Ein kon­kur­rie­ren­der Mops und die Über­prü­fung der Zucht­fä­hig­keit

Ein Züch­ter kann für einen ihm frem­den Hund nicht ver­lan­gen, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Zucht­zu­las­sung über­prüft wer­den.

So hat das Land­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Mops­rü­den ent­schie­den. Im Sep­tem­ber 2018 nahm der Klä­ger, der Eigen­tü­mer und Züch­ter von Hun­den der Ras­se Mops ist, mit einem sei­ner Hun­de an einer Hun­de­s­chau in Hamm teil. Dort traf er auf den kon­kur­rie­ren­den Mops „Xavier“. Nach Ansicht des Klä­gers hat der Mops „Xavier“ nur einen Hoden im Hoden­sack, wes­halb die­ser nicht zucht­fä­hig sei. Der Dach­ver­band lei­te­te die Beschwer­de an den beklag­ten Ver­ein wei­ter, der als Zucht­buch füh­ren­der Ras­se­hun­de-Zucht­ver­ein für die Ras­se Mops zustän­dig sei. Auch der Klä­ger ist Mit­glied des Beklag­ten.

Der betrof­fe­ne Ver­ein wies die Beob­ach­tun­gen des Klä­gers zurück, sodass die­ser einen Rechts­an­walt ein­schal­te­te: Der Ver­ein wur­de auf­ge­for­dert, dem Zwei­fel an der Zucht­fä­hig­keit von Xavier, des­sen Eigen­tü­mer eben­falls Mit­glied bei dem Beklag­ten ist, nach­zu­ge­hen. Er bot sogar an, den Rüden auf sei­ne Kos­ten unter­su­chen zu las­sen. Nach­dem auch dies vom beklag­ten Ver­ein abge­lehnt wur­de, wand­te sich der Klä­ger an das Ver­eins­ge­richt des Beklag­ten, um die­sen zu einer tier­ärzt­li­chen Unter­su­chung und ggf. zur Sper­rung von Xavier zu ver­pflich­ten. Der Antrag wur­de im Novem­ber 2018 als unzu­läs­sig abge­lehnt.

Dar­auf­hin hat sich der Klä­ger an das Land­ge­richt Köln gewandt und bean­trag­te, den beklag­ten Ver­ein zu ver­pflich­ten, Xavier in einer aner­kann­ten tier­me­di­zi­ni­schen Kli­nik hin­sicht­lich des Zustands sei­ner Hoden unter­su­chen zu las­sen und im Wei­ge­rungs­fall oder bei Fest­stel­lung des Feh­lens von zwei nor­mal ent­wi­ckel­ten Hoden zu sper­ren. Hilfs­wei­se sol­le fest­ge­stellt wer­den, dass Xavier nicht die Vor­aus­set­zun­gen für eine Zucht­zu­las­sung erfül­le und die ihm erteil­te Zulas­sung unwirk­sam sei. Der Klä­ger ver­trat hier­zu die Ansicht, er habe als Mit­glied des Beklag­ten einen Anspruch dar­auf, dass die­ser die Zucht­be­stim­mun­gen ohne Anse­hen der Per­son gegen­über ande­ren Mit­glie­dern durch­set­ze und bei einem Ver­dacht, dass ein Hund die Zucht­vor­aus­set­zun­gen nicht erfül­le, die­sem nach­ge­he. Er sei schließ­lich nicht blo­ßes Mit­glied, son­dern ste­he als Ras­se­hun­de­züch­ter in einem beson­de­ren Ver­hält­nis zum Beklag­ten. Zum Eigen­tü­mer von Xavier ste­he er zudem in unmit­tel­ba­rem Wett­be­werb. Sofern der beklag­te Ver­ein einem sol­chen Ver­dacht nicht nach­ge­he, mache er sich der Bei­hil­fe zum Rechts­bruch schul­dig.

Die­ser Ansicht ist das Land­ge­richt Köln in sei­ner Ent­schei­dung nicht gefolgt: Soweit der Klä­ger Rech­te aus der Ver­eins­mit­glied­schaft her­lei­te, müs­se er die­se auf ver­eins­recht­li­chem Wege ver­fol­gen. Die Ent­schei­dung, ob ein Anspruch gegen den Vor­stand eines Ver­eins durch­ge­setzt wer­den soll, oblie­ge grund­sätz­lich der Mit­glie­der­ver­samm­lung, an die sich der Klä­ger wen­den kön­ne.

Ledig­lich in außer­or­dent­li­chen Aus­nah­me­fäl­len bestehe ein unmit­tel­ba­res Kla­ge­recht eines ein­zel­nen Mit­glieds. Ein sol­cher lie­ge im Streit­fall jedoch nicht vor, da die Zucht­zu­las­sung eines ein­zel­nen Hun­des kei­ne Fra­ge von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung dar­stel­le.

Dar­über hin­aus för­de­re die Beklag­te kei­nen unlau­te­ren Wett­be­werb, da es an einer geschäft­li­chen Hand­lung durch den beklag­ten Ver­ein feh­le, der sich durch das gerüg­te Vor­ge­hen kei­nen eige­nen wirt­schaft­li­chen Vor­teil ver­spre­che.

Wei­ter­hin kön­ne der Klä­ger nach Ansicht des Land­ge­richts Köln auch kei­ne Fest­stel­lung dazu ver­lan­gen, ob Xavier die Vor­aus­set­zun­gen der Zucht­zu­las­sung erfüllt, da dies für das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen Klä­ger und beklag­tem Ver­ein kei­ne Bedeu­tung habe. Inso­weit sei­en die mit­glied­schaft­li­chen Rech­te des Klä­gers auch im Fal­le einer etwai­gen feh­ler­haf­ten Zucht­zu­las­sung von Xavier durch den Beklag­ten nicht berührt.

Land­ge­richt Köln, Urteil vom 10. Juli 2019 – 28 O 438/​18