Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung wegen der Ver­let­zung einer Aus­kunfts­pflicht

Im Rege­l­in­sol­venz­ver­fah­ren kann die Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung wegen der Ver­let­zung einer Aus­kunfts­pflicht unver­hält­nis­mä­ßig sein, wenn der Schuld­ner die gebo­te­ne Aus­kunft von sich aus nach­ge­holt hat, bevor der Sach­ver­halt auf­ge­deckt und ein hier­auf gestütz­ter Ver­sa­gungs­an­trag gestellt wor­den ist.

Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung wegen der Ver­let­zung einer Aus­kunfts­pflicht

Die Beur­tei­lung, der Schuld­ner habe grob fahr­läs­sig eine gesetz­li­che Aus­kunfts­pflicht ver­letzt und des­halb den Ver­sa­gungs­tat­be­stand des § 290 Abs. 1 Nr. 5 InsO erfüllt, indem er die Eigen­tums­woh­nung auf Mal­lor­ca in dem mit sei­nem Eröff­nungs­an­trag vor­ge­leg­ten Ver­mö­gens­ver­zeich­nis nicht angab, ist aller­dings recht­lich nicht zu bean­stan­den. Eine Beein­träch­ti­gung der Befrie­di­gungs­aus­sich­ten der Insol­venz­gläu­bi­ger setzt die­ser Ver­sa­gungs­tat­be­stand nicht vor­aus. Es genügt, dass die Ver­let­zung der Aus­kunfts­pflicht nach ihrer Art geeig­net ist, die Befrie­di­gung der Insol­venz­gläu­bi­ger zu gefähr­den 1. Dies war hier zwei­fels­frei der Fall.

Gleich­wohl ist zu prü­fen, ob die Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung unver­hält­nis­mä­ßig ist 2. Holt der Schuld­ner im Rege­l­in­sol­venz­ver­fah­ren von sich aus eine gebo­te­ne, aber zunächst von ihm unter­las­se­ne Aus­kunfts­er­tei­lung nach, bevor sein Ver­hal­ten auf­ge­deckt und ein Ver­sa­gungs­an­trag gestellt ist, beein­träch­tigt sei­ne Oblie­gen­heits­ver­let­zung letzt­lich die Gläu­bi­ger­inter­es­sen nicht. Die Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung ist dann in der Regel unver­hält­nis­mä­ßig 3.

Die Mög­lich­keit einer sol­chen "Hei­lung" ist nicht auf den Zeit­raum bis zur Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens beschränkt. Die­se Ein­schrän­kung gilt nur im Ver­brau­cher­insol­venz­ver­fah­ren, weil dort schon für das der Ver­fah­rens­er­öff­nung vor­an­ge­hen­de Schul­den­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren rich­ti­ge und voll­stän­di­ge Anga­ben des Schuld­ners erfor­der­lich sind 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2010 – IX ZB 63/​09

  1. BGH, Beschluss vom 08.01.2009 – IX ZB 73/​08, WM 2009, 515, Rn. 10[]
  2. vgl. dazu all­ge­mein BGH, Beschluss vom 08.01.2009, aaO Rn. 18[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 20.03.2003 – IX ZB 388/​02, WM 2003, 980, 982; vom 17.09.2009 – IX ZB 284/​08, ZIn­sO 2009, 1954; und vom 18.02.2010 – IX ZB 211/​09, WM 2010, 718 Rn. 6[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 17.03.2005 – IX ZB 260/​03, NZI 2005, 461; und vom 07.12.2006 – IX ZB 11/​06, ZIn­sO 2007, 96 Rn. 7; BayO­bLG NZI 2002, 392[]