Ver­jäh­rung bei Haf­tung aus uner­laub­ter Hand­lung

Die drei­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist des § 852 Abs. 1 BGB a.F. gilt nur für das Stamm­recht, nicht dage­gen für die aus dem Stamm­recht flie­ßen­den wei­te­ren Ansprü­che auf wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen. Für die­se gilt (unmit­tel­bar) die vier­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist des § 197 BGB a.F.. Die aus­schließ­li­che Anwend­bar­keit des § 197 BGB a.F. gilt auch hin­sicht­lich des Beginns der Ver­jäh­rungs­frist. Des­halb kön­nen Ansprü­che auf wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen bereits vor Kennt­nis­er­lan­gung ver­jährt sein.

Ver­jäh­rung bei Haf­tung aus uner­laub­ter Hand­lung

Nach § 197 BGB a.F. ver­jäh­ren in vier Jah­ren die Ansprü­che auf Rück­stän­de von regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen. Die Ver­jäh­rung beginnt mit dem Schlus­se des Jah­res, in wel­chem der Anspruch ent­steht (§ 201 Satz 1, § 198 Satz 1 BGB a.F.). Dem Gesetz ist kein Hin­weis dar­auf zu ent­neh­men, dass in dem Fall, in dem wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen als Scha­dens­er­satz wegen einer uner­laub­ten Hand­lung zu erbrin­gen sind, für den Beginn und die Dau­er der Ver­jäh­rung § 852 Abs. 1 BGB a.F. anzu­wen­den sei, wonach der Anspruch in drei Jah­ren von dem Zeit­punkt an ver­jährt, in dem der Ver­letz­te von dem Scha­den und der Per­son des Ersatz­pflich­ti­gen Kennt­nis erlangt.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat des­halb ent­schie­den, dass die drei­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist des § 852 Abs. 1 BGB a.F. nur für das Stamm­recht gilt, nicht dage­gen für die aus dem Stamm­recht flie­ßen­den wei­te­ren Ansprü­che, bei denen es sich um Ansprü­che auf wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen han­delt, für die (unmit­tel­bar) die vier­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist des § 197 BGB a.F. gilt 1. Die kur­ze Ver­jäh­rungs­frist des § 197 BGB a.F. kann auch Ren­ten­gläu­bi­gern ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, die ein Fest­stel­lungs­ur­teil über die Pflicht des Schuld­ners zum Ersatz künf­ti­ger Schä­den (und damit gege­be­nen­falls auch zur Zah­lung von Scha­den­er­satz­ren­ten) erstrit­ten haben 2. Eine Abhän­gig­keit der für die wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen gel­ten­den von der für das Stamm­recht gel­ten­den Ver­jäh­rungs­frist ergibt sich nach der frü­he­ren Rechts­la­ge nur dann, wenn das Stamm­recht ver­jährt ist; in die­sem Fall kann sich der Anspruch­stel­ler nicht mit Erfolg auf die (län­ge­re) Ver­jäh­rungs­frist des § 197 BGB a.F. beru­fen 3.

Die aus­schließ­li­che Anwend­bar­keit des § 197 BGB a.F. gilt auch hin­sicht­lich des Beginns der Ver­jäh­rungs­frist. Für eine Geset­zes­lü­cke, die bei Ersatz­an­sprü­chen wegen uner­laub­ter Hand­lun­gen einen Abgleich zwi­schen § 197 BGB a.F. und § 852 Abs. 1 BGB a.F. erfor­dern könn­te, ist nichts ersicht­lich. Der Gesetz­ge­ber hat sich dafür ent­schie­den, Ansprü­che auf regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen ver­jäh­rungs­recht­lich vom jewei­li­gen Stamm­recht abzu­spal­ten und der geson­der­ten Ver­jäh­rungs­frist des § 197 BGB a.F. zu unter­stel­len 4. Der Geset­zes­zweck, das über­mä­ßi­ge Anwach­sen von Ver­bind­lich­kei­ten zu ver­hin­dern 5, kann durch­aus auch bei Schuld­nern rele­vant sein, die nach den §§ 823 ff. BGB haf­ten. Dass der Geset­zes­zweck in zahl­rei­chen Fäl­len, etwa bei vor­lie­gen­dem Ver­si­che­rungs­schutz oder dem Scha­dens­aus­gleich zwi­schen sol­ven­ten Leis­tungs­trä­gern, in den Hin­ter­grund tritt, recht­fer­tigt kei­ne Abwei­chung von der kla­ren gesetz­li­chen Rege­lung.

