Der zucht­un­taug­li­che Boxer

Auch mit der Zucht­taug­lich­keit eines Hun­des müs­sen sich zuwei­len die Amts­ge­rich­te befas­sen. Aktu­ell hat­te es das Amts­ge­richt Mün­chen mit dem Boxer-Rüden "Hero" zu tun:

Der zucht­un­taug­li­che Boxer

Der Klä­ger ist Mit­glied bei einem Boxer Hun­de-Club in Mün­chen und besitzt den sechs Jah­re alten Rüden Hero, den er zu Zucht­zwe­cken ein­setzt. Am 17.04.11 fand eine Körung im Boxer­club statt. Eine Körung dient zur Aus­wahl von Tie­ren einer bestimm­ten Ras­se, die für die Zucht geeig­net sind. Bei die­ser Körung wur­de dem Boxer-Rüden Hero die Zucht­taug­lich­keit ver­sagt. Die Kör­meis­te­rin stell­te fest, dass ein Hoden von Hero nicht voll­stän­dig im Hoden­sack liegt. Daher wur­de die Dis­qua­li­fi­ka­ti­on aus­ge­spro­chen. Hero wur­de nicht gekört und gilt als zucht­un­taug­lich. Gegen die Dis­qua­li­fi­ka­ti­on erhob der Klä­ger Ein­spruch beim Ver­ein. Es erfolg­te den­noch ein ent­spre­chen­der Ein­trag in die Ahnen­ta­fel von Hero, wonach die­ser ein Zucht­ver­bot wegen Ein­ho­dik­eit erhält, weil die Hoden nicht dem Stan­dard ent­spre­chend fest im Hoden­sack lie­gen.

Der Klä­ger erhob nun Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Mün­chen gegen den Boxer­club. Er ver­langt, dass das Zucht­ver­bot wegen Ein­ho­dig­keit auf­ge­ho­ben wird und die Dis­qua­li­fi­ka­ti­on in der Körung vom 17.04.11 zurück­ge­nom­men wird.

Der beklag­te Ver­ein behaup­tet, für die Dis­qua­li­fi­ka­ti­on sei aus­rei­chend, dass bei der Körung fest­ge­stellt wur­de, dass bei­de Hoden des Rüden nicht fest im Hoden­sack gele­gen sei­en.

Der zustän­di­ge Rich­ter am Amts­ge­richt Mün­chen gab nun im Wesent­li­chen dem Klä­ger Recht.

Der Ein­trag in der Ahnen­ta­fel muss wider­ru­fen wer­den.

Das Amts­ge­richt beauf­trag­te einen Sach­ver­stän­di­gen. Die­ser stell­te fest, dass bei Hero mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit kein soge­nann­ter Hoden­ab­stieg (Kryptor­chis­mus) vor­liegt. Da der Rüde älter als sechs Mona­te sei und der betrof­fe­ne Hoden sich in sei­ner Grö­ße nicht vom lin­ken Hoden unter­schei­de, sei es aus­ge­schlos­sen, dass der rech­te Hoden in den Leis­ten­ka­nal zurück­ver­la­gert wer­den kön­ne. Die Lage­ver­än­de­rung sei am wahr­schein­lichs­ten durch eine kurz­zei­ti­ge Kon­trak­ti­on des Cre­mas­ter­mus­kels auf­grund von Stress oder Angst bei der Unter­su­chung erfolgt.

Das Amts­ge­richt folg­te dem Sach­ver­stän­di­gen. dass kein krank­haf­ter Hoden­man­gel vor­lie­ge, so dass ein Zucht­aus­schluss zur Ver­hin­de­rung der Wei­ter­ver­er­bung nicht ange­zeigt sei.

Die Dis­qua­li­fi­ka­ti­on bei der Körung war daher unzu­tref­fend. Sinn der Körungs­re­geln sei es, die Zucht­taug­lich­keit fest­zu­stel­len, wobei ins­be­son­de­re die Wei­ter­ver­er­bung von Hoden­män­geln ver­hin­dert wer­den soll. Laut Zif­fer 3c)) der Zucht­ord­nung sei ein Zucht­aus­schluss bei Hoden­män­geln vor­ge­se­hen. Nach dem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten lag aber kein Hoden­man­gel vor.

Das Amts­ge­richt hat jedoch auch ent­schie­den, dass der Klä­ger kei­nen Anspruch auf Rück­nah­me der aus­ge­spro­che­nen Dis­qua­li­fi­ka­ti­on hat. Sein Recht­schutz­be­dürf­nis sei mit der Kor­rek­tur der Ahnen­ta­fel erfüllt. Die Dis­qua­li­fi­ka­ti­on habe kei­ne eigen­stän­di­ge Funk­ti­on.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 19. März 14 – 132 C 14358/​12