Verletzung beim Basketballspiel

Die Eigenart des Basketballspiels ist auch als „Kampfspiel“ zu charakterisieren. Ein Basketballspieler kann einen ihm entstehenden Schaden nicht auf einen anderen, etwa einen Gegenspieler, abwälzen. Jeder Spieler ist potenzieller Verletzer als auch Verletzter. Diese Grundsätze greifen auch noch bei gewissen Regelverstößen.

Verletzung beim Basketballspiel

Mit dieser Begründung hat das Amtsgericht München in dem hier vorliegenden Fall die Klage auf Zahlung von 3.954,04 € an Schmerzensgeld und Schadensersatz sowie auf Ersatz erst künftig eintretender weiterer Schäden abgewiesen. Geklagt hatte ein zum Spielzeitpunkt noch 17-jähriger Münchener Schüler gegen seinen Münchener Basketballtrainer. Am 17.7.2018 gegen 19:40 Uhr nahm der Kläger mit dem volljährigen Beklagten als Trainer in einer Truderinger Sporthalle am Basketballtraining der U18 Jugendmannschaft teil. Nach dem Konditions- und Krafttraining spielten die Mannschaftsmitglieder im Fünf gegen Fünf Spiel gegeneinander. Der Beklagte hatte sich als Trainer gegen Ende des Spiels selbst eingewechselt und mitgespielt. Unstreitig zwischen den Parteien ist, dass es zu einem Zusammenstoß kam, bei dem sich der Kläger an beiden Schneidezähnen verletzte.

Nach den Angaben des Klägers habe eine Rebound-Situation vorgelegen, bei dem der offen umkämpfte Ball etwa auf Höhe der Mittellinie in der Luft gewesen sei. Der Beklagte sei hochgesprungen, um den Ball mit beiden Händen zu fangen, und habe eine seitliche Schwungbewegung gemacht. Dabei habe er seine Arme gespreizt, statt diese wie üblich nahe am Körper zu behalten. Der Beklagte habe den seitlich zu ihm stehenden Kläger, der keine Anstalten gemacht habe, den Ball zu erlangen, mit dem rechten Ellbogen an der Lippe getroffen. Er habe drei Monate nicht abbeißen können und sei auf verflüssigte Nahrung angewiesen gewesen. Durch sein grob regelwidriges Handeln habe der Beklagte die Verletzung des Klägers willentlich in Kauf genommen. Er hätte als einziger, körperlich überlegener Erwachsener defensiver spielen müssen.

Dagegen ist der Beklagte der Meinung, er sei – nach längerem Dribbeln des Balles – auf Höhe der Freiwurflinie in die Luft gesprungen, um einen Korb zu werfen. Anstatt zu werfen habe er den Ball jedoch zu einem anderen Mitspieler gepasst, der sich zum Korb bewegte. Es sei ein natürlicher Vorgang, dass seine Arme bei einem Pass ausgestreckt seien.

In seiner Urteilsbegründung hat das Amtsgericht München ausgeführt, dass der Kläger selbst bei der Zugrundelegung seiner Sachverhaltsdarstellung keinen Schadensersatzanspruch gegen den Beklagten hat. Weiter wurde erklärt, dass durch die Teilnahme an Sportarten, bei denen Körpereinsatz gegen den Mitspieler in gewissen Grenzen zur Eigenart des Sports gehört, sich der Teilnehmer der spieltypischen Verletzungsgefahr bewusst aussetzt. So kann er einen ihm dann entstehenden Schaden nicht auf einen anderen, etwa einen Gegenspieler, abwälzen. Denn jeder Spieler ist beim „Kampf um den Ball“ potenzieller Verletzer als auch Verletzter. Nach Meinung des Amtsgerichts München greifen diese Grundsätze auch noch bei gewissen Regelverstößen.

Außerdem ist nicht zu verkennen, dass die Eigenart des Basketballspiels auch als „Kampfspiel“ zu charakterisieren ist, bei dem es beim Kampf um den Ball zu unbeabsichtigten körperlichen Berührungen kommen kann. Wenn man den Sachverhaltsvortrag des Klägers als zutreffend unterstellt, so liegt nach Auffassung des Amtsgerichts München allenfalls ein geringfügiger Regelverstoß des Beklagten vor. Aber ein grobes Foul ist hier nicht zu erkennen. Der Sprung zum Ball bei einer Rebound-Situation geht üblicherweise mit der Sicherung des Balles einher. Selbst wenn der Beklagte hier regelwidrig seinen Ellbogen zur Sicherung des Balles zur Seite geschwungen hätte, kann im Hinblick auf den Sachvortrag des Klägers nicht von einem unsportlichen Verhalten des Beklagten ausgegangen werden.

Nach Meinung des Amtsgerichts München ist die Verletzung des Klägers zwar als besonders unglücklich erfolgt, aber sie stellt sich als die Verwirklichung eines Risikos dar, dass der sportliche Wettkampf eines Basketballspiels mit sich bringt. Außerdem muss es einem ehrenamtlichen Sporttrainer möglich sein, auch selbst in Trainingsspielsituationen mit seiner Mannschaft mitzuspielen. Zwar könnte eine übertriebene Härte im Spiel mit Heranwachsenden, die das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, als sorgfaltswidriges Verhalten gewertet werden, jedoch war dies hier nicht zu erkennen.

Amtsgericht München, Urteil vom 28. Juli 2020 – 161 C 20762/19

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