Ver­kehrs­un­fall – und die Schät­zung der erfor­der­li­chen Miet­wa­gen­kos­ten

Es erscheint wei­ter­hin sach­ge­recht, die nach einem Ver­kehrs­un­fall als Nor­mal­ta­rif zu erstat­ten­den Miet­wa­gen­kos­ten nach dem arith­me­ti­schen Mit­tel­wert aus Schwa­cke-Lis­te und Fraun­ho­fer-Tabel­le zu schät­zen.

Ver­kehrs­un­fall – und die Schät­zung der erfor­der­li­chen Miet­wa­gen­kos­ten

Sowohl dem Miet­wa­gen­un­ter­neh­men als auch dem in Anspruch genom­me­nen Ver­si­che­rer bleibt es unbe­nom­men, bezo­gen auf den kon­kre­ten Ein­zel­fall durch Vor­la­ge im Hin­blick auf Zeit­raum und Anmiet­si­tua­ti­on etc. ver­gleich­ba­re Ange­bo­te dar­zu­tun und ggf. nach­zu­wei­sen, dass dem Geschä­dig­ten ein ver­gleich­ba­res Fahr­zeug zu schlech­te­ren oder bes­se­ren Kon­di­tio­nen zur Ver­fü­gung gestan­den hät­te oder die gene­rel­le Vor­zugs­wür­dig­keit einer der bei­den Erhe­bungs­me­tho­den dar­zu­tun.

Die Kos­ten für eine Haf­tungs­re­du­zie­rung auf unter 500,00 € sind im Regel­fall in vol­ler Höhe erstat­tungs­fä­hig.

Die erstat­tungs­fä­hi­gen Miet­wa­gen­kos­ten kön­nen auf der Grund­la­ge des arith­me­ti­schen Mit­tels aus der Schwa­cke-Lis­te einer­seits und der Fraun­ho­fer-Tabel­le ande­rer­seits geschätzt wer­den (Fra­cke-Metho­de). Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le sieht kei­nen Anlass, sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung [1] auf­zu­ge­ben.

Die Ermitt­lung der Scha­dens­hö­he und damit des ange­mes­se­nen „Nor­mal­ta­rifs“ ist Sache des nach § 287 ZPO beson­ders frei­ge­stell­ten Tatrich­ters. Die Art der Schät­zungs­grund­la­ge gibt § 287 ZPO nicht vor. Die Scha­dens­hö­he darf ledig­lich nicht auf der Grund­la­ge fal­scher oder offen­bar unsach­li­cher Erwä­gun­gen fest­ge­setzt wer­den. Fer­ner dür­fen wesent­li­che die Ent­schei­dung bedin­gen­de Tat­sa­chen nicht außer Betracht blei­ben. Auch darf das Gericht in für die Streit­ent­schei­dung zen­tra­len Fra­gen auf nach Sach­la­ge uner­läss­li­che fach­li­che Erkennt­nis­se nicht ver­zich­ten [2].

In geeig­ne­ten Fäl­len kön­nen Lis­ten oder Tabel­len bei der Scha­dens­schät­zung Ver­wen­dung fin­den. Nach die­sen Grund­sät­zen ist der Tatrich­ter grund­sätz­lich weder gehin­dert, sei­ner Scha­dens­schät­zung die Schwa­cke-Lis­te noch den Fraun­ho­fer-Markt­preis­spie­gel zugrun­de zu legen. Der Umstand, dass bei­de Markt­er­he­bun­gen zum einen im Ein­zel­fall zu deut­lich von­ein­an­der abwei­chen­den Ergeb­nis­sen füh­ren und zum ande­ren zum Teil grund­sätz­li­chen Beden­ken hin­sicht­lich ihrer Daten­er­he­bung begeg­nen, reicht nicht aus, um durch­grei­fen­de Zwei­fel an ihrer Eig­nung als Schätz­grund­la­ge zu begrün­den [2]. Nur wenn eine Par­tei kon­kre­te Tat­sa­chen auf­zeigt, die sich auf den zu ent­schei­den­den Fall in erheb­li­chem Umfang aus­wir­ken, kann eine der bei­den Metho­den als vor­zugs­wür­dig ange­se­hen wer­den [2].

