Voll­stre­ckung in Deutsch­land – und die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit für die Titel­her­aus­ga­be­kla­ge

Bei einer in Deutsch­land (anste­hen­den) Voll­stre­ckung sind die deut­schen Gerich­te außer für die Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge auch für die Ent­schei­dung über die Kla­ge auf Her­aus­ga­be des Voll­stre­ckungs­ti­tels inter­na­tio­nal zustän­dig.

Voll­stre­ckung in Deutsch­land – und die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit für die Titel­her­aus­ga­be­kla­ge

Nr. 5 EuGV­VO bestimmt, dass für Ver­fah­ren, wel­che die Zwangs­voll­stre­ckung aus Ent­schei­dun­gen zum Gegen­stand haben, die Gerich­te des Mit­glied­staats zustän­dig sind, in des­sen Hoheits­ge­biet die Zwangs­voll­stre­ckung durch­ge­führt wer­den soll oder durch­ge­führt wor­den ist. Nach die­ser Vor­schrift sind die Gerich­te des Staa­tes, in dem aus dem Titel gegen den Schuld­ner voll­streckt wird oder die Voll­stre­ckung droht (hier in Deutsch­land), auch für die von ihm erho­be­ne Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge gemäß § 767 ZPO inter­na­tio­nal zustän­dig 1. Ob sich die Zustän­dig­keit des Gerichts nach Art. 22 Nr. 5 EuGV­VO auf eine von dem Schuld­ner gleich­zei­tig mit der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge erho­be­ne Titel­her­aus­ga­be­kla­ge erstreckt, ist aller­dings nicht zwei­fels­frei.

Dafür spricht der enge pro­zess­recht­li­che und sach­li­che Zusam­men­hang der bei­den Kla­gen 2 sowie der Umstand, dass die Rechts­ver­fol­gung für den Schuld­ner wesent­lich erschwert wür­de, wenn er zwei Kla­gen in unter­schied­li­chen Mit­glieds­staa­ten (mit der Gefahr ein­an­der wider­spre­chen­der Ent­schei­dun­gen) erhe­ben müss­te. Gegen die Annah­me einer inter­na­tio­na­len Zustän­dig­keit könn­te spre­chen, dass die Bestim­mun­gen über die aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit in Art. 22 EuGV­VO eng aus­zu­le­gen sind 3 und dass die EuGV­VO kei­ne all­ge­mei­ne Zustän­dig­keit des Sach­zu­sam­men­hangs kennt 4.

Die Fra­ge, ob die deut­schen Gerich­te für die Ent­schei­dung über die Kla­ge auf Her­aus­ga­be des Titels nach Art. 22 Nr. 5 EuGV­VO aus­schließ­lich zustän­dig sind, bedarf jedoch im vor­lie­gen­den Fall kei­ner Ent­schei­dung, weil sich die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit hier andern­falls aus Art. 5 Nr. 1a EuGV­VO ergä­be. Danach kann eine Per­son in einem ande­ren Mit­glied­staat vor dem Gericht des Ortes ver­klagt wer­den, an dem die Ver­pflich­tung erfüllt wor­den ist oder zu erfül­len wäre, wenn ein Ver­trag oder Ansprü­che aus einem Ver­trag den Gegen­stand des Ver­fah­rens bil­den. Hier­un­ter fal­len sämt­li­che schuld­recht­li­chen Ansprü­che, die auf einer frei­wil­lig ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung beru­hen 5. Anknüp­fungs­punkt für die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit ist dabei die Haupt­leis­tungs­pflicht, auf die der Klä­ger sei­ne Kla­ge stützt. Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall waren bei­de Haupt­leis­tungs­pflich­ten in Deutsch­land zu erfül­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil – und Ver­sä, umnis­ur­teil vom 19. Dezem­ber 2014 – V ZR 32/​13

  1. EuGH, Urteil vom 04.07.1985 – 220/​84, NJW 1985, 2892 Rn. 12 [zum gleich­lau­ten­den Art. 16 EGÜV] und Urteil vom 13.10.2011 – C139/​10, NJW 2011, 3506 Rn. 40[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 21.01.1994 – V ZR 238/​92, NJW 1984, 1161, 1162; BGH, Urteil vom 14.07.2008 – II ZR 132/​07, NJW-RR 2008, 1512 Rn. 9[]
  3. EuGH, Urteil vom 26.03.1992 – C261/​90, IPRax 1993, 28 Rn. 27[]
  4. EuGH, Urteil vom 27.10.1998 – C51/​97, RIW 1999, 57 Rn. 39; Urteil vom 05.10.1999 – C420/​97, NJW 2000, 721 Rn. 38[]
  5. EuGH, Urteil vom 05.02.2004 – C265/​10, RIW 2004, 385, 386; EuGH, Urteil vom 17.09.2002 – C334/​00, NJW 2002, 3159; EuGH, Urteil vom 17.06.1994 – C26/​91, JZ 1995, 90[]