Ver­jäh­rung des Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs aus einer Beschluss­ver­fü­gung

Der pro­zes­sua­le Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch aus einer im Beschluss­we­ge erlas­se­nen einst­wei­li­gen Ver­fü­gung unter­liegt der drei­jäh­ri­gen Ver­jäh­rung aus § 195 BGB.

Ver­jäh­rung des Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs aus einer Beschluss­ver­fü­gung

Die Ver­jäh­rung des pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs wird durch die Zustel­lung des Kos­ten­fest­set­zungs­an­trags an den Pro­zess­geg­ner ent­spre­chend § 204 Abs.1 Nr.1 BGB gehemmt.

Bei der Ein­re­de der Ver­jäh­rung han­delt es sich zwar um einen mate­ri­ell-recht­li­chen Ein­wand gegen den pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch, er kann jedoch auch im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren berück­sich­ti­gungs­fä­hig sein, wenn kei­ne Tat­sa­chen­auf­klä­rung erfor­der­lich ist bzw. die im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel zur Prü­fung der Berech­ti­gung des Ein­wands aus­rei­chen 1. So liegt es hier.

Der in der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung des Land­ge­richts Ham­burg titu­lier­te Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch der Antrag­stel­le­rin unter­liegt der drei­jäh­ri­gen Ver­jäh­rung nach § 195 BGB. Zwar hat der Bun­des­ge­richts­hof in dem oben bereits zitier­ten Beschluss auch ent­schie­den, dass die Ver­jäh­rungs­frist des pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs auf­grund einer rechts­kräf­ti­gen Kos­ten­grund­ent­schei­dung 30 Jah­re beträgt, und zwar in Anwen­dung der Bestim­mung des § 197 Abs.1 Nr.3 BGB. Vor­lie­gend ist die Kos­ten­grund­ent­schei­dung jedoch in einer im Beschluss­we­ge erlas­se­nen einst­wei­li­gen Ver­fü­gung ent­hal­ten, gegen die gemäß den §§ 936, 924 ZPO unbe­fris­tet Wider­spruch erho­ben wer­den kann. Eine for­mel­le Rechts­kraft ent­fal­tet die­ser Beschluss daher nicht 2. Dem­entspre­chend liegt kei­ne rechts­kräf­ti­ge Kos­ten­grund­ent­schei­dung im Sin­ne des § 197 Abs.1 Nr.3 BGB vor 3.

Der pro­zes­sua­le Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch der Antrag­stel­le­rin ist – auf­schie­bend bedingt – mit der Ein­rei­chung des Antrags auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung am 7.10.2010 ent­stan­den 4. Danach war hier der Lauf der Ver­jäh­rung gemäß § 203 BGB für einen erheb­li­chen Zeit­raum gehemmt:

Die Ver­jäh­rung des Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs war zunächst gemäß § 204 Abs.2 BGB bis zum Ablauf von sechs Mona­ten nach Erlass der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung gehemmt 5.

Mit der Ein­rei­chung des Kos­ten­fest­set­zungs­an­tra­ges und der Zustel­lung an die Antrags­geg­ne­rin am 20 Tage spä­ter – mit­hin dem­nächst im Sin­ne des § 167 ZPO – ist der Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist für den pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch ent­spre­chend § 204 Abs.1 Nr.1 BGB gehemmt wor­den 6.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 4. Sep­tem­ber 2015 – 8 W 83/​15

  1. BGH, Beschluss vom 23.03.2006 -V ZB 189/​05
  2. Wie­czo­re­k/­Schüt­ze-Thüm­mel, ZPO, 4.Aufl., vor § 916, Rn.16
  3. vgl.auch Jauernig/​Mansel, BGB, 15.Aufl., Rn.6
  4. BGH a.a.O. Rz.8
  5. BGH a.a.O.Rn.8
  6. OLG Ham­burg, Beschluss vom 27.05.2008 – 3 W 63/​08; PWW-Dep­penk­em­per, BGB, 10.Aufl., § 204, Rn.1