Auf die­ser Grund­la­ge hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le in sei­ner zuvor genann­ten Ent­schei­dung vom 29.02.2012 [3] den erstat­tungs­fä­hi­gen Nor­mal­ta­rif nach dem arith­me­ti­schen Mit­tel aus Schwa­cke-Lis­te und Fraun­ho­fer-Tabel­le geschätzt. Der vor­lie­gen­de Fall gibt dem Ober­lan­des­ge­richt Cel­le kei­nen Anlass, hier­von abzu­wei­chen.

Weder hat die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers durch Vor­la­ge hin­rei­chend ver­gleich­ba­rer Ange­bo­te ande­rer Auto­ver­mie­ter auf­ge­zeigt, dass die­se Schätz­me­tho­de im kon­kre­ten Anmiet­zeit­raum im Post­leit­zah­len­be­reich 520 zu signi­fi­kant fal­schen Ergeb­nis­sen führt noch hat sie Umstän­de dar­ge­legt, die den von ihr favo­ri­sier­ten Fraun­ho­fer-Markt­preis­spie­gel als grund­sätz­lich vor­zugs­wür­dig erschei­nen las­sen.

Die von der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers kon­kret vor­ge­leg­ten Ange­bo­te von Mit­be­wer­bern der Geschä­dig­ten sind im vor­lie­gen­den Fall zur Erschüt­te­rung der vom Ober­lan­des­ge­richt ange­wen­de­ten Schätz­grund­la­ge nicht geeig­net. Sie sind näm­lich nicht hin­rei­chend mit der jewei­li­gen tat­säch­li­chen Anmiet­si­tua­ti­on ver­gleich­bar.

Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers hat zwar auf online-Anfra­gen bei gro­ßen Anbie­tern ver­wie­sen und zugleich vor­ge­tra­gen, zu einem ent­spre­chen­den Durch­schnitts­preis hät­te auch im streit­ge­gen­ständ­li­chen Unfall­zeit­punkt ein Fahr­zeug ange­mie­tet wer­den kön­nen. Damit hat sie jedoch nicht im Sin­ne der Anfor­de­run­gen des Bun­des­ge­richts­hofs [4] hin­rei­chend dar­ge­legt, dass der zur Scha­dens­be­he­bung erfor­der­li­che maß­ge­ben­de Nor­mal­ta­rif zum Zeit­punkt der Anmie­tung tat­säch­lich deut­lich güns­ti­ger gewe­sen sein könn­te als der aus dem arith­me­ti­schen Mit­tel der Schwa­cke-Lis­te und der Fraun­ho­fer-Tabel­le ermit­tel­te Nor­mal­ta­rif.

Das gilt für sämt­li­che vor­ge­leg­ten Ange­bo­te bereits für die zeit­li­che Ver­gleich­bar­keit. Sie stam­men näm­lich alle aus einem Zeit­raum von rd. 5 Jah­ren nach den Unfäl­len, die der Anmie­tung von Fahr­zeu­gen der Geschä­dig­ten bei der Geschä­dig­ten zugrun­de lie­gen. Des­halb ist nicht erkenn­bar, dass in der kon­kre­ten Anmiet­si­tua­ti­on sei­ner­zeit tat­säch­lich ein ent­spre­chen­des Fahr­zeug zu den ange­bo­te­nen Kon­di­tio­nen ver­füg­bar gewe­sen wäre. Dies auch des­halb, weil die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers nichts zur Preis­ent­wick­lung der Miet­wa­gen­kos­ten im maß­geb­li­chen Zeit­raum vor­trägt. Inso­weit kann nicht ohne wei­te­res davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Kos­ten für die Anmie­tung eines Miet­fahr­zeu­ges kon­ti­nu­ier­lich gestie­gen oder zumin­dest gleich geblie­ben wären.

