Ver­jäh­rung eines Berei­che­rungs­an­spruchs

Der Berei­che­rungs­an­spruch unter­liegt der regel­mä­ßi­gen Ver­jäh­rungs­frist des § 195 BGB, deren Lauf mit dem Schluss des Jah­res beginnt, in dem der Anspruch ent­stan­den ist und die Klä­ge­rin von den anspruchs­be­grün­den­den Umstän­den Kennt­nis erlangt hat oder ohne gro­be Fahr­läs­sig­keit hät­te erlan­gen müs­sen (§ 199 Abs. 1 BGB). Dabei ist die Berei­che­rungs­schuld­ne­rin, die sich auf die Ein­re­de der Ver­jäh­rung beruft, dafür dar­le­gungs- und beweis­be­las­tet, dass die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 199 BGB erfüllt sind.

Ver­jäh­rung eines Berei­che­rungs­an­spruchs

Ein berei­che­rungs­recht­li­cher Rück­zah­lungs­an­spruch ent­steht bereits mit Leis­tung der ohne Rechts­grund erfolg­ten Zah­lung. Dies gilt auch für einen Berei­che­rungs­an­spruch, der dar­auf gestützt wird, dass der Zah­lung eine unbil­li­ge Leis­tungs­be­stim­mung im Sin­ne des § 315 BGB zugrun­de­liegt 1. Die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, wonach erst mit Rechts­kraft des die bil­li­ge Leis­tung fest­set­zen­den Urteils die For­de­rung des leis­tungs­be­stim­mungs­be­rech­tig­ten Gläu­bi­gers fäl­lig wird, ist auf den Rück­for­de­rungs­an­spruch sol­cher Zah­lun­gen nicht anwend­bar 2.

Der Lauf der Ver­jäh­rungs­frist beginnt erst ab Kennt­nis des Gläu­bi­gers von den anspruchs­be­grün­den­den Umstän­den, § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB. Dabei ist auf eine Kennt­nis abzu­stel­len, die not­wen­dig ist, um eine Kla­ge erfolgs­ver­spre­chend, wenn auch nicht risi­ko­los, erhe­ben zu kön­nen 3. Bei einem berei­che­rungs­recht­li­chen Anspruch genügt die Kennt­nis von der Leis­tung und den Tat­sa­chen, aus denen sich das Feh­len eines Rechts­grun­des ergibt 4.

Mit der Anknüp­fung an die Kennt­nis­er­lan­gung soll die Vor­schrift des § 199 BGB den Gläu­bi­ger davor schüt­zen, Ansprü­che allein des­halb zu ver­lie­ren, weil er die sei­ne Rech­te aus­fül­len­den Tat­sa­chen­um­stän­de nicht kennt. Bezo­gen auf einen berei­che­rungs­recht­li­chen Anspruch geht es vor die­sem Hin­ter­grund allein um Tat­sa­chen­um­stän­de, die das Feh­len eines Rechts­grun­des tat­säch­lich aus­fül­len kön­nen. Es kann nicht auf Umstän­de abge­stellt wer­den, die dem Gläu­bi­ger zwar bekannt sind, die aber nur nach sei­ner unmaß­geb­li­chen, unrich­ti­gen Rechts­auf­fas­sung das Feh­len eines Rechts­grun­des begrün­den.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 31. Juli 2014 – 7 U 206/​13

  1. Thü­rO­LG, Urteil vom 26.09.2007 – 2 U 227/​07; OLG Bran­den­burg, Urteil vom 11.03.2008 – Kart U 2/​07[]
  2. Thü­rO­LG, aaO.; OLG Bran­den­burg, aaO.[]
  3. BGH, Urteil vom 11.10.2012 – VII ZR 10/​11[]
  4. BGH, Urteil vom 26.09.2012 – VIII ZR 151/​11; BGHZ 179, 260[]