Ver­brann­te Fuß­soh­len im Schwimmbad

Ein Schwimm­bad­be­su­cher muss sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass eine am Boden im all­ge­mein zugäng­li­chen Bereich befind­li­che Metall­plat­te gefahr­los betre­ten wer­den kann. Der Betrei­ber eines Schwimm­ba­des kann und muss in Ruhe pla­nen und über­le­gen, wel­che Gefah­ren von sei­ner Ein­rich­tung aus­ge­hen und muss sei­ne Gäs­te hier­vor schüt­zen und Gefah­ren­quel­len beseitigen.

Ver­brann­te Fuß­soh­len im Schwimmbad

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall wegen Ver­let­zung einer Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht durch eine Schwimm­bad­be­trei­be­rin die­se zur Zah­lung eines Schmer­zens­gel­des in Höhe von 750,00 € ver­pflich­tet und der Kla­ge eines Klein­kin­des statt­ge­ge­ben. Das 17 Mona­te alte Mäd­chen besuch­te mit sei­ner Mut­ter ein Schwimm­bad. In Becken­nä­he befand sich dort auf einem Fuß­weg im Boden eine gro­ße Metall­plat­te. Die­se hat­te sich durch inten­si­ve Son­nen­ein­strah­lung bei hoch­som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren stark erhitzt. Die Plat­te war weder beson­ders gekenn­zeich­net noch wur­de dort in sons­ti­ger Wei­se vor Gefah­ren gewarnt. Die Klä­ge­rin lief bar­fuß vor ihrer Mut­ter her und betrat die Plat­te, auf der sie sodann ste­hen blieb und anfing zu wei­nen, wor­auf­hin die Mut­ter ihre Toch­ter sofort schnapp­te und auf den Arm nahm. Da Kin­der an den Fuß­soh­len noch nicht so wider­stands­fä­hi­ge Haut­schich­ten wie Erwach­se­ne haben, zog sich die Klä­ge­rin unter bei­den Fuß­soh­len Ver­bren­nun­gen zu, die im Kran­ken­haus behan­delt wer­den muss­ten. Unter bei­den Fuß­soh­len bil­de­ten sich Bla­sen. Es war an bei­den Fuß­soh­len ca. 5 % der Kör­per­ober­flä­che ver­brannt. Die Klä­ge­rin konn­te in der ers­ten Woche nach dem Vor­fall nicht gehen und schlief schlecht. Die Behand­lung der Ver­bren­nun­gen dau­er­te ca. drei Wochen. Die Klä­ge­rin begehr­te von der beklag­ten Schwimm­bad­be­trei­be­rin ein Schmer­zens­geld in Höhe von min­des­tens 750,00 €.

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In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Land­ge­richt Koblenz aus­ge­führt, dass die Schwimm­bad­be­trei­be­rin ver­pflich­tet gewe­sen wäre, Schutz­vor­keh­run­gen zu tref­fen, um Schwimm­bad­be­su­cher vor den von der bei Son­nen­ein­strah­lung erhitz­ten Metall­plat­te aus­ge­hen­den Gefah­ren zu schüt­zen. Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Koblenz müs­se ein Schwimm­bad­be­su­cher nicht damit rech­nen, dass sich in einem Bereich, der unein­ge­schränkt genutzt wer­den dür­fe, im Boden eine Metall­plat­te befin­de, die sich bei Son­nen­ein­strah­lung der­ma­ßen erhit­ze, dass man sich dar­an Ver­bren­nun­gen an den Fuß­soh­len zuzie­hen kön­ne. Grund­sätz­lich sei es Erwach­se­nen zwar bekannt, dass sich Metall bei star­ker Son­nen­ein­strah­lung erwär­me, dies bedeu­te aber nicht, dass Gäs­te eines Schwimm­ba­des davon aus­ge­hen müss­ten, dass sie eine im Boden ein­ge­las­se­ne Metall­plat­te nicht gefahr­los betre­ten könn­ten. Ein Schwimm­bad­be­su­cher müs­se sich viel­mehr dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass eine am Boden im all­ge­mein zugäng­li­chen Bereich befind­li­che Metall­plat­te gefahr­los betre­ten wer­den kön­ne, zumal Schwimm­bad­be­su­cher typi­scher­wei­se häu­fig abge­lenkt sei­en und nicht durch­gän­gig dar­auf ach­te­ten, wohin sie tre­ten wür­den. Inso­fern habe die auf­sichts­pflich­ti­ge Mut­ter nicht damit rech­nen müs­sen, dass die Toch­ter die Metall­plat­te nicht gefahr­los betre­ten kön­ne. Außer­dem wer­de ein Schwimm­bad übli­cher­wei­se nicht nur von Erwach­se­nen, son­dern eben auch von Kin­dern auf­ge­sucht, die – abhän­gig vom jewei­li­gen Alter – zu sol­chen Über­le­gun­gen über­haupt noch nicht fähig seien.

Außer­dem müs­se ein Schwimm­bad­be­trei­ber in Ruhe pla­nen und über­le­gen, wel­che Gefah­ren von sei­ner Ein­rich­tung aus­ge­hen und müs­se sei­ne Gäs­te hier­vor schüt­zen. Die­se Gefah­ren­quel­le wäre nach Mei­nung des Land­ge­richts Koblenz für die Schwimm­bad­be­trei­be­rin erkenn­bar gewe­sen. Es wäre ihr dann auch ohne wei­te­res mög­lich gewe­sen, die Gefahr abzu­wen­den, indem sie zum Bei­spiel an beson­ders hei­ßen Tagen die Metall­plat­te absper­re oder etwas schüt­zen­des über die Plat­te legen oder die­se gene­rell hell anstreiche.

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Dar­über hin­aus hat das Land­ge­richt Koblenz eine Auf­sichts­pflicht­ver­let­zung der Mut­ter ver­neint. Denn die Mut­ter habe sich in der unmit­tel­ba­ren Nähe ihrer Toch­ter auf­ge­hal­ten und auf ein­tre­ten­de Gefah­ren daher sofort reagie­ren kön­nen. Es gebe kei­ne Ver­pflich­tung, das Kind im Schwimm­bad dau­er­haft an der Hand zu halten.

Aus die­sen Grün­den hat das Land­ge­richt Koblenz der Klä­ge­rin das begehr­te Schmer­zens­geld in Höhe von 750,00 € wegen Ver­let­zung einer Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht durch die Schwimm­bad­be­trei­be­rin gemäß §§ 839, 253 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit Art. 34 GG zugesprochen.

Land­ge­richt Koblenz, Urteil vom 30. Novem­ber 2020 – 1 O 62/​20

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