Ver­fah­rens­ab­tren­nung als unzu­läs­si­ges ver­deck­tes Teil­ur­teil?

Wäre in einem Zivil­pro­zess ein Teil­ur­teil wegen der Gefahr wider­sprüch­li­cher Ent­schei­dun­gen unzu­läs­sig, kann das Gericht dies nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he dadurch umge­hen, dass es den noch nicht ent­schei­dungs­rei­fen Ver­fah­rens­teil abtrennt. Der Tren­nungs­be­schluss kann auch noch im (End-)Urteil erge­hen.

Ver­fah­rens­ab­tren­nung als unzu­läs­si­ges ver­deck­tes Teil­ur­teil?

Aller­dings soll nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm 1, wenn zwi­schen dem abge­trenn­ten und dem durch End­ur­teil ent­schie­de­nen Teil die Gefahr sich wider­spre­chen­der Ent­schei­dun­gen besteht, jeden­falls dann, wenn das Pro­ze­de­re der Abtren­nung gemäß § 145 ZPO vom Gericht aus pro­zess­tak­ti­schen Grün­den bewusst gewählt wur­de, um den Erlass eines der Auf­he­bung nach 538 Abs. 2 S. 1 Nr. 7 ZPO unter­lie­gen­den unzu­läs­si­gen Teil­ur­teils zu ver­mei­den, ein der­ar­ti­ges (ver­deck­tes) Teil­ur­teil vor­lie­gen.

Das OLG Hamm berück­sich­tigt indes – nach Ansicht des OLG Karls­ru­he – nicht hin­rei­chend, dass es sich nicht um ein Teil­ur­teil han­delt und die Gren­ze für die Erheb­lich­keit dro­hen­der Wider­sprüch­lich­keit der Streit­ge­gen­stand des kon­kre­ten Ver­fah­rens bil­det 2. Besteht die Wider­spruchs­ge­fahr zu einem nicht gel­tend gemach­ten; vom Streit­ge­gen­stand nicht mit umfass­ten pro­zes­sua­len Anspruch, liegt eine Teil­ent­schei­dung über­haupt nicht vor 3. Das­sel­be trifft auf eine Ent­schei­dung nach Tren­nung des Rechts­streits in meh­re­re Tei­le gemäß § 145 ZPO zu 4. Denn die Gefahr wider­sprüch­li­cher Ent­schei­dun­gen steht der Tren­nung nicht ent­ge­gen. Die Zuläs­sig­keit der Pro­zess­tren­nung bei Anspruchs­häu­fung begeg­net nicht den glei­chen Ein­schrän­kun­gen, wie sie gegen die Zuläs­sig­keit eines Teil­ur­teils nach § 301 ZPO in einem sol­chen Fall ange­nom­men wer­den 5.

uch der dem End­ur­teil vor­an­ge­gan­ge­ne Tren­nungs­be­schluss gemäß § 145 ZPO recht­fer­tigt kei­ne Abän­de­rung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung.

Zwar unter­liegt die Pro­zess­tren­nung gemäß § 145 ZPO im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren auf ent­spre­chen­de Rüge einer Nach­prü­fung dar­auf, ob die Tren­nungs­vor­aus­set­zun­gen bestan­den und ob die Anord­nung auf feh­ler­haf­ter Ermes­sens­aus­übung beruh­te 6. Auch kann eine Ver­fah­ren­s­tren­nung in – wie hier hin­sicht­lich der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gemäß § 26 Nr. 8 EGZPO – teil­wei­se nicht rechts­mit­tel­fä­hi­ge Ein­zel­ver­fah­ren auf­grund sach­frem­der Erwä­gun­gen gegen die Gleich­heit vor dem Gesetz ver­sto­ßen 7.

Dem Tren­nungs­be­schluss fehlt auch ent­ge­gen § 145 Abs. 1 S. 2 ZPO jede Begrün­dung. Eine Nach­prü­fung hat hier den­noch zu unter­blei­ben. Eine – grund­sätz­lich mög­li­che – Hei­lung gemäß § 295 ZPO 8 ist zwar nicht ein­ge­tre­ten, denn die Ver­fah­ren­s­tren­nung erfolg­te in der Sit­zung vom 11.12.2012 erst nach Stel­lung der Kla­ge­an­trä­ge. Sie wur­de jedoch in der Beru­fung von kei­ner der Par­tei­en als ver­fah­rens­feh­ler­haft gerügt.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 13. August 2014 – 7 U 128/​13

  1. OLG Hamm, NJW 2012, 1743 ff. 137 ff.; so offen­bar auch: LAG Hamm, LAG­Re­port 2005, 219 ff. 58 f.[]
  2. kri­tisch auch: Tois­saint, FD-ZVR 2012, 334281[]
  3. BGH, NJW-RR 2012, 849 ff., Tz. 15 ff.[]
  4. Zöller/​Vollkommer, a.a.O.[]
  5. BGH, NJW 2003, 2386 ff. 22; OLG Düs­sel­dorf, ZMR 2011, 864 f. 4; OLG Karls­ru­he, NJW-RR 2006, 1302 f. 5; MünchKomm/​Wagner, ZPO, 4. Aufl., § 145 Rn. 1; Zöller/​Greger, a.a.O., § 145 Rn. 5; a. A. OLG Naum­burg, OLGR Naum­burg 2002, 526 23[]
  6. BGH, NJW 2003, 2386 ff.19; NJW 1995, 3120 ff. 9, OLG Mün­chen, Urteil vom 08.04.2010 – 19 U 1565/​09 13/​15; OLG Naum­burg, a.a.O. 21; Zöller/​Greger, a.a.O., § 145 Rn. 6a; MünchKomm/​Wagner, a.a.O., Rn. 10[]
  7. BVerfG, NJW 1997, 649; vgl. BGH, NJW 1995, 3120 ff. 13[]
  8. vgl. Zöller/​Greger, a.a.O., § 145 Rn. 5 m.w.N.[]