Verjährung einer verspätet gestellten Arztrechnung

Der Vergütungsanspruch eines Arztes wird erst mit Erteilung einer Gebührenrechnung nach den Vorschriften der ärztlichen Gebührenordnung fällig. Erst dann beginnt auch die Verjährungsfrist zu laufen, meint zumindest das Amtsgericht München.

Verjährung einer verspätet gestellten Arztrechnung

In dem dort entschiedenen Fall befand sich ein Mann vom Juni 2003 bis September 2004 in fachärztlicher urologischer Behandlung. Über diese Behandlungen wurden ihm zwei Rechnungen ausgestellt. Eine datierte vom Dezember 2006 und lautete auf 1500 €. Die andere wurde im Dezember 2007 erstellt. Der Forderungsbetrag betrug 800 €. Der Patient bezahlte beide Rechnungen nicht. Schließlich seien, so seine Meinung, die Forderungen des Arztes verjährt. Das sah dieser nicht so und beantragte im Dezember 2009 einen Mahnbescheid, gegen den der Patient sofort Widerspruch einlegte. Das Amtsgericht München, zu dem der Prozess dann kam, gab dem Arzt Recht und verurteilte den Patienten zur Zahlung des Honorars:

Eine Verjährung der Forderungen sei nicht eingetreten, so die Ansicht des Münchener Richters. Grundsätzlich verjähre ein Anspruch aus einem ärztlichen Dienstvertrag innerhalb von 3 Jahren. Grundsätzlich beginne die Verjährungsfrist mit Ende des Jahres an zu laufen, in dem der Anspruch entstanden und fällig sei. Entstehen und Fälligkeit würden hier aber auseinanderfallen. Nach der Sondervorschrift des § 12 GOÄ sei die Erteilung einer ordnungsgemäßen Gebührenrechnung Voraussetzung für die Fälligkeit des Vergütungsanspruches. Abzustellen sei daher auf die Daten der Rechnungen (Dezember 2006 und Dezember 2007). Durch die Einreichung des Mahnbescheidsantrages im Dezember 2009 sei die Verjährung der Forderung aus 2006 gehemmt gewesen, die Forderung aus 2007 sei noch nicht verjährt.

Eine Verwirkung der Forderung komme auch nicht in Betracht. Der bloße Zeitablauf alleine sei nicht ausreichend, eine solche anzunehmen. Hinzutreten müssten weitere Umstände. Solche, insbesondere ein Verhalten des Arztes, aus dem der Patient hätte schließen können, dass er die Forderung nicht mehr geltend machen würde, seien nicht vorgetragen.

Auf den ersten Blick überzeugt die Entscheidung: Grundsätzlich ist die Erteilung einer Rechnung keine Fälligkeitsvoraussetzung, auch wenn der Schuldner einen Anspruch auf Rechnungsstellung hat. Es gibt aber Sondervorschriften, die die Fälligkeit an eine Rechnung knüpfen, z.B. Werklohnforderungen, wenn VOB/B 16 Nr.3 anwendbar ist, Architektenhonorare, Arzthonorare oder Nachforderungsansprüche von Versorgungsunternehmen. Wird keine Rechnung erteilt, sind solche Forderungen praktisch unverjährbar, falls sich diese Ansicht des Amtsgerichts München durchsetzt.

Auf den zweiten Blick erscheint sie aber zumindest als fraglich, nicht nur, weil andere Gerichte wegen vergleichbarer Fälle auch schon anders entschieden haben. Der Verjährungsbeginn knüpft nach § 199 BGB nicht an die Fälligkeit, sondern an das Entstehen der Forderung an, die Nichtfälligkeit der Forderung hemmt die Verjährung dagegen nur in bestimmten, im Gesetz besonders genannten, hier aber nicht einschlägigen Fällen (wie z.B. § 205 BGB). Als Arzt sollten Sie sich also nicht allzu sehr darauf verlassen, dass dieses Urteil Schule macht.

Amtsgericht München, Urteil vom 28. September 2010 – 213 C 18634/10 (rechtskräftig)

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