NJW 1990, 1366 Rückkehrpflicht IV[]