Ver­jäh­rungs­hem­mung per Mahn­be­scheid – und das danach sto­cken­de Ver­fah­ren

Die Hem­mung der Ver­jäh­rung nach § 204 Abs. 1 BGB endet sechs Mona­te nach der rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung oder ander­wei­ti­gen Been­di­gung des ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­rens (§ 204 Abs. 2 Satz 1 BGB).

Ver­jäh­rungs­hem­mung per Mahn­be­scheid – und das danach sto­cken­de Ver­fah­ren

Gerät das Ver­fah­ren wie hier dadurch in Still­stand, dass die Par­tei­en es nicht betrei­ben, so endet die Hem­mung der Ver­jäh­rung mit der letz­ten Ver­fah­rens­hand­lung der Par­tei­en, des Gerichts oder einer sonst mit dem Ver­fah­ren befass­ten Stel­le (§ 204 Abs. 2 Satz 2 BGB).

Bei Ver­fah­rens­hand­lun­gen des Gerichts kommt es auf den Zugang bei der betrof­fe­nen Par­tei an, wenn davon die Wirk­sam­keit der betref­fen­den Pro­zess­hand­lung abhängt 1.

Danach ende­te im hier ent­schie­de­nen Streit­fall die Hem­mung der Ver­jäh­rung mit dem Zugang des Schrei­bens des Mahn­ge­richts vom 15.12 2014, mit dem der Klä­ger vom Ein­gang des Wider­spruchs der Beklag­ten in Kennt­nis gesetzt (§ 695 Satz 1 ZPO) und zugleich auf­ge­for­dert wur­de, nach § 12 Abs. 3 Satz 3 GKG die Gebühr für das Ver­fah­ren im All­ge­mei­nen zu zah­len.

Die Mit­tei­lung vom Ein­gang des Wider­spruchs konn­te form­los erfol­gen 2, was nach § 689 Abs. 1 Satz 1, § 495 Abs. 1, § 270 Satz 2 ZPO dazu führ­te, dass sie an dem zwei­ten Werk­tag nach Auf­ga­be zur Post als bewirkt galt 3.

Hin­sicht­lich der hier zeit­gleich eben­falls form­los über­sand­ten Auf­for­de­rung nach § 12 Abs. 3 Satz 3 GKG, die Gebühr für das Ver­fah­ren im All­ge­mei­nen zu zah­len, ergibt sich nichts ande­res. Zwar han­delt es sich dabei nicht um eine Erklä­rung der Par­tei­en, son­dern um eine gericht­li­che Auf­for­de­rung, für die § 270 Satz 2 ZPO nicht unmit­tel­bar gilt 4. Nach der Recht­spre­chung ist jedoch bei gericht­li­cher Anfor­de­rung eines Aus­la­gen­vor­schus­ses grund­sätz­lich davon aus­zu­ge­hen, dass das Anfor­de­rungs­schrei­ben des Gerichts bei Ver­sen­dung auf dem Post­weg in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 270 Satz 2 ZPO inner­halb der dort genann­ten Fris­ten zuge­gan­gen ist 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. März 2019 – XI ZR 95/​17

  1. BGH, Urteil vom 05.02.1998 – VII ZR 279/​96, NJW-RR 1998, 954
  2. Wieczorek/​Schütze/​Rohe, ZPO, 4. Aufl., Vor §§ 166 ff. Rn. 6; Stein/​Jonas/​Roth, ZPO, 23. Aufl., Vor § 166 Rn. 7; Musielak/​Voit/​Voit, ZPO, 15. Aufl., § 695 Rn. 1
  3. vgl. Stein/​Jonas/​Roth, ZPO, 23. Aufl., Vor § 166 Rn. 7
  4. Wieczorek/​Schütze/​Assmann, ZPO, 4. Aufl., § 270 Rn. 4; Stein/​Jonas/​Roth, ZPO, 23. Aufl., § 270 Rn. 1
  5. vgl. BGH, Urteil vom 21.09.2017 – I ZR 47/​16, WM 2018, 1841 Rn. 42