Ver­trag zuguns­ten Drit­ter – und die Rechts­wahl

Eine kon­klu­den­te Rechts­wahl iSv. Art. 3 Abs. 1 Satz 2 Rom I‑VO kön­nen die Pro­zess­par­tei­en nur dann durch ihr Ver­hal­ten im Rechts­streit tref­fen, wenn sie auch die Par­tei­en des zu beur­tei­len­den Ver­trags­ver­hält­nis­ses sind.

Ver­trag zuguns­ten Drit­ter – und die Rechts­wahl

Auf nach dem 17.12 2009 geschlos­se­ne Ver­trä­ge fin­det zur Bestim­mung des anzu­wen­den­den Rechts die Ver­ord­nung (EG) Nr. 593/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 17.06.2008 1 (Rom I‑VO) Anwen­dung (Art. 28 Rom I‑VO). Die­se löst die Art. 27 ff. EGBGB aF ab.

Das man­gels Rechts­wahl anzu­wen­den­de Recht bestimmt sich nach Art. 4 Abs. 2 Rom I‑VO.

Der Ver­trag zuguns­ten Drit­ter betrifft weder einen der Anwen­dungs­fäl­le des Art. 4 Abs. 1 Rom I‑VO noch einen der Sach­ver­hal­te der Art. 5 bis Art. 8 Rom I‑VO. Des­halb unter­liegt der Ver­trag gemäß Art. 4 Abs. 2 Rom I‑VO dem Recht des Staats, in dem die Par­tei, wel­che die für den Ver­trag cha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung zu erbrin­gen hat, ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat.

Cha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung des hier strei­ti­gen Ver­trags zuguns­ten Drit­ter ist die Haf­tung für etwai­ge Ver­gü­tungs­an­sprü­che der Arbeit­neh­mer der K GmbH und damit die Zah­lung von Geld. Dies ist die den Ver­trag prä­gen­de Leis­tung, zu der sich die Beklag­te grund­sätz­lich ver­pflich­tet hat 2. Daher ist das Recht des Staats anzu­wen­den, in dem die Beklag­te ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat. Gemäß Art.19 Abs. 1 und Abs. 3 Rom I‑VO ist dies bei Gesell­schaf­ten der Ort ihrer Haupt­ver­wal­tung zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses, vor­lie­gend Zug in der Schweiz. Es ist somit Schwei­zer Recht anzu­wen­den, denn eine enge­re Ver­bin­dung zu einem ande­ren Staat iSd. Art. 4 Abs. 3 Rom I‑VO ist nicht erkenn­bar.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. März 2016 – 5 AZR 767/​14

  1. ABl. EU L 177 vom 04.07.2008 S. 6 ff.[]
  2. vgl. zur Bürg­schaft Münch­Komm-BGB/M­ar­ti­ny 6. Aufl. Rom I‑VO Art. 4 Rn. 224 bzw. zur Patro­nats­er­klä­rung ebd. Rn. 239[]