Ver­jäh­rung bei For­de­run­gen gegen den eige­nen Geschäfts­füh­rer

Die für den Ver­jäh­rungs­be­ginn erfor­der­li­che Kennt­nis der anspruchs­be­grün­den­den Umstän­de kann der Gesell­schaft nicht durch ihren Geschäfts­füh­rer ver­mit­telt wer­den, wenn die­ser selbst Schuld­ner ist.

Ver­jäh­rung bei For­de­run­gen gegen den eige­nen Geschäfts­füh­rer

Die für den Ver­jäh­rungs­be­ginn erfor­der­li­che Kennt­nis der anspruchs­be­grün­den­den Umstän­de kann der Gesell­schaft nicht durch ihren Geschäfts­füh­rer ver­mit­telt wer­den, wenn die­ser selbst Schuld­ner ist. Zwar kommt es bei juris­ti­schen Per­so­nen des Pri­vat­rechts grund­sätz­lich auf die Kennt­nis ihrer ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Orga­ne von den Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen an. Ist das Organ einer Gesell­schaft selbst der Schuld­ner, kann es der Gesell­schaft aber die erfor­der­li­che Kennt­nis nicht ver­schaf­fen 1. Das gilt nicht nur bei uner­laub­ten Hand­lun­gen, wie sie den bis­he­ri­gen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs zu § 852 BGB aF zugrun­de lagen. Viel­mehr kann all­ge­mein nicht erwar­tet wer­den, dass der Schuld­ner dafür sorgt, dass die Ansprü­che gegen ihn selbst gel­tend gemacht wer­den und er etwa einen Gesell­schaf­ter­be­schluss nach § 46 Nr. 8 GmbHG her­bei­führt. Beim ein­zi­gen Geschäfts­füh­rer einer GmbH kommt hin­zu, dass er als Ver­tre­ter der Gesell­schaft gegen sich selbst zur Hem­mung der Ver­jäh­rung kei­ne Maß­nah­men der Rechts­ver­fol­gung ergrei­fen kann (§ 204 Abs. 1 BGB). Soweit es wegen des Feh­lens eines wei­te­ren Geschäfts­füh­rers auf die Kennt­nis der zur Anspruchs­ver­fol­gung beru­fe­nen Gesell­schaf­ter ankommt, schei­det eine Zurech­nung der Kennt­nis des ein­zi­gen Gesell­schaf­ters aus den glei­chen Grün­den aus, wenn er zugleich Schuld­ner des Anspruchs ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. März 2011 – II ZR 301/​09

  1. vgl. zu § 852 BGB aF: BGH, Urteil vom 09.02.2009 – II ZR 292/​07, BGHZ 179, 344 Rn. 34 – Sani­ta­ry m.w.N.; Urteil vom 12.06.1989 – II ZR 334/​87, ZIP 1989, 1390, 1397; Staudinger/​Peters/​Jacoby, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2009, § 199 Rn. 61; MünchKommBGB/​Grothe 05. Aufl. § 199 Rn. 32; Beck­OK BGB/​Henrich/​Spindler, Stand 01.08.2010, § 199 Rn. 38[]