Ver­jäh­rung in der Archi­tek­ten­haf­tung

Der Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen den Archi­tek­ten gemäß § 635 BGB a.F. ver­jährt nach § 634a BGB n.F., sofern die­se Vor­schrift gemäß Art. 229 § 6 Abs. 1 EGBGB anwend­bar ist. Die Ver­jäh­rung beginnt erst, wenn die Abnah­me erfolgt ist oder Umstän­de gege­ben sind, nach denen eine Erfül­lung des Ver­tra­ges nicht mehr in Betracht kommt [1].

Ver­jäh­rung in der Archi­tek­ten­haf­tung

Nach der frü­he­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu den Fäl­len, in denen der Bestel­ler Scha­dens­er­satz nach § 635 BGB a.F. ver­lang­te, ohne die Archi­tek­ten­leis­tun­gen abge­nom­men oder die Abnah­me end­gül­tig ver­wei­gert zu haben, unter­la­gen die Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gegen Archi­tek­ten man­gels Abnah­me der 30-jäh­ri­gen Regel­ver­jäh­rung des § 195 BGB a.F. Nach die­ser Recht­spre­chung griff die fünf­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist des § 638 Abs. 1 Satz 1 BGB a.F. nicht ein, weil sie gemäß § 638 Abs. 1 Satz 2 BGB a.F. erst mit der Abnah­me bzw. deren end­gül­ti­ger Ver­wei­ge­rung zu lau­fen begin­ne [2].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jedoch inso­weit sei­ne Recht­spre­chung geän­dert. In sei­nem Urteil vom 8. Juli 2010 [3] hat der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Ansprü­che wegen Män­geln einer Werk­leis­tung auf­grund von Ver­trä­gen, die vor dem 1. Janu­ar 2002 geschlos­sen wor­den sind, bereits vor der Abnah­me ent­ste­hen kön­nen. Er hat zudem ent­schie­den, dass der Lauf der Ver­jäh­rungs­frist für die­se Ansprü­che nach § 638 Abs. 1 Satz 1 BGB a.F. zu bestim­men ist und grund­sätz­lich erst mit der Abnah­me beginnt. Glei­ches gilt, wenn der Bestel­ler das Werk zwar nicht abge­nom­men hat, er aber gleich­wohl kei­ne Erfül­lung des Ver­tra­ges mehr ver­langt oder das ver­trag­li­che Erfül­lungs­ver­hält­nis aus ande­ren Grün­den in ein Abwick­lungs- und Abrech­nungs­ver­hält­nis umge­wan­delt wird. Das gilt auch für die Ver­jäh­rung des auf Scha­dens­er­satz gerich­te­ten Anspruchs gegen den Archi­tek­ten wegen feh­ler­haf­ter Leis­tun­gen, die sich bereits im Bau­werk ver­kör­pert haben. Die­ser nach § 635 BGB a.F. zu erset­zen­de Man­gel­fol­ge­scha­den unter­fällt eben­falls der Ver­jäh­rungs­re­ge­lung des § 638 Abs. 1 Satz 1 BGB a.F.

An die­ser neu­en Recht­spre­chung hält der Bun­des­ge­richts­hof fest. Auf am 1. Janu­ar 2002 bestehen­de und noch nicht ver­jähr­te Ansprü­che sind gemäß Art. 229 § 6 Abs. 1 EGBGB die Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches in der seit dem 1. Janu­ar 2002 gel­ten­den Fas­sung anzu­wen­den, soweit nicht der Beginn, die Hem­mung, die Ablauf­hem­mung und der Neu­be­ginn der Ver­jäh­rung vor dem 1. Janu­ar 2002 zu beur­tei­len sind. Auf die Ver­jäh­rung eines am 1. Janu­ar 2002 noch nicht ver­jähr­ten Scha­dens­er­satz­an­spruchs gemäß § 635 BGB a.F. fin­det § 634a BGB n.F. Anwen­dung. Zwar wird die­se Vor­schrift in § 634 BGB n.F., auf den § 634a Abs. 1 Satz 1 BGB n.F. Bezug nimmt, nicht erwähnt. Das liegt aber ledig­lich dar­an, dass die Anspruchs­grund­la­gen wegen Män­geln (§ 633 Abs. 2 Satz 1, § 635 i.V.m. § 634 BGB a.F.) aus Ver­trä­gen, die vor dem 1. Janu­ar 2002 geschlos­sen wor­den sind, über­haupt nicht genannt wer­den, obwohl sie nach der Sys­te­ma­tik des Geset­zes den neu­en Ver­jäh­rungs­re­ge­lun­gen unter­fal­len. Des­halb gehört auch der gemäß § 635 BGB a.F. ent­stan­de­ne Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen Män­geln zu den in § 634a Abs. 1 BGB n.F. in Bezug genom­me­nen Ansprü­chen. Denn bei die­sem Anspruch han­delt es sich eben­so wie bei den in § 634 Nr. 4 BGB n.F. erwähn­ten Ansprü­chen um einen Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen Män­geln.

Der Umstand, dass ein sol­cher Anspruch nach dem bis zum 31. Dezem­ber 2001 gel­ten­den Recht auch vor der Abnah­me ent­ste­hen konn­te, ändert dar­an nichts. Ob die Ent­ste­hung von Ansprü­chen gemäß § 634 BGB n.F., der auf nach dem 31. Dezem­ber 2001 geschlos­se­ne Ver­trä­ge anwend­bar ist, die Abnah­me des Wer­kes vor­aus­setzt, spielt hier­für kei­ne Rol­le und kann wei­ter­hin offen blei­ben [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Febru­ar 2011 – VII ZR 61/​10

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 08.07.2010 – VII ZR 171/​08, BauR 2010, 1778 = NZBau 2010, 768 = ZfBR 2010, 773[]
  2. BGH, Urteil vom 30.09.1999 – VII ZR 162/​97, BauR 2000, 128, 129 = NZBau 2000, 22 = ZfBR 2000, 97[]
  3. BGH, Urteil vom 08.07.2010 – VII ZR 171/​08, BauR 2010, 1778 = NZBau 2010, 768 = ZfBR 2010, 773[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 08.070.2010 – VII ZR 171/​08, BauR 2010, 1778 = NZBau 2010, 768 = ZfBR 2010, 773[]