Ver­zin­sung des Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs – und die Kla­ge­rück­nah­me

Wird eine zuguns­ten des Beklag­ten ergan­ge­ne Kos­ten­grund­ent­schei­dung auf­grund einer Kla­ge­rück­nah­me wir­kungs­los, so ist der Anspruch auf Kos­ten­er­stat­tung gemäß § 104 Abs. 1 Satz 2 ZPO den­noch vom Zeit­punkt des Ein­gangs eines auf der Grund­la­ge der ers­ten Ent­schei­dung ein­ge­reich­ten Kos­ten­fest­set­zungs­an­trags an zu ver­zin­sen, soweit gemäß § 269 Abs. 4 ZPO eine inhalts­glei­che Kos­ten­ent­schei­dung zuguns­ten des Beklag­ten ergan­gen ist.

Ver­zin­sung des Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs – und die Kla­ge­rück­nah­me

Dem Gläu­bi­ger kön­nen in einem Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss Zin­sen auf die fest­ge­setz­ten Kos­ten frü­hes­tens von dem Zeit­punkt an zuge­spro­chen wer­den, in dem die Kos­ten­grund­ent­schei­dung, auf der die Fest­set­zung beruht, voll­streck­bar war.

Nach § 104 Abs. 1 Satz 2 ZPO sind dem Gläu­bi­ger in einem Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss auf Antrag Zin­sen auf die fest­ge­setz­ten Kos­ten zuzu­spre­chen. Der Ver­zin­sungs­zeit­raum beginnt grund­sätz­lich mit dem Ein­gang des Fest­set­zungs­an­trags. Wenn der Fest­set­zungs­be­schluss gemäß § 105 Abs. 1 ZPO auf das Urteil gesetzt wird und der Gläu­bi­ger gemäß § 105 Abs. 3 ZPO die Berech­nung der Kos­ten bereits vor der Ver­kün­dung des Urteils mit­ge­teilt hat, ist statt­des­sen der Zeit­punkt maß­geb­lich, in dem das Urteil ver­kün­det wur­de.

Die­se Rege­lung trägt dem Umstand Rech­nung, dass der Anspruch auf Erstat­tung der Pro­zess­kos­ten gemäß § 103 Abs. 1 ZPO nur auf Grund eines zur Zwangs­voll­stre­ckung geeig­ne­ten Titels gel­tend gemacht wer­den kann. Erfor­der­lich ist dafür eine Kos­ten­grund­ent­schei­dung, die zumin­dest vor­läu­fig voll­streck­bar ist 1. Zin­sen ste­hen dem Gläu­bi­ger des­halb frü­hes­tens von dem Zeit­punkt an zu, in dem eine sol­che Ent­schei­dung vor­liegt 2.

Die­ser Zeit­punkt wird durch § 104 Abs. 1 Satz 2 ZPO nicht vor­ver­legt. Die dar­in auf­ge­stell­te Regel, dass die Ver­zin­sung mit dem Ein­gang des Kos­ten­fest­set­zungs­an­trags beginnt, gilt viel­mehr nur für den Fall, dass der Fest­set­zungs­an­trag nach Erlass einer voll­streck­ba­ren Kos­ten­grund­ent­schei­dung gestellt wird. Für die hier­von abwei­chen­de Kon­stel­la­ti­on des § 105 Abs. 3 ZPO belässt es § 104 Abs. 1 Satz 2 ZPO hin­ge­gen dabei, dass die Ver­zin­sung erst mit der Ver­kün­dung der Kos­ten­grund­ent­schei­dung beginnt. Ent­spre­chen­des gilt auch in allen sons­ti­gen Fäl­len, in denen die Kos­ten auf­grund eines Antrags fest­ge­setzt wer­den, der ein­ge­reicht wur­de, bevor eine voll­streck­ba­re Kos­ten­grund­ent­schei­dung vor­lag.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he 3 ver­liert eine voll­streck­ba­re Kos­ten­ent­schei­dung zuguns­ten des Beklag­ten ihre Eig­nung als Grund­la­ge für den Anspruch auf Kos­ten­er­stat­tung und damit für eine Ver­zin­sung nicht dadurch, dass sie durch einen inhalt­lich gleich­lau­ten­den Beschluss gemäß § 269 Abs. 4 Satz 1 und Abs. 3 Satz 2 ZPO ersetzt wird.