Die von der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers vor­ge­leg­ten Ange­bo­te von Mit­be­wer­bern las­sen aber auch im Übri­gen kei­nen hin­rei­chend siche­ren Schluss dahin zu, dass die Anwen­dung des Fraun­ho­fer-Markt­preis­spie­gels ande­ren Schätz­me­tho­den gegen­über vor­zugs­wür­dig wäre.

Anders als das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf [5] ver­moch­te das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le sich nicht die Über­zeu­gung zu bil­den, dass die vom Fraun­ho­fer Insti­tut ermit­tel­ten durch­schnitt­li­chen „Nor­mal­ta­ri­fe“ dem tat­säch­li­chen Ange­bots­spek­trum näher­kom­men als der aus dem arith­me­ti­schen Mit­tel der bei­den vor­ge­nann­ten Tabel­len ermit­tel­te Wert. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat neben den in der Recht­spre­chung inten­siv dis­ku­tier­ten; und vom erken­nen­das Ober­lan­des­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung vom 29.02.2012 [3] auf­ge­lis­te­ten Vor- und Nach­tei­len der bei­den Erhe­bungs­me­tho­den Schwa­cke und Fraun­ho­fer u. a. dar­auf abge­stellt, dass im Wesent­li­chen ver­gleich­ba­re Miet­fahr­zeu­ge zu deut­lich nied­ri­ge­ren Prei­sen – nicht sel­ten für etwa den hal­ben Preis – als dem in der Schwa­cke-Lis­te genann­ten Durch­schnitts­preis hät­ten ange­mie­tet wer­den kön­nen. Die­se Ten­denz schien sich zwar auch in meh­re­ren Ver­fah­ren vor dem erken­nen­das Ober­lan­des­ge­richt anzu­deu­ten, jedoch nur unter Berück­sich­ti­gung der jeweils vom Ver­si­che­rer vor­ge­leg­ten, aus­ge­wähl­ten Ange­bo­te ande­rer Miet­wa­gen­un­ter­neh­men.

Das Ober­lan­des­ge­richt ist in die­sem Zusam­men­hang zunächst der Fra­ge nach­ge­gan­gen, ob und inwie­weit die von der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers im vor­lie­gen­den Rechts­streit vor­ge­leg­ten „Vergleichs-„Angebote von Mit­be­wer­bern der Geschä­dig­ten bezo­gen auf die zum Zeit­punkt der Abga­be der Ange­bo­te gül­ti­gen und anzu­wen­den­den Lis­ten von Schwa­cke und Fraun­ho­fer einer der bei­den Lis­ten ent­spre­chen. In die­sem Fall wäre zunächst in einem ers­ten Schritt auf­ge­zeigt, dass eine der bei­den Erhe­bungs­me­tho­den den tat­säch­lich auf dem Markt erhält­li­chen Miet­preis rea­lis­ti­scher abbil­det als die ande­re (wie es das OLG Düs­sel­dorf für sei­nen Gerichts­be­zirk annimmt). In einem zwei­ten Schritt wäre sodann gege­be­nen­falls fest­zu­stel­len, ob dies (mut­maß­lich) auch für den kon­kre­ten Miet­zeit­raum ange­nom­men wer­den kann.

Bezo­gen auf das Jahr 2015, aus dem die von der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers vor­ge­leg­ten Ange­bo­te von Mit­be­wer­bern der Geschä­dig­ten stam­men, kön­nen der­ar­ti­ge Fest­stel­lun­gen für den vor­lie­gen­den Fall indes nicht mit aus­rei­chen­der Aus­sa­ge­kraft getrof­fen wer­den.

