Ver­jäh­rungs­hem­mung im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren in Über­gangs­fäl­len

Die Ver­jäh­rung wird auch dann gehemmt, wenn am 1. Janu­ar 2002 auf­grund eines dem Antrags­geg­ner zuge­stell­ten Antrags ein selb­stän­di­ges Beweis­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet und noch nicht been­det war.

Ver­jäh­rungs­hem­mung im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren in Über­gangs­fäl­len

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs fin­den die Vor­schrift des § 902 Abs. 1 Satz 1 BGB, wonach Ansprü­che aus ein­ge­tra­ge­nen Rech­ten nicht der Ver­jäh­rung unter­lie­gen, auf den Besei­ti­gungs­an­spruch nach § 1004 BGB kei­ne Anwen­dung; die­ser ver­jährt daher inner­halb der regu­lä­ren Frist 1.

Er ent­stand damit im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall frü­hes­tens mit Abschluss der Bau­maß­nah­me im Jahr 1999 und ver­jähr­te in 30 Jah­ren (§ 195 BGB aF). Das auf Antrag der Klä­ge­rin im Novem­ber 2001 ein­ge­lei­te­te selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren hat­te kei­nen Ein­fluss auf den Lauf der Ver­jäh­rungs­frist, weil es nach dama­li­gem Recht weder zur Unter­bre­chung noch zur Hem­mung der Ver­jäh­rung führ­te. Nach Art. 229 § 6 Abs. 1 Satz 1 EGBGB unter­liegt der Anspruch seit dem 1. Janu­ar 2002 der regel­mä­ßi­gen Ver­jäh­rungs­frist von drei Jah­ren. Die­se war bei Kla­ge­er­he­bung im Jahr 2008 abge­lau­fen. Zu berück­sich­ti­gen ist jedoch, dass nun­mehr nach § 204 Abs. 1 Nr. 7 BGB die Ver­jäh­rung durch die Zustel­lung des Antrags auf Durch­füh­rung eines selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens gehemmt wird; die Hem­mung endet sechs Mona­te nach der Been­di­gung des Ver­fah­rens (§ 204 Abs. 2 BGB). Ob die Ver­jäh­rung auch dann gehemmt ist, wenn – wie hier – am 1. Janu­ar 2002 bereits ein selb­stän­di­ges Beweis­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet und noch nicht been­det war, ist dem Gesetz nicht zu ent­neh­men. Eine sol­che Fäl­le erfas­sen­de Über­lei­tungs­vor­schrift fehlt. Die Geset­zes­lü­cke ist dadurch zu schlie­ßen, dass auf sol­che Fäl­le die Vor­schrift des § 204 Abs. 1 Nr. 7 BGB jeden­falls dann ent­spre­chend anzu­wen­den ist, wenn das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren auf­grund eines dem Antrags­geg­ner zuge­stell­ten Antrags ein­ge­lei­tet wur­de. Die für den Ein­tritt der Ver­jäh­rungs­hem­mung gefor­der­te Zustel­lung des Antrags soll näm­lich gewähr­leis­ten, dass der Antrags­geg­ner die Mög­lich­keit hat, den Antrag zur Kennt­nis zu neh­men 2. Die­ses Ziel wird unab­hän­gig davon erreicht, ob die Zustel­lung unter der Gel­tung des alten oder des neu­en Ver­jäh­rungs­rechts erfolg­te. Da im hier ent­schie­de­nen Fall der Antrag der Klä­ge­rin den Beklag­ten am 15.11.2001 zuge­stellt wur­de und das Ver­fah­ren mit der Über­sen­dung des letz­ten Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens an die Par­tei­en Anfang Dezem­ber 2007 ende­te 3, war die Ver­jäh­rung zwi­schen dem 1. Janu­ar 2002 und Anfang Juni 2008 gehemmt. Die Ver­jäh­rungs­frist von drei Jah­ren (§ 195 BGB) lief Anfang Juni 2011 ab, also erst nach dem Erlass des Beru­fungs­ur­teils. Den Besei­ti­gungs­an­spruch hat die Klä­ge­rin somit inner­halb der Ver­jäh­rungs­frist gel­tend gemacht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Mai 2012 – V ZR 71/​11

  1. sie­he nur BGH, Urteil vom 28.01.2011 – V ZR 141/​10, NJW 2011, 1068 f. Rn. 6 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 27.01.2011 – VII ZR 186/​09, BGHZ 188, 128, 138 Rn. 30[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 28.10.2010 – VII ZR 172/​09, NJW 2011, 594, 595 Rn. 11[]