Ein Anspruch auf Kos­ten­er­stat­tung kann aller­dings nicht mehr gel­tend gemacht wer­den, soweit die zugrun­de lie­gen­de Kos­ten­grund­ent­schei­dung auf­ge­ho­ben oder zu Unguns­ten des Gläu­bi­gers abge­än­dert wird. In die­sem Fall ver­liert sogar ein bereits erlas­se­ner Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss sei­ne Wir­kung, weil er in sei­nem Bestand von der ihm zugrun­de lie­gen­den Kos­ten­grund­ent­schei­dung abhängt und die­se nur hin­sicht­lich der Höhe des zu erstat­ten­den Kos­ten­be­trags aus­füllt 4.

Wird die Kos­ten­grund­ent­schei­dung nur teil­wei­se auf­ge­ho­ben oder abge­än­dert, bil­det sie aber wei­ter­hin eine geeig­ne­te Grund­la­ge für die Ver­zin­sung hin­sicht­lich der­je­ni­gen Kos­ten, die sowohl nach der ursprüng­li­chen als auch nach der geän­der­ten Ent­schei­dung zu erstat­ten sind 5.

Für die Kon­stel­la­ti­on, dass die Kos­ten­grund­ent­schei­dung zwar for­mell wir­kungs­los, aber durch eine inhalt­lich gleich­lau­ten­de, eben­falls voll­streck­ba­re Kos­ten­re­ge­lung ersetzt wird, kann nichts ande­res gel­ten.

For­mal betrach­tet beruht die Durch­setz­bar­keit des Erstat­tungs­an­spruchs in die­ser Kon­stel­la­ti­on zwar nicht mehr auf der ursprüng­li­chen Ent­schei­dung.

Ent­ge­gen einer ver­brei­te­ten Auf­fas­sung 6, die frü­her häu­fig auch für den Fall einer teil­wei­se abän­dern­den Kos­ten­ent­schei­dung in zwei­ter Instanz ver­tre­ten wur­de, genügt die­ser Umstand aber nicht, um einen bereits ent­stan­de­nen Zins­an­spruch des Gläu­bi­gers ent­fal­len zu las­sen. Für den Fort­be­stand eines sol­chen Zins­an­spruchs reicht es viel­mehr aus, wenn zuguns­ten des Gläu­bi­gers durch­ge­hend eine voll­streck­ba­re Kos­ten­grund­ent­schei­dung vor­ge­le­gen hat, er also ohne zeit­li­che Unter­bre­chung die Mög­lich­keit hat­te, den Anspruch auf Ersatz der in Rede ste­hen­den Kos­ten durch­zu­set­zen. Auf wel­cher for­mel­len Grund­la­ge die­se Voll­stre­ckungs­mög­lich­keit beruht, ist dem­ge­gen­über irrele­vant.

Die­ses Ergeb­nis deckt sich mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Erstat­tungs­fä­hig­keit von Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung.

Der Gläu­bi­ger, der aus einer vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Ent­schei­dung die Zwangs­voll­stre­ckung betreibt, hat auch dann Anspruch auf Erstat­tung der dafür ange­fal­le­nen not­wen­di­gen Kos­ten, wenn die Ent­schei­dung spä­ter durch einen ande­ren Titel, zum Bei­spiel einen Ver­gleich, ersetzt wird, soweit die Kos­ten auch bei einer Zwangs­voll­stre­ckung aus die­sem Titel ange­fal­len wären. Maß­geb­lich für den Erstat­tungs­an­spruch ist nicht die Kon­ti­nui­tät des Voll­stre­ckungs­ti­tels, son­dern die Voll­streck­bar­keit des zu Grun­de lie­gen­den Anspruchs 7.