Uner­heb­lich ist auch, dass dem vor­lie­gend gel­tend gemach­ten Anspruch ein Anspruchs­über­gang gemäß den sei­ner­zeit gel­ten­den § 30 Abs. 3 SG, § 87a BBG auf die Klä­ge­rin zugrun­de liegt; durch den Rechts­über­gang einer For­de­rung auf einen Dritt­leis­tungs­trä­ger wird die Ver­jäh­rungs­frist nicht berührt 6.

Zu Unrecht beruft sich die Gegen­an­sicht 7 auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 3. Okto­ber 1967 8. Dort hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass § 852 BGB a.F., nicht § 197 BGB a.F. gilt, wenn der delik­ti­sche Anspruch auf Ersatz eines durch Nicht­er­brin­gung wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen ent­stan­de­nen Scha­dens gerich­tet ist. Dar­um geht es hier nicht. Hier ist der durch das von dem Beklag­ten zu ver­tre­ten­de delik­ti­sche Han­deln dem K. ent­stan­de­ne Scha­den durch regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen zu kom­pen­sie­ren. Inso­weit rich­tet sich die Ver­jäh­rung aber nach § 197 BGB a.F., nicht nach § 852 BGB a.F. 9.

Auch dem BGH-Urteil vom 13. April 1999 10 ist für die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung nichts zu ent­neh­men. Soweit dort § 852 Abs. 1 BGB a.F. her­an­ge­zo­gen wor­den ist, ging es um die Ver­jäh­rung des Stamm­rechts.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Janu­ar 2012 – VI ZR 96/​11

  1. BGH, Urtei­le vom 12.07.1960 – VI ZR 163/​59, VersR 1960, 831, 832; vom 03.07.1973 – VI ZR 38/​72, VersR 1973, 1066, 1067; vom 24.06.1980 – VI ZR 188/​78, VersR 1980, 927; vom 30.05.2000 – VI ZR 300/​99, aaO; vom 26.02.2002 – VI ZR 288/​00, VersR 2002, 996, 997[]
  2. BGH, Beschluss vom 16.10.1979 – VI ZR 188/​78, VersR 1980, 88[]
  3. BGH, Urtei­le vom 05.07.1963 – VI ZR 188/​62, VersR 1963, 1160, 1161; vom 03.07.1973 – VI ZR 38/​72, aaO; vgl. auch § 224 BGB a.F.[]
  4. so zutref­fend Wen­de­horst, EWiR 2003, 101, 102[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.09.1958 – I ZR 106/​57, BGHZ 28, 144, 151 f.; vom 06.04.1981 – II ZR 186/​80, BGHZ 80, 357, 358; vom 27.01.1988 – IVb ZR 12/​87, BGHZ 103, 160, 169; Mot. I 305; Münch­Komm-BGB/­von Feld­mann, 3. Aufl., § 197 Rn. 1[]
  6. so schon BGH, Urteil vom 05.07.1963 – VI ZR 188/​62, VersR 1963, 1160[]
  7. OLG Schles­wig, Urteil vom 11.03.2011 – 4 U 139/​09; OLG Mün­chen, Beschluss vom 18.04.2005 – 1 U 5650/​04[]
  8. BGH, Urteil vom 03.10.1967 – VI ZR 23/​66, MDR 1968, 39[]
  9. so auch Münch­Komm-BGB/Stein, 3. Aufl., § 852 Rn. 4; RGRKBGB/​Kreft, 12. Aufl., § 852 Rn. 15[]
  10. BGH, Urteil vom 13.04.1999 – VI ZR 88/​98, VersR 1999, 1126[]