Ver­trags­än­de­rung mit nach­träg­li­cher Wider­rufs­be­leh­rung

Die in der spä­te­ren Pro­lon­ga­ti­ons­ver­ein­ba­rung zu einem Kre­dit­ver­trag ent­hal­te­ne Wider­rufs­be­leh­rung kommt als Nach­be­leh­rung zu dem ursprüng­li­chen Ver­trag von vorn­her­ein nur dann in Betracht, wenn sie einen für den Dar­le­hens­neh­mer erkenn­ba­ren Bezug zu dem frü­he­ren Ver­trag auf­weist, des­sen Beleh­rungs­man­gel geheilt wer­den soll.

Ver­trags­än­de­rung mit nach­träg­li­cher Wider­rufs­be­leh­rung

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in einem Fall, in dem 1998 ein Kre­dit­ver­trag in einer Haus­tür­si­tua­ti­on geschlos­sen wor­den war und dem­entspre­chend ein Wider­rufs­recht nach dem sei­ner­zei­ti­gen HWiG bestand, über dass aller­dings sei­tens der Bank nicht wirk­sam belehrt wor­den war.

Zwar war gemäß § 355 Abs. 2 Satz 2 BGB (in der seit dem 1. August 2002 gel­ten­den Fas­sung), Art. 229 § 9 Abs. 2 EGBGB eine nach­träg­li­che Wider­rufs­be­leh­rung auch in Bezug auf vor dem Inkraft­tre­ten des Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes 1 geschlos­se­ne Alt­ver­trä­ge mög­lich 2.

Von einer Nach­be­leh­rung kann aber von vorn­her­ein nur die Rede sein, wenn die nach­träg­lich abge­ge­be­ne Erklä­rung über­haupt einen für den Dar­le-hens­neh­mer erkenn­ba­ren Bezug zu der frü­he­ren Ver­trags­er­klä­rung auf­weist, deren Beleh­rungs­man­gel im Nach­hin­ein aus­ge­gli­chen wer­den soll. Das ergibt sich allein schon aus dem Begriff der "Nach­be­leh­rung", folgt aber auch aus dem Deut­lich­keits­ge­bot des § 355 Abs. 2 Satz 2 BGB, das nicht nur die äuße­re Ge-stal­tung, son­dern auch die inhalt­li­che Abfas­sung der Wider­rufs­be­leh­rung betrifft 3 und für die nach­träg­li­che Beleh­rung eben­so gilt wie für die recht­zei­ti­ge 4. Die der Ver­ein­ba­rung aus März/​April 2003 bei­gefüg­te Wider­rufs­be­leh­rung nimmt hin­ge­gen in kei­ner Wei­se Bezug auf den ursprüng­li­chen Dar­le­hens­ver­trag aus dem Jah­re 1998, so dass sie kei­ne nach­träg­li­che Beleh­rung im Sin­ne von § 355 Abs. 2 Satz 2 BGB dar­stellt. Eine sol­che Bezug­nah­me ergibt sich ins­be­son­de­re nicht dar­aus, dass es in der for­mu­lar­mä­ßi­gen Wider­rufs­be­leh­rung zum Kre­dit­ver­trag aus März/​April 2003 unter der Über­schrift "Wider­ruf bei bereits aus­ge­zahl­tem Dar­le­hen" unter ande­rem heißt, der Kre­dit­neh­mer kön­ne, wenn er "vor Ablauf der Wider­rufs­frist bereits eine Leis­tung von der Bank erhal­ten" habe, sein Wider­rufs­recht den­noch aus­üben. Dass mit die­ser For­mu­lar­er­klä­rung, die nach dem Gesamt­zu­sam­men­hang der "neu­en" Wider­rufs­be­leh­rung ersicht­lich an die dar­in bestimm­te zwei­wö­chi­ge Wider­rufs­frist anknüpft, eine fünf Jah­re zuvor auf­grund eines frü­he­ren Kre­dit­ver­tra­ges erfolg­te Aus­zah­lung des Dar­le­hens erfasst sein soll, erschließt sich nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Okto­ber 2010 – XI ZR 367/​07

  1. vom 26. Novem­ber 2001, BGBl. I 3138[]
  2. MünchKommBGB/​Haber­sack, 4. Aufl., Art. 229 § 9 EGBGB Rn. 5; Palandt/​Grüneberg, BGB, 69. Aufl., Art. 229 § 9 EGBGB Rn. 4; Ton­ner BKR 2002, 856, 857 f.; Mar­tens VuR 2008, 121, 122[]
  3. BGH, Urtei­le vom 04.07.2002 – I ZR 55/​00, WM 2002, 1989, 1991; und vom 23.06.2009 – XI ZR 156/​08, WM 2009, 1497 Rn. 24[]
  4. MünchKommBGB/​Masuch, 5. Aufl., § 355 Rn. 54; Palandt/​Grüneberg, BGB, 69. Aufl., § 355 Rn. 19[]