Kein Vor­steu­er­ab­zug für den Golf­club

In einem jetzt bekannt gewor­de­nen Urteil hat das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz einem Golf­club für die Errich­tung einer Golf­an­la­ge den Vor­steu­er­ab­zug ver­sagt.

Kein Vor­steu­er­ab­zug für den Golf­club

Der kla­gen­de Golf­club war ein aner­kannt gemein­nüt­zi­ger, ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein, der u.a. im Jah­re 2001 für die Errich­tung einer Golf­an­la­ge Vor­steu­ern in Höhe von über 300.000.- DM gel­tend mach­te, nach­dem er die 2001 ver­ein­nahm­ten Mit­glieds­bei­trä­ge in Höhe von rd. 40.000.- DM sowie gering­fü­gi­ge Ein­nah­men aus (Golf-)Unterrichtsvergütungen in sei­ner Umsatz­steu­er­erklä­rung als steu­er­pflich­ti­ge Umsät­ze erklärt hat­te. Das Finanz­amt war aller­dings der Ansicht, man­gels (Umsatz-)Steu­er­bar­keit der Mit­glieds­bei­trä­ge und wegen der Steu­er­frei­heit der Ein­nah­men aus Golf­un­ter­richt, kom­me ein Vor­steu­er­ab­zug nicht in Betracht.

Mit der dage­gen gerich­te­ten Kla­ge mach­te der GC gel­tend, nach einem Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs ‑EuGH? aus dem Jah­re 2002 sei­en die Jah­res­bei­trä­ge der Mit­glie­der Gegen­leis­tung für die von ihm erbrach­ten Leis­tun­gen und damit steu­er­bar (also grund­sätz­lich unter die Umsatz­be­steue­rung fal­lend). Die Richt­li­ni­en­be­stim­mung der 6. EG-Richt­li­nie, wonach bestimm­te, in einem Zusam­men­hang mit Sport und Kör­per­er­tüch­ti­gung ste­hen­de Dienst­leis­tun­gen zwar steu­er­bar, aber steu­er­be­freit sei­en, sei jedoch nicht in das deut­sche Umsatz­steu­er­recht umge­setzt wor­den. Daher sei­en die Mit­glieds­bei­trä­ge umsatz­steu­er­pflich­tig und das Finanz­amt kön­ne sich nicht dar­auf beru­fen, dass Steu­er­frei­heit vor­lie­ge und des­we­gen ein Vor­steu­er­ab­zug abzu­leh­nen sei.

Das FG Rhein­land-Pfalz wies die Kla­ge jedoch ab. Es führ­te u. a. aus, es sei zwar zutref­fend, dass die Mit­glieds­bei­trä­ge nach der Recht­spre­chung des EuGH in vol­lem Umfang steu­er­bar und grund­sätz­lich steu­er­pflich­tig sei­en. Nach der 6. EG-Richt­li­nie sei­en bestimm­te, in engen Zusam­men­hang mit Sport ste­hen­de Dienst­leis­tun­gen, die Ein­rich­tun­gen ohne Gewinn­stre­ben an Per­so­nen erbrin­gen wür­den, die Sport oder Kör­per­er­tüch­ti­gung aus­üb­ten unter bestimm­tem wei­te­ren ? hier nicht strit­ti­gen – Umstän­den umsatz­steu­er­be­freit. Es han­de­le es sich dabei um eine zwin­gen­de gemein­schafts­recht­li­che Befrei­ungs­norm. Aus der Aner­ken­nung der Gemein­nüt­zig­keit erge­be sich, dass der GC nicht nach Gewinn stre­be. Die 6. EG-Richt­li­nie sei in Deutsch­land (in § 4 Nr. 22 Buch­sta­be b) UStG) aller­dings nur inso­weit umge­setzt wor­den, dass sport­li­che Ver­an­stal­tun­gen steu­er­frei sei­en, die von gemein­nüt­zi­gen Ver­ei­nen durch­ge­führt wür­den. Nach der bis­he­ri­gen Aus­le­gung durch den Bun­des­fi­nanz­hof ‑BFH‑, der die rei­ne Über­las­sung von Sport­an­la­gen wegen der Fas­sung des § 4 Nr. 22 Buch­sta­be b) UStG nicht als steu­er­frei anse­he, läge eine unzu­rei­chen­de Umset­zung der Richt­li­nie vor.

Gleich­wohl war das FG Rhein­land-Pfalz der Mei­nung, dass hin­sicht­lich der Mit­glieds­bei­trä­ge von einer Umsatz­steu­er­be­frei­ung aus­zu­ge­hen sei. Es müs­se eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung der Vor­schrift (§ 4 Nr. 22 Buch­sta­be b) UStG) dahin vor­ge­nom­men wer­den, dass – ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des BFH – unter dem Begriff der sport­li­chen Ver­an­stal­tung auch die Über­las­sung von Sport­stät­ten zu ver­ste­hen sei. Sport­li­che Ver­an­stal­tun­gen sei­en nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung die orga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men eines Sport­ver­eins, die es akti­ven Sport­lern ermög­lich­ten, Sport zu trei­ben. Da die Über­las­sung des Golf­plat­zes den Sport­lern die Aus­übung des Golf­sports ermög­li­che, füh­re die­se Aus­le­gung zu einem richt­li­ni­en­kon­for­men Ergeb­nis. Sei somit eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung mög­lich, habe die­se Vor­rang. Daher sei im End­ergeb­nis hin­sicht­lich der Golf­platzüber­las­sung von einer Umsatz­steu­er­be­frei­ung aus­zu­ge­hen, ein Vor­steu­er­ab­zug sei bei befrei­ten Umsät­zen nicht mög­lich.

Die Revi­si­on wur­de wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zuge­las­sen. Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 9. Novem­ber 2006 – 6 K 2704/​04