Ver­län­ger­te Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge

Eine Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge wird durch die Been­di­gung der Zwangs­voll­stre­ckung unzu­läs­sig.

Ver­län­ger­te Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge

Die Kla­ge aus § 767 ZPO ist eine aus­schließ­lich pro­zess­recht­li­che, auf Rechts­ge­stal­tung gerich­te­te Kla­ge. Das statt­ge­ben­de Urteil nimmt dem Titel die Voll­streck­bar­keit und macht die Zwangs­voll­stre­ckung unmög­lich. Erlangt der Titel­gläu­bi­ger – wie im Streit­fall – durch die betrie­be­ne Zwangs­voll­stre­ckung voll­stän­di­ge Befrie­di­gung, sind der Titel ver­braucht und die Kla­ge gegen die hier­aus betrie­be­ne Zwangs­voll­stre­ckung gegen­stands­los. Für sie ent­fällt das Rechts­schutz­be­dürf­nis 1.

Ist die Zwangs­voll­stre­ckung been­det, kann der Titel­schuld­ner – unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 767 ZPO im Übri­gen – wegen eines vom Gläu­bi­ger zu Unrecht erlang­ten Betrags Rück­zah­lung im Wege der mate­ri­ell-recht­li­chen Berei­che­rungs­kla­ge ver­lan­gen 2. Der in einem sol­chen Fall rein pro­zess­recht­lich beding­te Über­gang von der Kla­ge nach § 767 ZPO auf eine Berei­che­rungs­kla­ge ist kei­ne an die Vor­aus­set­zun­gen der §§ 263, 533 ZPO gebun­de­ne Kla­ge­än­de­rung, son­dern nach § 264 Nr. 3 ZPO statt­haft 3. Für eine Fest­stel­lungs­kla­ge, die sich – wie hier – auf die Fest­stel­lung der Unzu­läs­sig­keit einer bereits durch­ge­führ­ten Zwangs­voll­stre­ckung rich­tet, fehlt es an dem nach § 256 Abs. 1 ZPO erfor­der­li­chen Fest­stel­lungs­in­ter­es­se.

Der Zuläs­sig­keit der Fest­stel­lungs­kla­ge steht des Wei­te­ren ent­ge­gen, dass sie nicht auf die Fest­stel­lung eines Rechts­ver­hält­nis­ses gerich­tet ist. Hier­zu kön­nen zwar auch ein­zel­ne Rech­te und Pflich­ten gehö­ren, die sich aus einem Rechts­ver­hält­nis erge­ben. Daher ist es zuläs­sig, wenn der Arbeit­ge­ber nach Been­di­gung der Zwangs­voll­stre­ckung fest­stel­len las­sen will, dass ein bestimm­ter Teil der mate­ri­ell-recht­li­chen Schuld nicht bestand. Dage­gen kön­nen blo­ße Ele­men­te oder Vor­fra­gen eines Rechts­ver­hält­nis­ses, rei­ne Tat­sa­chen oder etwa die Wirk­sam­keit von Wil­lens­er­klä­run­gen oder die Rechts­wid­rig­keit eines Ver­hal­tens nicht Gegen­stand einer Fest­stel­lungs­kla­ge – auch nicht einer Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge – sein 4. Danach ist der Antrag der Arbeit­ge­be­rin fest­zu­stel­len, dass die Zwangs­voll­stre­ckung des Arbeit­neh­mers unzu­läs­sig war, auch als Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge unzu­läs­sig. Er zielt nicht auf das Bestehen oder Nicht­be­stehen eines Rechts­ver­hält­nis­ses oder auf ein­zel­ne Bezie­hun­gen oder Fol­gen aus einem Rechts­ver­hält­nis, son­dern aus­schließ­lich auf die Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit eines Ver­hal­tens des Arbeit­neh­mers, näm­lich die Zwangs­voll­stre­ckung betrie­ben zu haben. Das kann jedoch nicht Gegen­stand einer Fest­stel­lungs- oder Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge sein 5.

Dage­gen ist ein Leis­tungs­an­trag des Schuld­ners, mit dem er im Wege der ver­län­ger­ten Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge die Rück­zah­lung des zwi­schen­zeit­lich bei ihm Voll­streck­ten errei­chen will, zuläs­sig. Bei einer unzu­läs­si­gen ZWangs­voll­stre­ckung hat er gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB Anspruch auf Rück­zah­lung des vom Arbeit­neh­mer im Wege der Zwangs­voll­stre­ckung ein­ge­zo­ge­nen Betrags nebst Zin­sen.

Der Gläu­bi­ger hat den (hier:) mit­tels des Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses ein­ge­zo­ge­nen Betrag iSd. § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB ohne Rechts­grund erlangt, wenn die vor Been­di­gung der Zwangs­voll­stre­ckung erho­be­ne Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge begrün­det gewe­sen wäre 6.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. Okto­ber 2018 – 5 AZR 538/​17

  1. BAG 31.01.1979 – 5 AZR 749/​77, zu I 2 der Grün­de, BAGE 31, 288; BGH 6.03.1987 – V ZR 19/​86, zu II 1 der Grün­de, BGHZ 100, 211[]
  2. BGH 6.03.1987 – V ZR 19/​86, zu II 1 der Grün­de, BGHZ 100, 211; 20.03.2008 – IX ZR 2/​07, Rn. 11 mwN[]
  3. vgl. BAG 31.01.1979 – 5 AZR 749/​77, zu I 2 der Grün­de, BAGE 31, 288; BGH 12.07.2002 – V ZR 195/​01, zu II 1 der Grün­de[]
  4. BGH 20.04.2018 – V ZR 106/​17, Rn. 13 mwN[]
  5. BGH 20.04.2018 – V ZR 106/​17, Rn. 14 mwN[]
  6. vgl. BGH 7.07.2005 – VII ZR 351/​03, zu II 2 a der Grün­de, BGHZ 163, 339[]