Für die hier zu beur­tei­len­de Kon­stel­la­ti­on kann inso­weit nichts ande­res gel­ten. Die Kos­ten­fest­set­zung ist zwar noch nicht Teil der Zwangs­voll­stre­ckung, son­dern dient erst der Schaf­fung eines Voll­stre­ckungs­ti­tels. Eben­so wie die Zwangs­voll­stre­ckung setzt sie aber eine voll­streck­ba­re Ent­schei­dung vor­aus. Ange­sichts des­sen muss es für die Ver­zin­sung eben­falls aus­rei­chen, wenn für den Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch durch­ge­hend eine Voll­stre­ckungs­mög­lich­keit bestan­den hat, auch wenn die­se auf unter­schied­li­chen Ent­schei­dun­gen beruht.

Im Fal­le einer Kla­ge­rück­nah­me ste­hen dem Beklag­ten, der auf der Grund­la­ge einer zu sei­nen Guns­ten ergan­ge­nen voll­streck­ba­ren Kos­ten­grund­ent­schei­dung bereits einen Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag gestellt hat, des­halb wei­ter­hin Zin­sen vom Zeit­punkt des Ein­gangs die­ses Antrags an zu, soweit zu sei­nen Guns­ten eine Kos­ten­ent­schei­dung nach § 269 Abs. 4 Satz 1 und Abs. 3 Satz 2 ZPO ergeht.

Wenn der Klä­ger nach § 269 Abs. 3 Satz 1 ZPO die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen hat, ist sei­ne Stel­lung nicht anders, als wenn die Kla­ge schon in ers­ter Instanz mit der Kos­ten­fol­ge des § 91 Abs. 1 ZPO abge­wie­sen wor­den wäre. Die Kos­ten­ent­schei­dung nach § 269 Abs. 4 ZPO ist mit­hin deckungs­gleich mit einer Kos­ten­ent­schei­dung zuguns­ten des Beklag­ten in einem die Kla­ge abwei­sen­den Urteil.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2015 – X ZB 2/​15

  1. BGH, Urteil vom 08.01.1976 – III ZR 146/​73, MDR 1976, 475 22 ff.; Urteil vom 18.10.2013 – VII ZR 241/​12, NJW 2013, 2975 Rn. 10[]
  2. BFH, Beschluss vom 03.12 1974 – VII B 84/​73, BFHE 114, 326 9; OLG Koblenz, Urteil vom 22.09.2011 – 14 W 545/​11, MDR 2012, 51 7; KG, Beschluss vom 02.02.1967 – 1 W 3122/​66, NJW 1967, 1569, 1570; OVG Müns­ter, Beschluss vom 22.10.2013 – 13 E 668/​12, NJW 2013, 554 5 ff.; Bork in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Auf­la­ge, § 104 Rn. 27[]
  3. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 27.01.2015 – 6 W 114/​14[]
  4. BGH, Beschluss vom 05.05.2008 – X ZB 36/​07, NJW-RR 2008, 1082 = GRUR 2008, 1030 Rn. 5 – Zustel­lungs­be­voll­mäch­tig­ter; Beschluss vom 21.03.2013 – VII ZB 13/​12, NJW 2013, 2438 Rn. 11[]
  5. BGH, Beschluss vom 20.12 2005 – X ZB 7/​05, NJW 2006, 1140 Rn. 3 ff.[]
  6. Bork in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Auf­la­ge, § 104 Rn. 27 Fn. 124; Schulz in MünchKomm-.ZPO, 4. Auf­la­ge, § 104 Rn. 70; für einen Pro­zess­ver­gleich eben­so OLG Hamm, Beschluss vom 31.08.1992 23 W 428/​92, MDR 1993, 585; OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 23.01.1992 – 9 W 104/​91, MDR 1992, 1007; OLG Köln, Beschluss vom 30.09.2013 – 17 W 78/​13 9 ff.; OLG Mün­chen, Beschluss vom 08.02.1996 – 11 W 749/​96, NJW-RR 1996, 703 f.; OLG Schles­wig, Beschluss vom 27.10.1989 – 9 W 223/​89 8[]
  7. BGH, Beschluss vom 10.10.2003 – IXa ZB 204/​03, NJW-RR 2004, 503, 504; Beschluss vom 24.02.2010 – XII ZB 147/​05, NJW-RR 2010, 1005 Rn. 8; Beschluss vom 09.07.2014 – VII ZB 14/​14, NJW-RR 2014, 1149 Rn. 10[]