Ver­jäh­rung nach Mahn­be­scheid – und die Auf­for­de­rung zur Anspruchs­be­grün­dung

Die Auf­for­de­rung zur Anspruchs­be­grün­dung nach § 697 ZPO muss nicht zuge­stellt wer­den.

Ver­jäh­rung nach Mahn­be­scheid – und die Auf­for­de­rung zur Anspruchs­be­grün­dung

Aus dem durch das Gesetz zur Reform des Zivil­pro­zes­ses (ZPORG) mit Wir­kung vom 01.01.2002 ein­ge­füg­ten § 697 Abs. 1 Satz 2 ZPO und der Geset­zes­be­grün­dung zur Ein­fü­gung die­ser Vor­schrift [1] ergibt sich klar und ein­deu­tig, dass jeden­falls seit 2002 eine Zustel­lung der Auf­for­de­rung zur Anspruchs­be­grün­dung nicht erfor­der­lich ist [2].

Die von § 697 Abs. 1 Satz 2 ZPO ange­ord­ne­te ent­spre­chen­de Gel­tung von § 270 Satz 2 ZPO (bis zum 31.07.2002: § 270 Abs. 2 Satz 2 ZPO) wäre über­flüs­sig, wenn die Auf­for­de­rung zur Anspruchs­be­grün­dung förm­lich zuge­stellt wer­den müss­te. Zudem heißt es im Ent­wurf des ZPORG vom 24.11.2000 [1] aus­drück­lich, dass die­se Anfü­gung auf die Redu­zie­rung von Zustel­lun­gen abzielt und klar­stellt, dass eine Zustel­lung der Auf­for­de­rung zur Anspruchs­be­grün­dung nicht erfor­der­lich ist, viel­mehr eine form­lo­se Über­mitt­lung (Über­sen­dung durch die Post) genügt. Damit wird dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass seit der Neu­fas­sung von § 697 Abs. 2 und 3 ZPO mit Wir­kung vom 01.04.1991 nicht mehr spä­tes­tens bei Ablauf der Zwei­wo­chen­frist für die Anspruchs­be­grün­dung Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung zu bestim­men ist. Viel­mehr erfolgt, solan­ge eine Anspruchs­be­grün­dung nicht ein­ge­gan­gen ist, die Ter­mins­be­stim­mung erst dann, wenn der Antrags­geg­ner die­se bean­tragt, und in die­sem Fall wird dem Antrag­stel­ler eine (neue) Frist zur Anspruchs­be­grün­dung gesetzt (§ 697 Abs. 3 ZPO). Eine Ver­säu­mung der Frist aus § 697 Abs. 1 Satz 1 ZPO hat über­dies kei­ne Prä­k­lu­si­on gemäß § 296 Abs. 1 ZPO zur Fol­ge [3].

Schließ­lich ermög­licht § 270 Satz 2 ZPO auch im Rah­men der Anwen­dung von § 204 Abs. 2 Satz 3 BGB, der § 204 Abs. 2 Satz 2 BGB in der bis zum 31.10.2018 gel­ten­den Fas­sung ent­spricht, die Bestim­mung des Zeit­punkts, in dem die letz­te Ver­fah­rens­hand­lung des Gerichts, mit der die Sechs – Monats-Frist für das Ende der Hem­mung beginnt, der Par­tei zuge­gan­gen ist [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. März 2020 – XI ZR 199/​18

  1. BT-Drs. 14/​4722, S. 121[][]
  2. so auch Zöller/​Seibel, ZPO, 33. Aufl., § 697 Rn. 4; Som­mer in Prütting/​Gehrlein, ZPO, 11. Aufl., § 697 Rn. 2; BLHAG/​Becker, ZPO, 78. Aufl., § 697 Rn. 7; Beck­OK ZPO/​Dörndorfer, 35. Edi­ti­on, Stand 1.01.2020, § 697 Rn. 3; HkZPO/​Gierl, 8. Aufl., § 697 Rn. 3; Zim­mer­mann, ZPO, 8. Aufl., § 697 Rn. 1; wohl eben­so Voit in Musielak/​Voit, ZPO, 16. Aufl., § 697 Rn. 2[]
  3. Zöller/​Seibel, aaO Rn. 4, 10[]
  4. zur Not­wen­dig­keit des Zugangs vgl. BGH, Urtei­le vom 20.02.1997 – VII ZR 227/​96, BGHZ 134, 387, 391; und vom 05.02.1998 – VII ZR 279/​96, NJW-RR 1998, 954[]