Verkehrssicherungspflichten beim Rosenmontagszug

27. Februar 2017 | Zivilrecht
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Die Verkehrssicherungspflicht verpflichtet grundsätzlich denjenigen, der eine Gefahrenlage schafft, die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um eine Schädigung anderer möglichst zu verhindern1.

Der Verkehrssicherungspflichtige ist aber nicht gehalten, für alle denkbaren, entfernt liegenden Möglichkeiten eines Schadenseintritts Vorsorge zu treffen. Es genügen diejenigen Vorkehrungen, die nach den konkreten Umständen zur Beseitigung der Gefahr erforderlich und zumutbar sind. Erforderlich sind die Maßnahmen, die ein umsichtiger und verständiger, in vernünftigen Grenzen vorsichtiger Angehöriger der betroffenen Verkehrskreise für notwendig und ausreichend halten darf, um andere Personen vor Schäden zu bewahren2, d.h. nach den Sicherheitserwartungen des jeweiligen Verkehrs geeignet sind, solche Gefahren von Dritten tunlichst abzuwenden, die bei bestimmungsgemäßem oder bei nicht ganz fernliegender bestimmungswidriger Benutzung drohen.

Der Dritte ist aber nur vor den Gefahren zu schützen, die er selbst, ausgehend von der sich ihm konkret darbietenden Situation bei Anwendung der von ihm in dieser Situation zu erwartenden Sorgfalt erfahrungsgemäß nicht oder nicht rechtzeitig erkennen und vermeiden kann3.

Der Veranstalter eines Rosenmontagsumzugs hat dafür Sorge zu tragen, dass Personen, insbesondere minderjährige Zuschauer, nicht zu nahe an die Festwagen kommen können und eine Absperrung vorzunehmen ist4.

Ansprüche wegen Gefährdungshaftung nach § 7 StVG kommen nicht in Betracht, da gemäß § 8 Nr. 1 StVG die Vorschrift des § 7 StVG keine Anwendung findet, wenn der Unfall durch ein Kraftfahrzeug verursacht wurde, das auf ebener Bahn mit keiner höheren Geschwindigkeit als 20 Kilometer in der Stunde fahren kann. Da das hier in den Unfall involvierte Fahrzeug nur über eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h verfügt, greifen die Vorschriften über die Gefährdungshaftung nicht ein.

Oberlandesgericht Koblenz, Beschluss vom 19. Dezember 2013 – 3 U 985/13

  1. BGH, Urteil vom 19.12.1989 – VI ZR 182/89 , NJW 1990, 1236; Urteil vom 12.11.1996 – VI ZR 270/95VersR 1997, 250 = MDR 1997, 356 = NJW 1997, 582; Urteil vom 04.12.2001 – VI ZR 447/00 , NJW-RR 2002, 525; Urteil vom 15.07.2003 – VI ZR 155/02VersR 2003, 1319 = NJW-RR 2003, 1459 = MDR 2003, 1352; Urteil vom 08.11.2005 – VI ZR 332/04 -NJW 2006, 610; Urteil vom 06.02.2007 OLG Celle Urteil vom 25.01.2007 – 8 U 161/06 – Juris Rn. 5;- VI ZR 274/05 , NJW 2007, 1684 = MDR 2007, 777 = VersR 2007, 659 ff.; OLG Koblenz Hinweisverfügung gemäß § 522 Abs. 2 vom 16.12.2009 i.V.m. Zurückweisungsbeschluss vom 22.01.2010 – 2 U 904/09MDR 2010, 630; Hinweisbeschluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO vom 15.06.2010 i.V.m. Zurückweisungsbeschluss vom 04.10.2010 – 2 U 950/09VersR 2012, 374; Hinweisbeschluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO vom 19.01.2011 – 2 U 468/10MDR 2011, 787; Hinweisbeschluss vom 06.10.2011 – 2 U 1104/10 – i.V.m Zurückweisungsbeschluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO vom 01.12.2011
  2. BGH, Urteil vom 16.05.2006 – VI ZR 189/05 , NJW 2006, 2326 = MDR 2006, 1405 = R+S 2007, 80 f.; Urteil vom 16.02.2006 – III ZR 68/05VersR 2006, 665
  3. OLG Hamm, Urteil vom 17.12.2001 – 13 U 171/01VersR 2003, 605 ; Urteil vom 13.01.2006 – 9 U 143/05 , NJW-RR 2006, 1100 = VersR 2007, 1518 f. = MDR 2006, 1229
  4. vgl. hierzu auch LG Ravensburg, Urteil vom 15.08.1996 – 3 S 145/96NJW 1997, 402; OLG Köln, Entscheidung vom 15.02.1979 – 14 U 123/76, R+S 1979, 121 f.; ferner zur Verkehrssicherungspflicht bei Rosenmontagsumzügen AG Köln, Urteil vom 07.01.2011 – 123 C 254/10, zitiert nach Juris; LG Trier, Urteil vom 05.06.2011 – 1 S 18/01NJW-RR 2001, 1470 f.; LG Trier, Urteil vom 05.06.2001 – 1 S 18/01NJW-RR 2001, 1470 f.; AG Köln, Urteil vom 19.06.1998 – 111 C 422/97NJW 1999, 1972 f. = R+S 1999, 151; Herzog, Gefährliche Kamelle – Karneval und Schadensrecht, ZfS 2012, 603 ff., zu Verletzungen durch Fahrzeuge dort A.II. 3

 
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