Der Spen­den­sam­mel­ver­ein der His­bol­lah

Das Ver­bot des in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ansäs­si­gen Spen­den­sam­mel­ver­eins "Far­ben für Wai­sen­kin­der e.V.", der die Shahid Stif­tung ("Mär­ty­rer Stif­tung") im Liba­non finan­zi­ell unter­stützt hat, ist recht­mä­ßig. Dies hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­den.

Der Spen­den­sam­mel­ver­ein der His­bol­lah

Mit Ver­fü­gung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des Innern vom 02.04.2014 wur­de der Ver­ein auf­ge­löst und ver­bo­ten. Der Ver­ein habe über einen lan­gen Zeit­raum im Bun­des­ge­biet Spen­den ein­ge­wor­ben und damit die in Bei­rut (Liba­non) ansäs­si­ge Shahid Stif­tung unter­stützt; die­se Stif­tung sei ihrer­seits als kari­ta­ti­ve Ein­rich­tung inte­gra­ler Teil der isra­el-feind­li­chen "His­bol­lah" (auch: Hizb Allah). Die Auf­ga­be der Shahid Stif­tung bestehe vor allem in der Unter­stüt­zung der Ange­hö­ri­gen ver­stor­be­ner His­bol­lah-Kämp­fer. Die His­bol­lah wie­der­um tra­ge Gewalt in das Ver­hält­nis zwi­schen dem liba­ne­si­schen und dem israe­li­schen Volk hin­ein und beein­träch­ti­ge so das fried­li­che Zusam­men­le­ben die­ser Völ­ker. Hier­ge­gen hat der Klä­ger vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Kla­ge erho­ben, das bei Ver­eins­ver­bo­ten durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern erst- und letzt­in­stanz­lich zustän­dig ist.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern ist zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass sich der Klä­ger gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung rich­tet (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 3 Ver­einsG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 Alt. 3 GG). Dies ist vor allem der Fall, wenn Gewalt in das Ver­hält­nis von Völ­kern hin­ein­ge­tra­gen oder zur gewalt­sa­men Besei­ti­gung eines Staa­tes auf­ge­ru­fen wird. Der Ver­bots­tat­be­stand ist auch dann erfüllt, wenn ein Ver­ein eine Grup­pie­rung unter­stützt, die sich ihrer­seits gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung rich­tet. Der Klä­ger erfüllt die­sen Ver­bots­tat­be­stand, weil er über einen lan­gen Zeit­raum und in beträcht­li­chem Umfang (im Zeit­raum von 2007 bis August 2013 mit einem Geld­be­trag von über 3 Mio. €) die Shahid Stif­tung im Liba­non unter­stützt hat. Die­se ist inte­gra­ler Bestand­teil der His­bol­lah, die ihrer­seits das Exis­tenz­recht des Staa­tes Isra­el negiert, zu des­sen gewalt­sa­mer Besei­ti­gung auf­ruft und sich damit gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung rich­tet. Die von dem Klä­ger unter­stütz­te Shahid Stif­tung ist Teil des Sozi­al­netz­werks der His­bol­lah und betreut Wai­sen­kin­der und Hin­ter­blie­be­ne von His­bol­lah-Kämp­fern, die u.a. bei Kampf­hand­lun­gen gegen die israe­li­schen Streit­kräf­te ums Leben kamen. Die Tätig­keit der Stif­tung zielt damit dar­auf ab, durch die sozia­le Absi­che­rung der Hin­ter­blie­be­nen der soge­nann­ten "Mär­ty­rer" die Bereit­schaft zur gewalt­sa­men Besei­ti­gung des Staa­tes Isra­el zu wecken und zu stär­ken.

Indem der Klä­ger durch das Sam­meln und Bereit­stel­len von Spen­den­gel­dern für die Shahid Stif­tung zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts der Ange­hö­ri­gen von gefal­le­nen His­bol­lah-Kämp­fern bei­trägt, unter­stützt und för­dert er bewusst deren Kampf gegen Isra­el und ver­stößt damit selbst gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 16. Novem­ber 2015 – 1 A 42015