Ver­trau­en in die Zuver­läs­sig­keit der Post

Der Rechts­mit­tel­füh­rer darf grund­sätz­lich dar­auf ver­trau­en, dass im Bun­des­ge­biet werk­tags auf­ge­ge­be­ne Post­sen­dun­gen am fol­gen­den Werk­tag aus­ge­lie­fert wer­den. Ohne kon­kre­te Anhalts­punk­te muss ein Rechts­mit­tel­füh­rer des­halb nicht mit Post­lauf­zei­ten rech­nen, die die ernst­haf­te Gefahr der Frist­ver­säu­mung begrün­den 1. Wur­de der Schrift­satz vom 15. Dezem­ber 2009 vor der Post­lee­rung in den Brief­kas­ten ein­ge­wor­fen, durf­te die Beklag­te auf einen frist­ge­mä­ßen Ein­gang bei dem Ober­lan­des­ge­richt am 16. Dezem­ber 2009 ver­trau­en.

Ver­trau­en in die Zuver­läs­sig­keit der Post

Erkenn­bar unkla­re und ergän­zungs­be­dürf­ti­ge Anga­ben eines Wie­der­ein­set­zungs­ge­suchs zum Zeit­punkt des Post­ein­wurfs und der Brief­kas­ten­lee­rung dür­fen noch nach Frist­ab­lauf erläu­tert und ver­voll­stän­digt wer­den.

Die Par­tei muss im Rah­men ihres Antrags auf Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Frist gemäß § 236 Abs. 2 ZPO die die Wie­der­ein­set­zung begrün­den­den Tat­sa­chen vor­tra­gen und glaub­haft machen. Hier­zu gehört eine aus sich her­aus ver­ständ­li­che, geschlos­se­ne Schil­de­rung der tat­säch­li­chen Abläu­fe, aus denen sich ergibt, auf wel­chen kon­kre­ten Umstän­den die Frist­ver­säum­nis beruht. Alle Tat­sa­chen, die für die Wie­der­ein­set­zung von Bedeu­tung sein kön­nen, müs­sen grund­sätz­lich inner­halb der Antrags­frist vor­ge­tra­gen wer­den (§ 234 Abs. 1, § 236 Abs. 2 Satz 1 ZPO). Erkenn­bar unkla­re oder ergän­zungs­be­dürf­ti­ge Anga­ben, deren Auf­klä­rung nach § 139 ZPO gebo­ten ist, dür­fen jedoch nach Frist­ab­lauf erläu­tert oder ver­voll­stän­digt wer­den 2.

Erkenn­bar unkla­re oder ergän­zungs­be­dürf­ti­ge Anga­ben, deren Auf­klä­rung nach § 139 ZPO gebo­ten war, kön­nen nach Ablauf der Antrags­frist mit der Rechts­be­schwer­de ergänzt wer­den 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Okto­ber 2010 – IX ZB 73/​10

  1. BGH, Beschl. v. 20. Mai 2009 – IV ZB 2/​08, NJW 2009, 2379 Rn. 8 m.w.N.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 07.03.2002 – IX ZR 235/​01, NJW 2002, 2107, 2108 m.w.N.; vom 13.06.2007 – XII ZB 232/​06, NJW 2007, 3212; vom 09.02.2010 – XI ZB 34/​09, Fam­RZ 2010, 636 Rn. 9[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 06.05.1999 – VII ZB 6/​99, NJW 1999, 2284 m.w.N.; und vom 18.07.2007, aaO, S. 2779 Rn. 14[]