Ein Ver­gleich die­ser Daten ergibt Zah­len wie im Schrift­satz der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers vom 10.03.2016 auf­ge­führt, d. h. bezo­gen auf den jewei­li­gen Mit­tel­wert der vor­ge­leg­ten Ange­bo­te und der Wer­te nach dem Fraun­ho­fer-Markt­preis­spie­gel erge­ben sich – außer in den Grup­pen 8 und 9 – Abwei­chun­gen von etwa 10 bis zu knapp 25 % (Grup­pe 7, Miet­dau­er 7 Tage) zwi­schen dem Durch­schnitts­preis der von der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers vor­ge­leg­ten Ange­bo­te und dem Mit­tel­wert nach Fraun­ho­fer. In den Grup­pen 8 und 9 decken sich die Wer­te hin­ge­gen mit dem Mit­tel­wert nach Fraun­ho­fer. Damit lie­gen die­se Ange­bo­te in der Tat über­wie­gend näher an den vom Fraun­ho­fer Insti­tut ermit­tel­ten Durch­schnitts­wer­ten als an denen nach der Schwa­cke-Lis­te.

Inso­weit ist jedoch ein­schrän­kend fest­zu­stel­len, dass der Mit­tel­wert der von der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers jeweils vor­ge­leg­ten drei Mit­be­wer­ber­an­ge­bo­te schon allein des­halb eine grö­ße­re Nähe zu den Wer­ten nach dem Fraun­ho­fer-Markt­preis­spie­gel auf­wei­sen (müs­sen), weil sie auf einer ver­gleich­ba­ren ´Erhe­bungs­me­tho­de‚ (Ein­ho­lung von Inter­net­an­ge­bo­ten von aus­schließ­lich gro­ßen, über­re­gio­na­len Anbie­tern) beru­hen und zudem nicht aus­zu­schlie­ßen, son­dern sogar nahe­lie­gend ist, dass die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers von den vom Fraun­ho­fer Insti­tut befrag­ten Anbie­tern die drei güns­tigs­ten aus­ge­wählt hat. Inso­weit bestehen erheb­li­che Beden­ken gegen die Aus­sa­ge­kraft die­ser „Vergleichs“-Angebote zu der Fra­ge, ob und inwie­weit die Fraun­ho­fer-Tabel­le den rea­len Markt wirk­lich­keits­ge­treu­er abbil­det als ande­re Schätz­me­tho­den. Dies wird unter­stützt durch die von der Geschä­dig­ten vor­ge­leg­ten wei­te­ren Ange­bo­te, auch wenn sie nicht voll­stän­dig ver­gleich­bar sein soll­ten mit den Mit­tel­wer­ten aus der Schwa­cke-Lis­te oder der Fraun­ho­fer-Tabel­le. Inso­weit ist z. B. nicht bekannt, wel­che Sta­tio­nen die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers bei ihren Abfra­gen zugrun­de gelegt hat. Die von ihr vor­ge­leg­ten Ange­bo­te ent­hal­ten eben­falls wie die der Geschä­dig­ten eine unbe­grenz­te Kilo­me­ter­zahl.

Soweit die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers dar­auf ver­weist, die Abwei­chung zwi­schen dem Mit­tel­wert der von ihr vor­ge­leg­ten Ange­bo­te und dem nach Fraun­ho­fer ermit­tel­ten Durch­schnitts­preis bewe­ge sich inner­halb der Span­ne einer Stan­dard­ab­wei­chung einer sta­tis­ti­schen Erhe­bung, ist dies für die Ermitt­lung einer geeig­ne­ten Schätz­grund­la­ge nach den oben dar­ge­stell­ten Grund­sät­zen des Bun­des­ge­richts­hofs allen­falls von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung. Die Stan­dard­ab­wei­chung ist in der Tat ein Begriff aus der Sta­tis­tik bzw. Wahr­schein­lich­keits­rech­nung oder Sto­chas­tik. Sie ist im Übri­gen kein fes­ter Pro­zent­satz, son­dern ist für jeden Ein­zel­fall einer Sta­tis­tik zu berech­nen. Mit ihr kann man ermit­teln, wie stark die Streu­ung der Wer­te um einen Mit­tel­wert ist. Um die Stan­dard­ab­wei­chung zu berech­nen, muss der Durch­schnitt (arith­me­ti­sches Mit­tel) aller Wer­te und im Anschluss noch die sog. Vari­anz berech­net wer­den. Die Vari­anz gibt dabei die mitt­le­re qua­dra­ti­sche Abwei­chung der Ergeb­nis­se um ihren Mit­tel­wert ab. Um sodann die Stan­dard­ab­wei­chung zu ermit­teln, wird aus der Vari­anz die (qua­dra­ti­sche) Wur­zel gezo­gen.

