2. Ver­säum­nis­ur­teil – und der not­wen­di­ge Inhalt der Beru­fungs­be­grün­dung

Der Sach­ver­halt, der die Zuläs­sig­keit des Rechts­mit­tels recht­fer­ti­gen soll, muss voll­stän­dig in der Rechts­mit­tel­be­grün­dung vor­ge­tra­gen wer­den, wobei die Schlüs­sig­keit des Sach­vor­trags zum man­geln­den Ver­schul­den bereits Vor­aus­set­zung für die Zuläs­sig­keit des Rechts­mit­tels ist [1].

2. Ver­säum­nis­ur­teil – und der not­wen­di­ge Inhalt der Beru­fungs­be­grün­dung

Nach § 514 Abs. 2 Satz 1 ZPO unter­liegt ein Ver­säum­nis­ur­teil, gegen das wie hier gemäß § 345 ZPO der Ein­spruch an sich nicht statt­haft ist, der Beru­fung inso­weit, als sie dar­auf gestützt wird, dass ein Fall der schuld­haf­ten Ver­säu­mung nicht vor­ge­le­gen habe.

Das trifft unter ande­rem zu, wenn der Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung, auf die das zwei­te Ver­säum­nis­ur­teil erging, von der betrof­fe­nen Par­tei unver­schul­det ver­säumt wur­de.

Die Fra­ge des Ver­schul­dens ist im Fal­le der Ver­säu­mung eines Ter­mins grund­sätz­lich nach den glei­chen Maß­stä­ben zu beur­tei­len wie bei der Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand [2].

Die Beweis­last für die Vor­aus­set­zun­gen einer unver­schul­de­ten Säum­nis liegt beim Beru­fungs­klä­ger [3].

Eine – der Par­tei nach § 85 Abs. 2 ZPO zure­chen­ba­re – schuld­haf­te Säum­nis im Sin­ne von § 514 Abs. 2 Satz 1 ZPO liegt auch dann vor, wenn der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te, der kurz­fris­tig und nicht vor­her­seh­bar an der Wahr­neh­mung des Ter­mins gehin­dert ist, nicht das ihm Mög­li­che und Zumut­ba­re unter­nimmt, um dem Gericht recht­zei­tig sei­ne Ver­hin­de­rung mit­zu­tei­len [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Febru­ar 2017 – IV ZB 8/​16

  1. BGH, Urteil vom 25.11.2008 – VI ZR 317/​07, NJW 2009, 687 Rn. 6 m.w.N.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 25.11.2008 aaO Rn. 11; vom 22.03.2007 – IX ZR 100/​06, NJW 2007, 2047 Rn. 6; jeweils m.w.N.[]
  3. BGH, Urteil vom 22.03.2007 aaO[]
  4. BGH, Urtei­le vom 25.11.2008 aaO Rn. 11; vom 22.03.2007 aaO Rn. 17; vom 03.11.2005 – I ZR 53/​05, NJW 2006, 448 Rn. 4; jeweils m.w.N.[]