Ver­län­ge­rung der Begrün­dungs­frist und recht­li­ches Gehör für den Pro­zess­geg­ner

Hat der Beschwer­de­füh­rer dar­um gebe­ten, noch zusätz­lich Gele­gen­heit zur Begrün­dung der ein­ge­leg­ten Beschwer­de zu erhal­ten und will das Bun­des­pa­tent­ge­richt die­ser Bit­te nach den Umstän­den auch ent­spre­chen, darf der Beschwer­de­geg­ner grund­sätz­lich davon aus­ge­hen, dass ihm die zu erwar­ten­de Beschwer­de­be­grün­dung zur Kennt­nis gege­ben wird und ihm sei­ner­seits eine ange­mes­se­ne Frist zur Erwi­de­rung zur Ver­fü­gung steht 1.

Ver­län­ge­rung der Begrün­dungs­frist und recht­li­ches Gehör für den Pro­zess­geg­ner

Die Bestim­mung des Art. 103 Abs. 1 GG garan­tiert den Betei­lig­ten eines gericht­li­chen Ver­fah­rens, dass sie Gele­gen­heit erhal­ten, sich zu dem einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt vor Erlass der Ent­schei­dung zu äußern 2. Das Bun­des­pa­tent­ge­richt ist grund­sätz­lich nicht gehal­ten, den Betei­lig­ten im schrift­li­chen Beschwer­de­ver­fah­ren Äuße­rungs­fris­ten zu set­zen oder einen beab­sich­tig­ten Ter­min zur Beschluss­fas­sung mit­zu­tei­len. Das Gebot zur Wah­rung des recht­li­chen Gehörs gebie­tet ledig­lich, dass für die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten die Mög­lich­keit besteht, sich im Sin­ne von § 78 Abs. 2 Mar­kenG zu dem Vor­brin­gen der Gegen­sei­te zu äußern. Hier­für ist es im Lich­te des ver­fas­sungs­recht­li­chen Gebots des Art. 103 Abs. 1 GG aus­rei­chend, aber auch erfor­der­lich, dass den Betei­lig­ten eine ange­mes­se­ne Frist zur Ver­fü­gung steht, um zur Sache vor­tra­gen zu kön­nen 3. Das Bun­des­pa­tent­ge­richt ist aller­dings dar­an gehin­dert, sei­ne Ent­schei­dung allein auf­grund des Zeit­ab­laufs seit der Beschwer­de­ein­le­gung zu tref­fen, wenn der Beschwer­de­füh­rer dar­um gebe­ten hat, Gele­gen­heit zur Beschwer­de­be­grün­dung zu erhal­ten und das Bun­des­pa­tent­ge­richt nach den Umstän­den die­ser Bit­te auch ent­spre­chen will 4.

Dar­aus ergibt sich zugleich, dass in einem sol­chen Fall der Beschwer­de­geg­ner grund­sätz­lich davon aus­ge­hen darf, dass ihm die zu erwar­ten­de Beschwer­de­be­grün­dung zur Kennt­nis gege­ben wird und ihm sei­ner­seits eine ange­mes­se­ne Frist zur Erwi­de­rung zusteht. Dies folgt aus dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Anspruch der Betei­lig­ten auf ein fai­res, rechts­staat­li­ches Ver­fah­ren. Danach darf der Rich­ter sich nicht wider­sprüch­lich ver­hal­ten; er darf aus eige­nen oder ihm zure­chen­ba­ren Feh­lern kei­ne Ver­fah­rens­nach­tei­le ablei­ten und ist all­ge­mein zur Rück­sicht­nah­me gegen­über den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten in ihrer kon­kre­ten Situa­ti­on ver­pflich­tet 5. Zu beach­ten ist auch der Grund­satz der Waf­fen­gleich­heit. Aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz, der auch für die Hand­ha­bung des Ver­fah­rens­rechts gilt, ergibt sich die Gleich­wer­tig­keit der pro­zes­sua­len Stel­lung der Par­tei­en vor dem Rich­ter und das Gebot der Gleich­heit der Rechts­an­wen­dung im Inter­es­se mate­ri­el­ler Gerech­tig­keit 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. April 2013 – I ZB 91/​11 – Metro­Li­ni­en

  1. Fort­füh­rung von BGH, GRUR-RR 2008, 457, 458 – Tra­ma­dol[]
  2. BGH, Beschluss vom 26.06.2010 – I ZB 40/​09, GRUR 2010, 1034 Rn. 11 = WRP 2010, 1034 – LIMES LOGISTIK[]
  3. BGH, Beschluss vom 12.12.1996 – I ZB 8/​96, GRUR 1997, 223 f. = WRP 1997, 560 – Ceco; vgl. zur Par­al­lel­vor­schrift § 100 Abs. 3 Nr. 3 PatG BGH, Beschluss vom 01.02.2000 – X ZB 27/​98, GRUR 2000, 597, 598 = WRP 2000, 642 – Kup­fer­Ni­ckel­Le­gie­rung; Beschluss vom 22.04.2008 X ZB 13/​07, GRURRR 2008, 457, 458 = WRP 2008, 957 – Tra­ma­dol[]
  4. vgl. BGH, GRURRR 2008, 457, 458 – Tra­ma­dol[]
  5. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 30.01.2008 2 BvR 2300/​07, NJW 2008, 2243 Rn. 16[]
  6. BVerfGE 69, 248, 254[]