Ver­zug beim Eigen­heim­bau – und die Nut­zungs­ent­schä­di­gung für die Bau­herrn

Steht dem Bestel­ler wäh­rend des Ver­zugs des Unter­neh­mers mit der Fer­tig­stel­lung eines Hau­ses kein dem her­zu­stel­len­den Wohn­raum in etwa gleich­wer­ti­ger Wohn­raum zur Ver­fü­gung, kann ihm eine Nut­zungs­aus­fall­ent­schä­di­gung zuste­hen 1.

Ver­zug beim Eigen­heim­bau – und die Nut­zungs­ent­schä­di­gung für die Bau­herrn

Der Anspruch auf Nut­zungs­aus­fall­ent­schä­di­gung schei­det auch nicht schon des­halb aus, weil die Bau­herrn noch nicht im Besitz eines bewohn­ba­ren Hau­ses waren, die­ser ihnen also nicht ent­zo­gen, son­dern nur vor­ent­hal­ten wor­den ist. Von der Rechts­ord­nung wird im Rah­men des Scha­dens­er­sat­zes nicht nur das Inter­es­se am Bestand gestützt, son­dern auch das Inter­es­se, eine geschul­de­te Sache zum ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Zeit­punkt zu erhal­ten und sie ab die­sem Zeit­punkt auch nut­zen zu kön­nen 2.

Ein Ver­mö­gens­scha­den ist dann anzu­neh­men, wenn sich der Umstand, dass die Nut­zung eines her­zu­stel­len­den Hau­ses vor­ent­hal­ten wird, signi­fi­kant auf die eigen­wirt­schaft­li­che Lebens­hal­tung des Bestel­lers aus­wirkt, wobei ein stren­ger Maß­stab anzu­le­gen ist 3.

Hier­nach kann eine Nut­zungs­aus­fall­ent­schä­di­gung nicht ver­sagt wer­den, wenn dem Bestel­ler wäh­rend des Ver­zugs ledig­lich Wohn­raum zur Ver­fü­gung stand, der mit dem her­zu­stel­len­den Wohn­raum nicht ver­gleich­bar ist, son­dern eine deut­lich gerin­ge­re Qua­li­tät besitzt 4. Der Geschä­dig­te ist in sei­ner zen­tra­len Lebens­füh­rung fühl­bar beein­träch­tigt, wenn er nur deut­lich min­der­wer­ti­ge­ren Wohn­raum zur Ver­fü­gung hat, z.B. eine deut­lich klei­ne­re Woh­nung 4.

Es kommt des­halb nicht dar­auf an, ob dem Bestel­ler ein noch ange­mes­se­ner Wohn­raum zur Ver­fü­gung stand. Maß­geb­lich ist allein, ob die­ser Wohn­raum dem vor­ent­hal­te­nen Wohn­raum in etwa gleich­wer­tig ist. Allen­falls dann, wenn dem Bestel­ler eine beson­ders luxu­riö­se Woh­nung vor­ent­hal­ten wird, die nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung nicht mehr allein dazu dient, die jewei­li­gen, indi­vi­du­el­len Wohn­be­dürf­nis­se zu befrie­di­gen, son­dern Aus­druck einer Lieb­ha­be­rei oder eines beson­de­ren Luxus ist, kann eine ande­re Betrach­tungs­wei­se gerecht­fer­tigt sein 5.

Bei der Beur­tei­lung, ob eine vor­han­de­ne Woh­nung in etwa gleich­wer­tig ist, ist eine objek­ti­vier­te, typi­sie­ren­de Betrach­tungs­wei­se gebo­ten 6. Den Bau­herrn stand im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall weder mit ihrer bis­he­ri­gen und zunächst wei­ter genutz­ten Woh­nung noch mit der von ihnen sodann bezo­ge­nen Ein­lie­ger­woh­nung auf ihrem Haus­grund­stück ein in etwa gleich­wer­ti­ger Wohn­raum zur Ver­fü­gung. Die­ser betrug 75 m² bzw. 73 m², wäh­rend die Haupt­woh­nung 136 m² auf­weist und daher fast dop­pelt so groß ist.

Der Bun­des­ge­richts­hof weist dar­auf hin, dass der Anspruch auf Nut­zungs­aus­fall­ent­schä­di­gung nicht schon des­halb aus­ge­schlos­sen ist, weil den Bau­herrn bereits rechts­kräf­tig ein Scha­dens­er­satz­an­spruch in Höhe der Mie­te für die wäh­rend des Ver­zugs­zeit­raums bewohn­te Woh­nung zuer­kannt wor­den ist. Die­ser Betrag muss jedoch auf die Nut­zungs­aus­fall­ent­schä­di­gung ange­rech­net wer­den 7.

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 20.02.2014 – VII ZR 172/​13[]
  2. BGH, Urteil vom 20.02.2014 – VII ZR 172/​13 Rn. 14 f.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2014 – VII ZR 172/​13 Rn. 17[]
  4. BGH, Urteil vom 20.02.2014 – VII ZR 172/​13 Rn. 18[][]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2014 – VII ZR 172/​13 Rn.19[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2014 – VII ZR 172/​13 Rn.20; Urteil vom 24.01.2013 – III ZR 98/​12, BGHZ 196, 101 Rn. 15[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2014 – VII ZR 172/​13 Rn. 21[]