Voll­stre­ckung bei Namens­än­de­rung

Die blo­ße Ände­rung des Namens oder der Fir­ma einer Par­tei steht der Voll­stre­ckung eines Titels dann nicht ent­ge­gen, wenn der Gläu­bi­ger die Per­so­nen­iden­ti­tät dem zustän­di­gen Voll­stre­ckungs­or­gan durch ent­spre­chen­de Urkun­den zwei­fels­frei nach­weist1.

Voll­stre­ckung bei Namens­än­de­rung

Dass die Namens­än­de­rung bzw. Umfir­mie­rung einer Par­tei in der Voll­stre­ckungs­klau­sel nicht ver­merkt ("bei­geschrie­ben") wird, führt ledig­lich dazu, dass das zustän­di­ge Voll­stre­ckungs­or­gan, das zu eige­nen Ermitt­lun­gen hin­sicht­lich der Par­teiiden­ti­tät zwar berech­tigt, nicht aber ver­pflich­tet ist, die Durch­füh­rung der Voll­stre­ckung mit der Begrün­dung ver­wei­gern kann, die­se Iden­ti­tät las­se sich nicht zwei­fels­frei fest­stel­len.

Das Beschwer­de­ge­richt hat es mit Recht auch als ver­zicht­bar ange­se­hen, dass die Umfir­mie­rung in der Voll­stre­ckungs­klau­sel ver­merkt2 wur­de3. Zwar gilt im Zwangs­voll­stre­ckungs­recht der Grund­satz der Form­stren­ge und die Voll­stre­ckungs­or­ga­ne trifft in Fäl­len, in denen die Bezeich­nung des Titel­gläu­bi­gers von der Bezeich­nung des­je­ni­gen abweicht, der die Voll­stre­ckung betreibt, kei­ne Ver­pflich­tung zu eige­nen Ermitt­lun­gen. Ent­schei­dend ist hier aber, dass die Voll­stre­ckungs­or­ga­ne berech­tigt sind, die Fra­ge der Iden­ti­tät der Par­tei­en zu prü­fen. Ein Voll­stre­ckungs­gläu­bi­ger, der es unter­lässt, einen die Iden­ti­tät klar­stel­len­den Ver­merk bei der Stel­le zu erwir­ken, die die voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung des Titels erstellt (hat), läuft daher zwar Gefahr, dass das Voll­stre­ckungs­or­gan die Durch­füh­rung der Voll­stre­ckung mit der Begrün­dung ver­wei­gert, die Par­teiiden­ti­tät las­se sich nicht zwei­fels­frei fest­stel­len. Das Voll­stre­ckungs­or­gan ist aber nicht gehin­dert, die Iden­ti­tät der Par­tei­en mit den in der Voll­stre­ckungs­klau­sel genann­ten Per­so­nen im Wege eige­ner Ermitt­lun­gen fest­zu­stel­len. Wer als Voll­stre­ckungs­schuld­ner in Anspruch genom­men wird, wird hier­durch nicht unbil­lig belas­tet; denn ihm steht die Mög­lich­keit offen, die Beja­hung der Iden­ti­tät durch das Voll­stre­ckungs­or­gan mit den dafür vor­ge­se­he­nen Rechts­be­hel­fen anzu­grei­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Juli 2011 – I ZB 93/​10

  1. vgl. BayO­bLG, NJW 1956, 1800 f.; LG Han­no­ver, Jur­Bü­ro 2005, 275; LG Augs­burg, Beschluss vom 19.02.2010 – 4 T 4358/​08; Wal­ker in Schuschke/​Walker, Voll­stre­ckung und Vor­läu­fi­ger Rechts­schutz, 5. Aufl., § 750 Rn. 13 und 20, jeweils mwN []
  2. "bei­geschrie­ben" []
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 27.02.2004 – IXa ZB 262/​03, DGVZ 2004, 73, 74; MünchKomm-.ZPO/Wolfsteiner, 3. Aufl., § 726 Rn. 69; Wal­ker in Schuschke/​Walker aaO § 750 Rn. 13 und 20; aA Musielak/​Lackmann, ZPO, 8. Aufl., § 727 Rn. 1; Krop­pen­berg in Prütting/​Gehrlein aaO § 727 Rn. 4; Baumbach/​Hartmann, ZPO, 69. Aufl., Einf §§ 727729 Rn. 5 "Neu­er Name" []