Voll­streck­bar­er­klä­rung der Urtei­le aus einem ande­ren EU-Land und der Erfül­lungs­ein­wand

Im Ver­fah­ren der Voll­streck­bar­er­klä­rung eines gericht­li­chen Titels aus einem ande­ren EUMit­glieds­land sind ande­re als die in Artt. 34 und 35 EuGV­VO genann­ten Ein­wen­dun­gen selbst dann nicht berück­sich­ti­gungs­fä­hig, wenn sie liqui­de sind1

Voll­streck­bar­er­klä­rung der Urtei­le aus einem ande­ren EU-Land und der Erfül­lungs­ein­wand

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat ent­schie­den, dass Art. 45 EuGV­VO dahin aus­zu­le­gen ist, dass er der Ver­sa­gung oder Auf­he­bung einer Voll­streck­bar­er­klä­rung einer Ent­schei­dung durch ein Gericht, das über einen Rechts­be­helf gemäß Art. 43 oder 44 EuGV­VO ent­schie­den hat, aus einem ande­ren als einem in den Art. 34 und 35 EuGV­VO genann­ten Grund, wie etwa dem, dass der Ent­schei­dung im Ursprungs­mit­glied­staat nach­ge­kom­men wur­de, ent­ge­gen­steht2.

In sei­nen Aus­füh­run­gen unter­schei­det der Euro­päi­sche Gerichts­hof nicht zwi­schen liqui­den und illi­qui­den Ein­wen­dun­gen. Des­halb ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Euro­päi­sche Gerichts­hof alle nicht von Art. 34 und 35 EuGV­VO genann­ten Ein­wen­dun­gen im Exe­qua­tur­ver­fah­ren als nicht berück­sich­ti­gungs­fä­hig ansieht3.

Bei liqui­den Ein­wen­dun­gen dro­hen zwar kei­ne Ver­zö­ge­run­gen im Voll­streck­bar­er­klä­rungs­ver­fah­ren. Es greift aber das vom Euro­päi­schen Gerichts­hof ange­führ­te Argu­ment, dass zwi­schen dem Exe­qua­tur­ver­fah­ren, wel­ches die Wir­kun­gen der aus­län­di­schen Ent­schei­dung in die Rechts­ord­nung des Zweit­staa­tes „inte­griert”, und der anschlie­ßen­den Zwangs­voll­stre­ckung strikt zu tren­nen ist4. Der Erfül­lungs­ein­wand wird aus­schließ­lich dem spä­te­ren Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren zuge­ord­net, so dass ent­spre­chen­de Ein­wen­dun­gen erst in die­sem Ver­fah­rens­sta­di­um geprüft wer­den kön­nen. Somit gilt, dass nicht nur illi­qui­de5, son­dern auch liqui­de Ein­wen­dun­gen vom Exe­qua­tur­ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Okto­ber 2013 – IX ZB 87/​11

  1. anders noch BGH, Beschluss vom 14.03.2007 – XII ZB 174/​04, BGHZ 171, 310
  2. EuGH, Urteil vom 13.10.2011 – C‑139/​10, Prism Invest­ments BV/​van der Meer, NJW 2011, 3506 Rn. 43
  3. Musielak/​Lackmann, ZPO, 9. Aufl., Art. 45 EuGV­VO Rn. 2; Wag­ner, IPRax 2012, 326, 331; Mel­l­er­Han­nich, GPR 2012, 90, 94; Suje­cki, EWS 2012, 110, 111; vgl. auch HkZPO/​Dörner, 5. Aufl., Art. 45 EuGV­VO Rn. 5; Prütting/​Gehrlein/​Schinkels, ZPO, 4. Aufl., Art. 45 Rn. 1; Mel­l­er­Han­nich in Kindl/​MellerHannich/​Wolf, Gesam­tes Recht der Zwangs­voll­stre­ckung, 2. Aufl., § 12 AVAG Rn. 3 f; aA Gerald Mäsch in Kindl/​MellerHannich/​Wolf, aaO Art. 45 EuGV­VO Rn. 4 aus­drück­lich gegen EuGH
  4. EuGH, aaO Rn. 40
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 12.07.2012 – IX ZB 267/​11, WM 2012, 1555 Rn. 13 ff