Ver­jäh­rungs­ab­lauf am Sonn­tag – Mahn­be­scheid am Mon­tag

Mit der Hem­mung der Ver­jäh­rung bei der Gel­tend­ma­chung von Scha­den­er­satz im Mahn­ver­fah­ren hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Ver­jäh­rungs­ab­lauf am Sonn­tag – Mahn­be­scheid am Mon­tag

Ver­jäh­rungs­hem­mung durch Ver­hand­lun­gen

Bei schwe­ben­den Ver­hand­lun­gen wirkt die Hem­mung gemäß § 203 Satz 1 BGB grund­sätz­lich auf den Zeit­punkt zurück, in dem der Gläu­bi­ger sei­nen Anspruch gegen­über dem Schuld­ner gel­tend gemacht hat 1. Die Tage, in deren Ver­lauf der Hem­mungs­grund ent­stand und weg­fiel, zäh­len zur Hem­mungs­zeit 2.

Ver­jäh­rungs­ab­lauf am Sonn­tag

Läuft die Ver­jäh­rungs­frist an einem Sonn­tag ab, genügt es zur (erneu­ten) Hem­mung der Ver­jäh­rung nach § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB, dass der Gläu­bi­ger den Antrag auf Erlass eines Mahn­be­scheids am dar­auf fol­gen­den Mon­tag bei Gericht ein­reich­te. Inso­weit gilt § 193 BGB ent­spre­chend 3. Die ver­jäh­rungs­hem­men­de Wir­kung tritt nach § 167 ZPO bereits mit Antrag­stel­lung ein, wenn der Mahn­be­scheid dem­nächst zuge­stellt wird.

Wech­sel zwi­schen "klei­nem" und "gro­ßen" Scha­dens­er­satz

Dass der Gläu­bi­ger (Klä­ger) im Mahn­ver­fah­ren wegen § 688 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ledig­lich den "klei­nen" Scha­den­er­satz gel­tend gemacht hat, auf den er, nach­dem er einen Anspruch auf "gro­ßen" Scha­den­er­satz begrün­det hat, im Lau­fe des Rechts­streits zurück­ge­kom­men ist, hin­dert den Ein­tritt der Hem­mung nach § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB nicht. Ob die eine oder die ande­re Art des Scha­den­er­sat­zes gel­tend gemacht wird, ist ledig­lich eine Fra­ge der Scha­dens­be­rech­nung. Wech­selt der Klä­ger die Art der Scha­dens­be­rech­nung, ohne sei­nen Antrag auf einen abge­wan­del­ten Lebens­sach­ver­halt zu stüt­zen, liegt kei­ne Kla­ge­än­de­rung vor 4. Ein Miss­brauch des Mahn­ver­fah­rens, der den Antrag­stel­ler bei der Gel­tend­ma­chung von "gro­ßem" Scha­den­er­satz im Ein­zel­fall nach § 242 BGB dar­an hin­dern kann, sich auf die Hem­mung der Ver­jäh­rung zu beru­fen, wenn er eine Erklä­rung nach § 690 Abs. 1 Nr. 4 ZPO abgibt, obwohl er nach den Grund­sät­zen der Vor­teils­aus­glei­chung die emp­fan­ge­ne Leis­tung Zug um Zug zurück­zu­ge­ben hat 5, fällt dem Klä­ger nicht zur Last.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. August 2014 – XI ZR 172/​13

  1. BGH, Beschluss vom 19.12 2013 – IX ZR 120/​11, ZIP 2014, 687 Rn. 2 f.[]
  2. Palandt/​Ellenberger, BGB, 73. Aufl., § 209 Rn. 1[]
  3. RGZ 151, 345, 348 f.; BGH, Urteil vom 03.02.1978 – I ZR 116/​76, WM 1978, 461, 464; Urteil vom 06.12 2007 – III ZR 146/​07, WM 2008, 490 Rn. 13[]
  4. BGH, Urteil vom 09.10.1991 – VIII ZR 88/​90, BGHZ 115, 286, 289 ff. mwN[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 21.12 2011 – VIII ZR 157/​11, WM 2012, 560 Rn. 7 ff.; zu weit­ge­hend Schultz, NJW 2014, 827 ff.[]