Ver­wer­fungs­be­schlüs­se des Beru­fungs­ge­richts – und ihre Begrün­dung

Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs müs­sen Beschlüs­se, die der Rechts­be­schwer­de unter­lie­gen, den für die Ent­schei­dung maß­geb­li­chen Sach­ver­halt wie­der­ge­ben 1.

Ver­wer­fungs­be­schlüs­se des Beru­fungs­ge­richts – und ihre Begrün­dung

Die­se Anfor­de­run­gen gel­ten auch für Beschlüs­se, mit denen das Beru­fungs­ge­richt die Beru­fung als unzu­läs­sig ver­wirft.

Denn nach § 577 Abs. 2 Satz 4, § 559 ZPO hat das Rechts­be­schwer­de­ge­richt grund­sätz­lich von dem Sach­ver­halt aus­zu­ge­hen, den das Beru­fungs­ge­richt fest­ge­stellt hat. Feh­len tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen, ist es zu einer recht­li­chen Über­prü­fung nicht in der Lage.

Aus­füh­run­gen des Beru­fungs­ge­richts, die eine sol­che Über­prü­fung nicht ermög­li­chen, sind kei­ne Grün­de im ver­fah­rens­recht­li­chen Sin­ne. Sie begrün­den einen Ver­fah­rens­man­gel, der von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen ist und die Auf­he­bung der Beschwer­de­ent­schei­dung nach sich zieht 2.

So lag es für den Bun­des­ge­richts­hof auch in dem hier ent­schie­de­nen Fall: Eine Sach­dar­stel­lung fehlt. Aus­rei­chen­de tat­säch­li­che Anga­ben las­sen sich dem Beschluss auch nicht im Übri­gen ent­neh­men. Er ent­hält hin­sicht­lich der tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen weder eine Bezug­nah­me auf das Urteil des Amts­ge­richts noch auf ande­re (kon­kret bezeich­ne­te) Akten­be­stand­tei­le, aus denen sich mit hin­rei­chen­der Sicher­heit erschlie­ßen könn­te, wel­chen Sach­ver­halt das Beru­fungs­ge­richt sei­ner Ent­schei­dung zugrun­de gelegt hat. Dies gilt auch für die in Bezug genom­me­ne Hin­weis­ver­fü­gung, die ihrer­seits kei­ne hin­rei­chen­den Anga­ben ent­hält, ins­be­son­de­re kei­ne Dar­stel­lung des Ver­fah­rens­ge­gen­stan­des, des Ver­fah­rens­ab­laufs und des genau­en Gegen­stan­des und Inhalts des offen­bar in einem Par­al­lel­ver­fah­ren ein­ge­hol­ten Gut­ach­tens.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs über die Nicht­er­he­bung von Gerichts­kos­ten beruht in die­sem Fall auf § 21 Abs. 1 Satz 1 GKG. Man­gels tat­säch­li­cher Fest­stel­lun­gen zum Sach- und Streit­stand hat der Bun­des­ge­richts­hof den Gegen­stands­wert des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens nach der Wert­fest­set­zung des Beru­fungs­ge­richts bestimmt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Okto­ber 2016 – V ZB 100/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 09.06.2016 – V ZB 17/​15 6; Beschluss vom 20.11.2014 – V ZB 204/​13, ZWE 2015, 97 Rn. 4; Beschluss vom 17.07.2014 – V ZB 157/​13 3; Beschluss vom 15.05.2012 – V ZB 282/​11, WuM 2012, 404 Rn. 3; Beschluss vom 07.05.2009 – V ZB 180/​08, Jur­Bü­ro 2009, 442 f.; Beschluss vom 11.05.2006 – V ZB 70/​05, Fam­RZ 2006, 1030, jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 20.11.2014 – V ZB 204/​13, ZWE 2015, 97 Rn. 4 mwN[]