Voll­stre­ckung aus einer reva­lu­tier­ten Grund­schuld

Über­gibt der Grund­schuld­gläu­bi­ger die voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung der Grund­schuld­be­stel­lungs­ur­kun­de und den Grund­schuld­brief samt einer Löschungs­be­wil­li­gung an den Schuld­ner, nach­dem die­ser die gesi­cher­te Schuld getilgt hat, kön­nen sich die Par­tei­en bei Fort­be­stehen der Grund­schuld form­los dar­über eini­gen, dass die Voll­stre­ckung aus dem Titel erneut mög­lich sein soll. Hier­von ist in aller Regel aus­zu­ge­hen, wenn die Par­tei­en ver­ein­ba­ren, dass die Grund­schuld wie­der­um eine Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit sichern soll.

Voll­stre­ckung aus einer reva­lu­tier­ten Grund­schuld

Infol­ge der Rück­ga­be der voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gun­gen und der Grund­schuld­brie­fe samt der Löschungs­be­wil­li­gung wird die Durch­füh­rung von Voll­stre­ckungs­maß­nah­men nicht dau­er­haft aus­ge­schlos­sen. Durch die Rück­ga­be der Titel als sol­che ent­fällt deren Voll­streck­bar­keit nicht 1. Auch wenn die Par­tei­en hier­mit still­schwei­gend ver­ein­bart haben, dass von den Titeln nicht mehr Gebrauch gemacht wer­den soll­te, konn­ten sie die­se Ver­ein­ba­rung jeder­zeit auf­he­ben. Weil eine Rück­ge­währ der Grund­pfand­rech­te nicht erfolg­te, die Schuld­ne­rin ins­be­son­de­re die bewil­lig­te Löschung nicht ver­an­lass­te (vgl. § 875 BGB), war die Glä­bui­ge­rin wei­ter­hin auch Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin. Die Par­tei­en konn­ten sich daher ohne wei­te­res dar­über eini­gen, dass die Voll­stre­ckung aus den bestehen­den Titeln erneut mög­lich sein soll­te. Von einer sol­chen Eini­gung ist in aller Regel aus­zu­ge­hen, wenn die Par­tei­en – wie hier – ver­ein­ba­ren, dass die Grund­schuld wie­der­um eine Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit sichern soll.

Hier­zu bedurf­te es kei­ner neu­en nota­ri­el­len Beur­kun­dung. Die erfor­der­li­chen Titel waren vor­han­den. Die Aus­wechs­lung der gesi­cher­ten For­de­rung berührt die Unter­wer­fungs­er­klä­rung – anders als bei der Hypo­thek – nicht, weil die­se auf die Grund­schuld (und ggfs. ein abs­trak­tes Schuld­ver­spre­chen), aber nicht auf den gesi­cher­ten Anspruch bezo­gen ist 2. Nach der Inter­es­sen­la­ge woll­te die Schuld­ne­rin sich gera­de die Mög­lich­keit offen­hal­ten, die Grund­schul­den – wie gesche­hen – erneut als Siche­rungs­mit­tel zu ver­wen­den und auf die­se Wei­se die mit einer erneu­ten Grund­schuld­be­stel­lung ver­bun­de­nen Kos­ten zu spa­ren. Eine sol­che form­lo­se und daher kos­ten­güns­ti­ge Ver­wen­dung der Grund­schuld als Sicher­heit für ande­re als die anfäng­lich gesi­cher­ten For­de­run­gen ist ein wesent­li­cher Grund für die ver­brei­te­te Ver­wen­dung von Grund­schul­den als Kre­dit­si­che­rungs­mit­tel 3.

Weil die Titel wei­ter­hin bestan­den, hat sich die Gläu­bi­ge­rin nicht rechts­miss­bräuch­lich ver­hal­ten, indem sie neue voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gun­gen bean­trag­te. Das erfor­der­li­che berech­tig­te Inter­es­se an der Ertei­lung einer wei­te­ren voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung (§ 733 ZPO) besteht auch dann, wenn der Gläu­bi­ger nach einer Neuva­lu­tie­rung voll­stre­cken darf, die Erst­aus­fer­ti­gung aber auf­grund der zuvor erfolg­ten Schuld­til­gung bei dem Schuld­ner ver­blie­ben ist 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­sä, umnis­ur­teil vom 27. März 2015 – V ZR 296/​13

  1. vgl. BGH, Urteil vom 21.01.1994 – V ZR 238/​92, NJW 1994, 1161, 1162[]
  2. BGH, Urteil vom 03.06.1997 – XI ZR 133/​96, DNotZ 1998, 575, 576; Münch­Komm-ZPO/­Wolfs­tei­ner, 4. Aufl., § 794 Rn. 260; Gaberdiel/​Gladenbeck, Kre­dit­si­che­rung durch Grund­schul­den, 9. Aufl., Rn. 307[]
  3. vgl. nur Epp in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts­hand­buch, 4. Aufl., § 94 Rn. 23; Gaberdiel/​Gladenbeck, Kre­dit­si­che­rung durch Grund­schul­den, 9. Aufl., Rn. 4 ff.[]
  4. vgl. Münch­Komm-ZPO/­Wolfs­tei­ner, 4. Aufl., § 733 Rn. 13[]