Es ist aber zunächst über­haupt nicht erkenn­bar, dass eine der bei­den Markt­er­he­bun­gen (Schwa­cke oder Fraun­ho­fer) den Anfor­de­run­gen einer sta­tis­ti­schen Erhe­bung ent­spricht. Das gilt zumin­dest für den Fraun­ho­fer-Markt­preis­spie­gel. Für die Ein­ord­nung als Sta­tis­tik fehlt die Zufäl­lig­keit der erho­be­nen Daten inso­weit, als das gezielt nur ein – wenn auch grö­ße­rer – aus­ge­wähl­ter Kreis der am Markt ver­tre­te­nen über­re­gio­na­len Anbie­ter befragt wird. Alle Per­so­nen einer zu unter­su­chen­den Grund­ge­samt­heit müs­sen aber die glei­che bzw. eine bere­chen­ba­re Chan­ce haben, in eine Sta­tis­tik ein­zu­ge­hen. Das ist auf­grund der Art der Erhe­bung indes nicht gewähr­leis­tet.

Es bestehen auch Zwei­fel, dass es sich wenigs­tens um eine hin­rei­chend reprä­sen­ta­ti­ve Umfra­ge han­delt. Dabei müs­sen näm­lich die Befrag­ten so aus­ge­wählt wer­den, dass sie die gesam­te zu befra­gen­de Grup­pe reprä­sen­tie­ren. Um das zu errei­chen, müss­ten die Befrag­ten aus­ge­wo­gen aus­ge­wählt, d. h. nicht nur gro­ße Inter­net­an­bie­ter, son­dern z. B. auch klei­ne­re ört­li­che ein­be­zo­gen wer­den. Die – zuläs­si­ge – Aus­wahl einer Teil­ge­samt­heit ist so vor­zu­neh­men, dass aus dem Ergeb­nis der Teil­erhe­bung mög­lichst exakt und sicher auf die Ver­hält­nis­se der Gesamt­mas­se geschlos­sen wer­den kann. Dies ist dann der Fall, wenn die Teil­erhe­bung in der Ver­tei­lung aller inter­es­sie­ren­den Merk­ma­le der Gesamt­mas­se ent­spricht, d. h. ein zwar ver­klei­ner­tes, aber sonst wirk­lich­keits­ge­treu­es Abbild der Gesamt­heit dar­stellt. Ob dies der Fall ist, ist für das Ober­lan­des­ge­richt man­gels ent­spre­chen­den Vor­brin­gens nicht erkenn­bar, erscheint auf­grund der Aus­wahl­kri­te­ri­en aber auch als zwei­fel­haft.

Unab­hän­gig davon ergibt ein Ver­gleich der Tages­pau­scha­len im vor­lie­gen­den Fall, dass selbst die Abwei­chung der Wer­te nach Schwa­cke und Fraun­ho­fer in ins­ge­samt 24 von 42 Fäl­len, d. h. knapp 60 %, ledig­lich in einem Bereich von bis maxi­mal 55 % lie­gen. Woll­te man mit­hin der Argu­men­ta­ti­on der Haft­pflicht­ver­si­che­rung fol­gen und bei­de Erhe­bungs­me­tho­den unter dem Gesichts­punkt einer mög­li­chen sta­tis­ti­schen Stan­dard­ab­wei­chung von bis zu 25 % mehr oder weni­ger betrach­ten, so ergä­be sich nahe­zu exakt das vom Ober­lan­des­ge­richt Cel­le als Schätz­me­tho­de ange­wen­de­te arith­me­ti­sche Mit­tel aus den Tages­pau­scha­len nach Schwa­cke und Fraun­ho­fer.

Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le ver­kennt dabei nach eige­nem Bekun­den nicht, dass damit gleich­wohl auf der Grund­la­ge der von der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers vor­ge­leg­ten „Vergleichs“-Angebote auf den ers­ten Blick eine grö­ße­re Nähe zu den Wer­ten nach dem Fraun­ho­fer-Markt­preis­spie­gel bleibt. Dies allein recht­fer­tigt aber nicht, den Mit­tel­wert aus die­ser Erhe­bung als allei­ni­ge Schätz­grund­la­ge her­an­zu­zie­hen. Ande­ren­falls wür­de dem Umstand nicht hin­rei­chend Rech­nung getra­gen, dass die in Pro­zes­sen der vor­lie­gen­den Art von den Haft­pflicht­ver­si­che­rern vor­ge­leg­ten Ange­bo­te ergeb­nis­ori­en­tiert die güns­tigs­ten Anbie­ter berück­sich­ti­gen wer­den und zudem zwei wesent­li­che Beson­der­hei­ten der Erhe­bungs­me­tho­de nach Fraun­ho­fer unbe­rück­sich­tigt blei­ben, näm­lich die Vor­bu­chungs­frist sowie die unbe­stimm­te Miet­dau­er. Ob in den kon­kre­ten Fäl­len des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens eine kurz­fris­ti­ge Anmie­tung erfolgt ist, ist für die Fra­ge der gene­rel­len Vor­zugs­wür­dig­keit einer der bei­den Lis­ten ohne Bedeu­tung.

Inso­weit han­delt es sich nicht, wie die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers meint, um rein unfall­spe­zi­fi­sche Merk­ma­le, die bei der Ermitt­lung des sog. Nor­mal­ta­rifs außer Betracht zu blei­ben haben. Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­rich­tes ist der zu ermit­teln­de Nor­mal­ta­rif der­je­ni­ge, den ein Kun­de unter im Übri­gen glei­chen Bedin­gun­gen wie ein Unfall­ge­schä­dig­ter bei der – auch kurz­fris­ti­gen – Anmie­tung eines Fahr­zeu­ges zu zah­len hat ohne Berück­sich­ti­gung z. B. einer beson­de­ren Eil­be­dürf­tig­keit wegen der Unbrauch­bar­keit des eige­nen Fahr­zeu­ges infol­ge des Unfall­ereig­nis­ses pp. Dabei stellt die kurz­fris­ti­ge Anmie­tung eines Fahr­zeu­ges z. B. wegen ander­wei­ti­ger Repa­ra­tur­not­wen­dig­keit kei­nes­wegs einen Son­der­fall dar.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf spricht nicht all­ge­mein gegen die Berech­nung des Nor­mal­ta­rifs auf­grund des arith­me­ti­schen Mit­tels bei­der Erhe­bun­gen, dass damit letzt­lich Abstand von dem Ansatz genom­men wür­de, als Grund­la­ge für den Scha­dens­er­satz­an­spruch den tat­säch­li­chen Markt­preis anhand einer empi­ri­schen Schätz­grund­la­ge zu ermit­teln [6]. Nach Über­zeu­gung des Ober­lan­des­ge­rich­tes kön­nen gera­de durch das Bil­den des arith­me­ti­schen Mit­tels die Schwä­chen bei­der Schätz­grund­la­gen ange­mes­sen aus­ge­gli­chen wer­den.

