Ver­ur­tei­lung Zug-um-Zug

§ 308 Abs. 1 ZPO ist nicht ver­letzt, wenn das Gericht der Kla­ge ent­ge­gen dem Antrag des Klä­gers nur Zug um Zug gegen eine Gegen­leis­tung statt­gibt, die der Klä­ger nicht (oder jeden­falls nicht in die­ser Höhe) zu leis­ten bereit ist.

Ver­ur­tei­lung Zug-um-Zug

Eine Zugum-Zug-Ver­ur­tei­lung ist gegen­über der unbe­schränk­ten Ver­ur­tei­lung ein Weni­ger und nicht etwas Ande­res [1].

Dass der Klä­ger mit sei­nem Kla­ge­an­trag – auch wenn er ihn mit der Erklä­rung ver­bin­det, nur „Alles oder Nichts“ zu wol­len – nicht über die Begründ­etheit der Ein­re­den des Beklag­ten und über deren Beur­tei­lung durch das Gericht dis­po­nie­ren kann, ist durch das BGH-Urteil vom 02.02.1951 [2] höchst­rich­ter­lich geklärt. Die­se Rechts­fra­ge ist auch von den Instanz­ge­rich­ten stets so beant­wor­tet wor­den [3]. Stim­men im Schrift­tum, die eine ande­re Auf­fas­sung ver­tre­ten, zei­gen kei­ne neu­en recht­li­chen Gesichts­punk­te auf, die Anlass für eine Ände­rung die­ser Recht­spre­chung sein könn­ten.

Im Übri­gen ist der Klä­ger nicht des­halb beschwert, weil sei­ne Kla­ge nicht abge­wie­sen, son­dern ihr (wenn auch nur teil­wei­se, näm­lich Zug um Zug gegen eine an die Beklag­te zu leis­ten­de Zah­lung) statt­ge­ge­ben wor­den ist. Denn mit der Zug-um-Zug-Ver­ur­tei­lung der Beklag­ten wird das Bestehen der Gegen­for­de­rung nicht rechts­kräf­tig fest­ge­stellt [4]. Die Beklag­te, die kei­ne Wider­kla­ge erho­ben hat, muss ihren bestrit­te­nen Gegen­an­spruch ggf. kla­ge­wei­se ver­fol­gen. In einem Rechts­streit über eine von der Beklag­ten erho­be­ne Zah­lungs­kla­ge gegen den Klä­ger wäre die Rechts­fra­ge, ob und in wel­cher Höhe der Anspruch besteht, erneut – ohne Bin­dung des Gerichts an die in die­sem Rechts­streit hier­zu getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen und zugrun­de geleg­ten Rechts­an­sich­ten – zu ent­schei­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Febru­ar 2015 – V ZR 111/​14

  1. BGH, Urteil vom 19.12 1991 – IX ZR 96/​91, BGHZ 117, 1, 3 m.w.N. zur st. Rspr. des BGH[]
  2. BGH, Urteil vom 02.02.1951 – V ZR 15/​50, NJW 1951, 517, 518[]
  3. OLG Kiel, JW 1933, 1537; OLG Ham­burg, MDR 1957, 169[]
  4. BGH, Urteil vom 19.12 1991 – IX ZR 96/​91, BGHZ 117, 1, 4[]