Ver­jäh­rung von Insol­venz­for­de­run­gen

Die durch die Anmel­dung eines Anspruchs in einem Insol­venz­ver­fah­ren nach § 204 Abs. 2 Satz 1 BGB ein­ge­tre­te­ne Hem­mung der Ver­jäh­rung endet nicht bereits sechs Mona­te, nach­dem der Insol­venz­ver­wal­ter die ange­mel­de­te For­de­rung bestrit­ten hat, son­dern erst sechs Mona­te nach Been­di­gung des Insol­venz­ver­fah­rens ins­ge­samt.

Ver­jäh­rung von Insol­venz­for­de­run­gen

Mit dem Urteil, dass die Hem­mungs­wir­kung nach § 204 Abs. 2 Satz 1 BGB erst endet, wenn das Insol­venz­ver­fah­ren durch Auf­he­bungs­be­schluss (§§ 200, 258 InsO) oder Ein­stel­lung (§ 207 InsO) been­det wor­den ist, hat sich der Bun­des­ge­richts­hof der ganz über­wie­gend in der Lite­ra­tur ver­tre­te­ne Ansicht ange­schlos­sen, nach der es für das Ende der Hem­mungs­wir­kung auf die Been­di­gung des Insol­venz­ver­fah­rens ankommt [1] und nicht auf das Ende des „Ver­fah­rens der For­de­rungs­an­mel­dung“, das mit dem end­gül­ti­gen Bestrei­ten der For­de­rung durch den Insol­venz­ver­wal­ter bzw. des­sen Bekannt­ga­be gegen­über den Gläu­bi­gern ein­tre­te [2].

Dafür spricht zum einen die Geset­zes­be­grün­dung, die von dem „Ende der Hem­mung durch die Been­di­gung des Insol­venz­ver­fah­rens“ aus­geht [3]. Nach der Vor­gän­ger­vor­schrift des § 214 Abs. 1 BGB a.F. ende­te die Ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chung eben­falls mit dem Ende des Insol­venz­ver­fah­rens. Der Gesetz­ge­ber muss­te über die Umstel­lung auf einen Hem­mungs­tat­be­stand hin­aus kei­ne Ände­run­gen vor­neh­men, da er davon aus­ging, dass die Neu­re­ge­lung des § 204 Abs. 1 Nr. 10 BGB sach­lich der Vor­gän­ger­vor­schrift des § 209 Abs. 2 Nr. 2 BGB aF ent­spricht [4]. Zudem sieht die Insol­venz­ord­nung kein eigen­stän­di­ges „Ver­fah­ren“ der For­de­rungs­an­mel­dung vor. Fol­ge­rich­tig ist in § 204 Abs. 1 Nr. 10 BGB auch von der Anmel­dung des Anspruchs „im Insol­venz­ver­fah­ren“ die Rede. Die­sem Ver­ständ­nis steht auch nicht der Wort­laut des § 204 Abs. 2 BGB ent­ge­gen, der von der Been­di­gung des „ein­ge­lei­te­ten“ Ver­fah­rens spricht. Damit hat der Gesetz­ge­ber das Ende der Hem­mungs­wir­kung in § 204 Abs. 2 BGB ledig­lich ein­heit­lich für alle Hem­mungs­tat­be­stän­de des § 204 Abs. 1 Nr. 1 bis 14 BGB for­mu­liert. Im Fal­le des § 204 Abs. 1 Nr. 10 BGB ist maß­geb­lich, dass der Gläu­bi­ger mit der For­de­rungs­an­mel­dung sei­ne Teil­nah­me an dem lau­fen­den Insol­venz­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Dezem­ber 2009 – XI ZR 181/​08

  1. Braun/​Specovius, InsO, 3. Aufl., § 174 Rn. 37; Erman/­Schmidt-Räntsch, BGB, 12. Aufl., § 204 Rn. 48; Hen­rich in Bamberger/​Roth, BGB, 2. Aufl., § 204 Rn. 66; MünchKommBGB/​Gro­the, 5. Aufl., § 204 Rn. 100; Palandt/​Ellenberger, BGB, 69. Aufl., § 204 Rn. 42; PWW/​Kesseler, BGB, 4. Aufl., § 204 Rn. 17; Uhlen­bruck in Uhlen­bruck, InsO, 12. Aufl., § 174 Rn. 28; Wenner/​Schuster, BB 2006, 2649, 2653; eben­so KG Ber­lin, BauR 2007, 1896, 1897 f.[]
  2. so Vogel, BauR 2004, 1365, 1367; im Ergeb­nis wohl eben­so Staudinger/​Peters, BGB (2004), § 204 Rn. 140[]
  3. BT-Drs. 14/​6040, S. 118[]
  4. BT-Drs. 14/​6040, S. 115[]