Wegen die­ser Vor- und Nach­tei­le bei­der Erhe­bungs­me­tho­den nimmt das Ober­lan­des­ge­richt zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen einer­seits Bezug auf die Ent­schei­dung des OLG Karls­ru­he [7]. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind – wie oben bereits dar­ge­legt – trotz teil­wei­ser nicht uner­heb­li­cher Schwä­chen bei­de Metho­den grund­sätz­lich zur Schät­zung der erfor­der­li­chen Miet­wa­gen­kos­ten geeig­net. Da bei­de Lis­ten ledig­lich als Grund­la­ge für eine Schät­zung die­nen, kann der Tatrich­ter im Rah­men sei­nes Ermes­sens nach § 287 ZPO von den sich aus bei­den Tabel­len erge­ben­den Tari­fen z. B. durch Zu- und Abschlä­ge abwei­chen, mit­hin auch durch Bil­dung des rech­ne­ri­schen Mit­tel­werts. Dabei wird im Rah­men des § 287 ZPO in Kauf genom­men, dass die rich­ter­li­che Schät­zung unter Umstän­den nicht mit der Wirk­lich­keit über­ein­stimmt [8].

Gegen die Berech­nung des Nor­mal­ta­rifs auf die­sem Wege kön­nen auch nicht ent­schei­dend prak­ti­sche Erwä­gun­gen ange­führt wer­den [9]. Zwar setzt die vom erken­nen­das Ober­lan­des­ge­richt ange­wen­de­te Metho­de vor­aus, dass die Anwen­der (Ver­si­che­run­gen, Rechts­an­wäl­te und Gerich­te) über bei­de Lis­ten ver­fü­gen. Das soll­te jedoch ohne­hin selbst­ver­ständ­lich sein. Zudem benö­ti­gen alle Betei­lig­ten auch dann bei­de Lis­ten, wenn ein Gericht im Regel­fall nur eine der bei­den Tabel­len bevor­zugt, um näm­lich die Ein­wen­dun­gen der Gegen­sei­te sowie die Aus­sa­ge­kraft even­tu­el­ler vor­ge­leg­ter Ver­gleichs­an­ge­bo­te prü­fen zu kön­nen. Die Berech­nung des arith­me­ti­schen Mit­tels ist ohne Zwei­fel für die Betei­lig­ten mit einem gewis­sen Mehr­auf­wand ver­bun­den, der aller­dings dem Sinn und Zweck des Geset­zes kei­nes­wegs ent­ge­gen­steht. § 287 ZPO will zwar all­ge­mein die Fest­stel­lung des Scha­dens­um­fangs erleich­tern. Die­sem Ziel wird aber gera­de dadurch ange­mes­sen ent­spro­chen, dass eine ein­heit­li­che Schätz­me­tho­de ange­wen­det wer­den kann und es dadurch dem Geschä­dig­ten erspart bleibt, den vol­len Beweis zu füh­ren.

Das Ober­lan­des­ge­richt sieht nach alle­dem im vor­lie­gen­den Fall kei­ne Ver­an­las­sung, von sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung abzu­wei­chen. Es bleibt mit­hin dabei, dass die nach einem Ver­kehrs­un­fall als Nor­mal­ta­rif zu erstat­ten­den Miet­wa­gen­kos­ten im Regel­fall nach dem arith­me­ti­schen Mit­tel aus Schwa­cke-Lis­te und Fraun­ho­fer-Tabel­le zu schät­zen sind.

Sowohl dem Miet­wa­gen­un­ter­neh­men als auch dem in Anspruch genom­me­nen Ver­si­che­rer bleibt es unbe­nom­men, bezo­gen auf den kon­kre­ten Ein­zel­fall durch Vor­la­ge im Hin­blick auf Zeit­raum und Anmiet­si­tua­ti­on etc. ver­gleich­ba­re Ange­bo­te dar­zu­tun und ggf. nach­zu­wei­sen, dass dem Geschä­dig­ten ein ver­gleich­ba­res Fahr­zeug zu schlech­te­ren oder bes­se­ren Kon­di­tio­nen zur Ver­fü­gung gestan­den hät­te oder die gene­rel­le Vor­zugs­wür­dig­keit einer der bei­den Erhe­bungs­me­tho­den dar­zu­tun.

Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers hat über die vor­ste­hend dis­ku­tier­ten Punk­te hin­aus jedoch kei­ne neu­en Argu­men­te vor­ge­bracht, die es all­ge­mein recht­fer­ti­gen, von der bis­he­ri­gen Schätz­me­tho­de des Ober­lan­des­ge­richts abzu­wei­chen und den durch­schnitt­li­chen Nor­mal­preis im Regel­fall aus­schließ­lich anhand des Fraun­ho­fer-Markt­preis­spie­gels zu bemes­sen.

Soweit die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers sich gegen die Berech­nung der Kos­ten für eine Haf­tungs­re­du­zie­rung von unter 500 € wen­det, hat sie kei­nen Erfolg. Der von der Geschä­dig­ten und dem Land­ge­richt beschrit­te­ne Weg der Berück­sich­ti­gung der Haf­tungs­re­du­zie­rung ent­spricht zwar in der Tat nicht den Grund­sät­zen der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­rich­tes vom 29.02.2012 [10].

Das Ober­lan­des­ge­richt hält jedoch an sei­ner sei­ner­zeit ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, man­gels kon­kre­ter Anhalts­punk­te für die Ange­mes­sen­heit der hier­für in Ansatz zu brin­gen­den Kos­ten sei­en 50 % der den jewei­li­gen Geschä­dig­ten tat­säch­lich in Rech­nung gestell­ten Beträ­ge anzu­set­zen, nicht fest. Grund­sätz­lich erhält ein Geschä­dig­ter hin­sicht­lich in Anspruch genom­me­ner Zusatz­leis­tun­gen die kon­kret berech­ne­ten Kos­ten erstat­tet.

Es ist weder erkenn­bar noch von der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers gel­tend gemacht, dass die in den streit­ge­gen­ständ­li­chen Fäl­len von der Geschä­dig­ten für eine wei­ter­ge­hen­de Haf­tungs­re­du­zie­rung gel­tend gemach­ten Tages­pau­scha­len von 16 € über­höht wären. Eben­so wie bei wei­te­ren Zusatz­kos­ten für einen zwei­ten Fah­rer, Win­ter­rei­fen etc., die in vol­ler Höhe berück­sich­ti­gungs­fä­hig sind, hält das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le auch die Zusatz­kos­ten für eine wei­te­re Redu­zie­rung der Haf­tungs­be­gren­zung in vol­ler ange­mes­se­ner Höhe für erstat­tungs­fä­hig [11].

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 15. März 2016 – 14 U 127/​15

  1. vgl. hier­zu grund­le­gend OLG Cel­le, NJW-RR 2012, 802 ff.[]
  2. vgl. nur BGH, MDR 2011, 722 17[][][]
  3. OLG Cel­le, NJW-RR 2012, 802 ff.[][]
  4. vgl. BGH, NJW 2013, 1539 ff. 12[]
  5. OLG Düs­sel­dorf, MDR 2015, 454 ff.[]
  6. OLG Düs­sel­dorf, DAR 2015, 311 ff. 51[]
  7. OLG Karls­ru­he, BB 2011, 2114 39 ff.[]
  8. BGH, NJW 1964, 589[]
  9. so OLG Düs­sel­dorf a. a. O. 52[]
  10. OLG Cel­le, Urteil vom 29.02.2012, NJW-RR 2012, 802 ff.[]
  11. vgl. u. a. LG Braun­schweig, Urteil vom 30.12 2015 – 7 S 328/​14 137; LG Stutt­gart, Urteil vom 07.08.2015 – 24 O 421/​14 42; KG, Urteil vom 08.05.2014 – 22 U 119/​13[]