Ver­trags­stra­fe für Zuwi­der­hand­lun­gen wäh­rend der Schwe­be­zeit

Wird eine zunächst durch einen voll­macht­los han­deln­den Stell­ver­tre­ter des Gläu­bi­gers ange­nom­me­ne ver­trags­stra­fe­be­wehr­te Unter­las­sungs­er­klä­rung spä­ter durch den Gläu­bi­ger geneh­migt, führt die gemäß § 184 Abs. 1 BGB anzu­neh­men­de Rück­wir­kung der Geneh­mi­gung nicht dazu, dass eine Ver­trags­stra­fe für sol­che Ver­stö­ße gegen den Unter­las­sungs­ver­trag ver­wirkt ist, die wäh­rend der Zeit der schwe­ben­den Unwirk­sam­keit des Ver­tra­ges statt­ge­fun­den haben.

Ver­trags­stra­fe für Zuwi­der­hand­lun­gen wäh­rend der Schwe­be­zeit

Gemäß § 184 BGB wirkt die Geneh­mi­gung auf den Zeit­punkt der Vor­nah­me des Rechts­ge­schäfts zurück, soweit nichts ande­res bestimmt ist. Ent­ge­gen der Annah­me des Beru­fungs­ge­richts führt die Rück­wir­kung der Geneh­mi­gung jedoch nicht dazu, dass der ande­re Teil wäh­rend der Schwe­be­zeit aus dem Ver­tre­ter­ge­schäft ver­pflich­tet wird. Wäh­rend der Schwe­be­zeit ent­ste­hen kei­ne Rechts­fol­gen, die an das tat­säch­li­che Bestehen einer Leis­tungs­pflicht anknüp­fen [1]. Der Geschäfts­geg­ner gerät daher wäh­rend der Zeit schwe­ben­der Unwirk­sam­keit des Ver­trags mit sei­ner Leis­tungs­pflicht nicht in Ver­zug. Besteht sei­ne Ver­pflich­tung in einem Unter­las­sen, ver­wirkt er die Ver­trags­stra­fe nicht nach § 339 Satz 2 BGB durch eine Zuwi­der­hand­lung wäh­rend des Schwe­be­zu­stands der straf­be­wehr­ten Unter­las­sungs­ver­ein­ba­rung.

Lie­gen die Ver­stö­ße gegen den Unter­las­sungs­ver­trag inner­halb der Zeit schwe­ben­der Unwirk­sam­keit des Ver­trags, kann auf die­se Zuwi­der­hand­lun­gen bei Annah­me eines zunächst voll­macht­los abge­schlos­se­nen Ver­trags eine Ver­ur­tei­lung zu Ver­trags­stra­fe­zah­lun­gen nicht gestützt wer­den.

Der zur Unter­las­sung Ver­pflich­te­te ist auch nicht gemäß § 242 BGB unter dem Gesichts­punkt des wider­sprüch­li­chen Ver­hal­tens gehin­dert, sich erst im lau­fen­den Pro­zess auf die feh­len­de Ver­tre­tungs­macht der Rechts­an­wäl­te der Unter­las­sungs­gläu­bi­ge­rin bei Annah­me der Unter­las­sungs- und Ver­pflich­tungs­er­klä­rung zu beru­fen.

Wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten ver­stößt nicht ohne wei­te­res gegen die Grund­sät­ze von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB). Es bleibt einer Par­tei grund­sätz­lich unbe­nom­men, von einem Rechts­stand­punkt nach Ein­lei­tung eines Rechts­streits abzu­rü­cken. Rechts­miss­bräuch­lich ist wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten nach stän­di­ger Recht­spre­chung viel­mehr erst dann, wenn dadurch für den ande­ren Teil ein Ver­trau­ens­tat­be­stand geschaf­fen wor­den ist oder wenn ande­re beson­de­re Umstän­de die Rechts­aus­übung als treu­wid­rig erschei­nen las­sen [2]. Hier­für fehlt es im Streit­fall an hin­rei­chen­den Anhalts­punk­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Novem­ber 2014 – I ZR 97/​13

  1. vgl. BGH, Urteil vom 08.10.1975 – VIII ZR 115/​74, BGHZ 65, 123, 126; MünchKomm-.BGB/Schramm, 6. Aufl., § 177 Rn. 46; Bub in BeckOK/​BGB, Stand: 1.05.2014, § 184 Rn. 9; Gehrlein/​Weinland in juris­PK-BGB, 7. Aufl., § 177 Rn. 5[]
  2. BGH, Urteil vom 17.02.2005 – III ZR 172/​04, BGHZ 162, 175, 181 mwN[]