Ver­ur­tei­lung zur Abga­be einer Ein­tra­gungs­be­wil­li­gung – und ihre Voll­streck­bar­keit

Die Ver­ur­tei­lung zur Abga­be einer Bewil­li­gung ist nicht nur dann zuläs­sig, wenn das Urteil nach § 894 ZPO voll­streckt wer­den kann, son­dern auch, wenn eine Voll­stre­ckung nach § 888 ZPO in Betracht kommt.

Ver­ur­tei­lung zur Abga­be einer Ein­tra­gungs­be­wil­li­gung – und ihre Voll­streck­bar­keit

§ 894 ZPO schließt eine Ver­ur­tei­lung, die (nur) nach § 888 ZPO voll­streckt wer­den kann, nicht aus. Die Vor­schrift erleich­tert die Voll­stre­ckung für den Fall, dass ein Grund­buch­voll­zug ohne Wei­te­res mög­lich ist. Ihr lässt sich indes­sen nicht ent­neh­men, dass die Ver­ur­tei­lung zur Abga­be einer Bewil­li­gung nur dann zuläs­sig wäre. Das Gegen­teil folgt schon dar­aus, dass die Erleich­te­rung in § 894 ZPO nur für die Ver­ur­tei­lung zur Abga­be einer Bewil­li­gung in einem gericht­li­chen Urteil oder Beschluss, nicht aber für die voll­streck­ba­re Ver­pflich­tung zur Abga­be einer Bewil­li­gung in ande­ren Voll­stre­ckungs­ti­teln, z.B. einem Ver­gleich, vor­ge­se­hen ist 1. Sol­che Titel kön­nen ohne zusätz­li­che Leis­tungs­kla­ge nach § 894 ZPO 2 nur nach § 888 ZPO voll­streckt wer­den.

Die Ver­ur­tei­lung zur Bewil­li­gung einer Grund­dienst­bar­keit ist nach § 888 ZPO voll­streck­bar, wenn sich dem Urteils­aus­spruch – gege­be­nen­falls unter Zuhil­fe­nah­me des Tat­be­stan­des und der Ent­schei­dungs­grün­de des zu voll­stre­cken­den Urteils – ent­neh­men lässt, wel­che Erklä­rung der Schuld­ner abge­ben soll 3.

Einer Kla­ge auf Abga­be eine Bewil­li­gung fehlt aller­dings regel­mä­ßig das Rechts­schutz­in­ter­es­se, wenn das ange­streb­te Urteil – wie hier – nicht nach § 894 ZPO voll­streckt wer­den könn­te 4. Nor­ma­ler­wei­se könn­te das Urteil dann näm­lich auch nicht nach § 888 ZPO voll­streckt wer­den. Die Bewil­li­gung, die der Schuld­ner erklä­ren soll, wäre in dem Urteil man­gels der zum Voll­zug im Grund­buch erfor­der­li­chen Anga­ben nicht hin­rei­chend bestimmt. Die­se Bestim­mung könn­te im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren auch nicht nach­ge­holt wer­den 5.

Dies ist im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall aber anders: Die Ver­ur­tei­lung des Beklag­ten zur Abga­be der Bewil­li­gung kann nur des­halb nicht nach § 894 ZPO voll­streckt wer­den, weil das dazu in dem Urteil zu bezeich­nen­de herr­schen­de Grund­stück ent­spre­chend der Ent­schei­dung der Klä­ger für den Ankauf oder für die Bestel­lung eines Erb­bau­rechts noch gebil­det wer­den muss. Die­ser Umstand steht aber nach Ein­tritt einer ent­spre­chen­den, hier auch vor­ge­se­he­nen Voll­stre­ckungs­be­din­gung der Voll­stre­ckung nach § 888 ZPO nicht ent­ge­gen. Des­halb kann einem ent­spre­chen­den Antrag das Rechts­schutz­in­ter­es­se auch nicht abge­spro­chen wer­den. Dar­an ändert es nichts, dass die Klä­ger statt­des­sen die Fest­stel­lung der Bewil­li­gungs­ver­pflich­tung des Beklag­ten hät­ten bean­tra­gen kön­nen. Das hin­der­te die Klä­ger aber nicht, einen Leis­tungs­an­trag zu stel­len, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für eine Voll­stre­ckung nach § 888 ZPO, wie hier, aus­nahms­wei­se durch eine Voll­stre­ckungs­be­din­gung sicher­ge­stellt wer­den kön­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Janu­ar 2015 – V ZR 318/​13

  1. dazu: Zöller/​Stöber, ZPO, 30. Aufl., § 894 Rn. 3[]
  2. dazu: BGH, Urteil vom 19.06.1986 – IX ZR 141/​85, BGHZ 98, 127, 129[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 19.05.2011 – I ZB 57/​10, BGHZ 190, 1 Rn. 9 f., 13[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 24.04.1987 – V ZR 228/​85, NJW 1988, 415, 417[]
  5. BGH, Beschluss vom 19.05.2011 – I ZB 57/​10, BGHZ 190, 1 Rn. 13[]