Ver­sor­gungs­zu­sa­ge bei der LBBW

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich aktu­ell mit der Zusatz­ver­sor­gung der Lan­des­bank Baden-Würt­tem­berg (bzw. der in der Lan­des­bank auf­ge­gan­ge­nen Lan­des­gi­ro­kas­se) zu befas­sen – und deren Umstel­lung in ein punk­te­mo­dell­be­zo­ge­nes Betriebs­ren­ten­sys­tem zwar grund­sätz­lich, aber nicht in der tat­säch­lich erfolg­ten Umset­zung gebil­ligt.

Ver­sor­gungs­zu­sa­ge bei der LBBW

In dem vom Bun­des­ge­richts­hofs ent­schie­de­nen Fall wen­det sich der bei der beklag­ten Lan­des­bank Baden-Würt­tem­berg (LBBW) beschäf­tig­te Klä­ger gegen eine Mit­tei­lung über die Höhe sei­ner Anwart­schaft auf eine zusätz­li­che Alters­ver­sor­gung, wel­che die Beklag­te ihren Mit­ar­bei­tern gewährt. Er war bei der Lan­des­gi­ro­kas­se, einer öffent­lich-recht­li­chen Bank, ange­stellt, die in Form einer recht­lich unselb­stän­di­gen Ein­rich­tung eine Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se unter­hielt, deren Auf­ga­be es war, den Beschäf­tig­ten der Lan­des­gi­ro­kas­se eine zusätz­li­che Alters- und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu gewäh­ren. Die beklag­te Lan­des­bank Baden-Würt­tem­berg, eine Anstalt des öffent­li­chen Rechts, ent­stand zum 1. Janu­ar 1999 durch Ver­ei­ni­gung der Lan­des­gi­ro­kas­se mit zwei wei­te­ren öffent­lich-recht­li­chen Ban­ken. Die Ver­sor­gungs­zu­sa­gen für die frü­her bei der Lan­des­gi­ro­kas­se Beschäf­tig­ten wur­den von der Beklag­ten über­nom­men und zunächst besitz­stands­wah­rend auf Basis der Sat­zung der Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se der Lan­des­gi­ro­kas­se "und ande­rer ein­schlä­gi­ger Rechts­vor­schrif­ten" fort­ge­führt.

Die frü­he­ren Beschäf­tig­ten der Lan­des­gi­ro­kas­se, deren Arbeits­ver­hält­nis sich bis­her nach dem BAT und den die­sen ergän­zen­den Tarif­ver­trä­gen rich­te­te, hat­ten nach der Fusi­on die Wahl, ent­we­der wei­ter­hin nach Maß­ga­be des BAT beschäf­tigt zu blei­ben oder in den Gel­tungs­be­reich der Tarif­ver­trä­ge für das pri­va­te Bank­ge­wer­be und die öffent­li­chen Ban­ken zu wech­seln. Die Alters­ver­sor­gung die­ser Beschäf­tig­ten soll­te nach Maß­ga­be der Fusi­ons­ver­ein­ba­rung sowie einer "Ein­heit­li­chen Erklä­rung der Vor­stän­de" vom 27. Okto­ber 1998 erhal­ten blei­ben.

Nach­dem die Tarif­ver­trags­par­tei­en im öffent­li­chen Dienst – zu denen die beklag­te Lan­des­bank nicht gehört – die Alters­ver­sor­gung in den Tarif­ver­trä­gen vom 1. März 2002 auf eine neue Grund­la­ge gestellt hat­ten, setz­te die Beklag­te den dort ver­ein­bar­ten Wech­sel vom end­ge­halt­be­zo­ge­nen Gesamt­ver­sor­gungs­sys­tem in ein punk­te­mo­dell­be­zo­ge­nes Betriebs­ren­ten­sys­tem auch in der Sat­zung ihrer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se um. Ähn­lich den Über­lei­tungs­be­stim­mun­gen der Sat­zung der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der wur­den die zuvor erwor­be­nen Anwart­schaf­ten der Ver­si­cher­ten in Start­gut­schrif­ten umge­wan­delt. Der Klä­ger war dabei als ren­ten­fer­ner Ver­si­cher­ter zu behan­deln.

Der Klä­ger hält die Sys­tem­um­stel­lung ins­ge­samt für unzu­läs­sig. Er meint, die beklag­te Lan­des­bank habe ihm beim Wech­sel in den Bank­ta­rif eine Direkt­zu­sa­ge erteilt, wes­halb ihm unab­hän­gig von der ver­ein­bar­ten Sys­tem­um­stel­lung im Ver­si­che­rungs­fall eine Ren­te auf Basis der bis dahin gel­ten­den Fas­sung der Sat­zung zuste­he.

Sowohl das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Karls­ru­he 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he 2 haben die Kla­ge abge­wie­sen. Die Revi­si­on, mit der der Klä­ger sein Begeh­ren wei­ter ver­folgt hat­te, blieb ohne Erfolg.

Auf die Revi­si­on des Klä­gers ent­schied nun der Bun­des­ge­richts­hof, dass die anläss­lich der Über­füh­rung der Ver­sor­gungs­zu­sa­gen gege­be­ne Besitz­stands­zu­sa­ge hin­sicht­lich der Alters­ver­sor­gung – auch soweit Beschäf­tig­te in den Gel­tungs­be­reich der Tarif­ver­trä­ge für das Pri­va­te Bank­ge­wer­be und die öffent­li­chen Ban­ken gewech­selt sind – eine wirk­sa­me dyna­mi­sche Ver­wei­sung auf das Tarif­recht des öffent­li­chen Diens­tes ent­hält.

Die wei­te­re Rege­lung, nach der in jedem Jahr der Pflicht­ver­si­che­rung ledig­lich 2,25 % der Voll­ren­te erwor­ben wird, führt jedoch zu einer sach­wid­ri­gen, gegen Art. 3 Abs. 1 GG ver­sto­ßen­den Ungleich­be­hand­lung inner­halb der Grup­pe der ren­ten­fer­nen Ver­si­cher­ten und damit zur Unwirk­sam­keit der sie betref­fen­den Über­gangs- bzw. Besitz­stands­re­ge­lung sowie zur Unver­bind­lich­keit der auf ihrer Grund­la­ge erteil­ten Start­gut­schrif­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Mai 2011 – IV ZR 105/​09

  1. LG Karls­ru­he, Urteil vom 11.07.2008 – 6 O 215/​07[]
  2. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 21.04.2009 – 12 U 193/​08[]